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Lübben
Schicksal der Familie Bullack bewegt

Großer Andrang herrschte am Samstag in der Turnhalle in der Gartengasse in Lübben. 1153 Menschen haben sich als Stammzellenspender dort registrieren lassen. Die Anteilnahme mit der Familie Bullack ist riesengroß.
Großer Andrang herrschte am Samstag in der Turnhalle in der Gartengasse in Lübben. 1153 Menschen haben sich als Stammzellenspender dort registrieren lassen. Die Anteilnahme mit der Familie Bullack ist riesengroß. FOTO: Staindl / Staindl Andreas
Lübben. Stammzellen-Aktion in Lübben findet überwältigende Resonanz. 1153 Menschen haben sich registrieren lassen.

Die Registrierungsaktion am Samstag in Lübben war ein voller Erfolg. 1153 Menschen haben sich als Stammzellenspender registrieren lassen. Das sind deutlich mehr als die erhofften tausend. Schon dieses Ziel war sportlich. Doch das Schicksal der Familie Bullack aus Plattkow (Märkische Heide) bewegt die Menschen-nicht nur aus dem Spreewald.

Vater Patrick Bullack (30) ist an einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs erkrankt. Nur eine Stammzellenspende kann sein Leben retten. Familie und Freunde hatten deshalb gemeinsam mit der Gemeinde Märkische Heide, der Stadt Lübben und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gemeinnützige GmbH die Registrierungsaktion in Lübben organisiert. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hatte Platz, Logistik und Personal zur Verfügung gestellt. „Es gehört zu unseren Aufgaben, schnell und unkompliziert zu helfen“, sagt der Geschäftsführer Sven Meier. 120 ehrenamtliche Helfer haben die Aktion am Samstag in der Turnhalle in der Gartengasse unterstützt inklusive eines attraktiven Rahmenprograms.

Diese große Bereitschaft hat selbst die erfahrenen Organisatoren Ilka Paulick und Jens Galkow von der Initiativgruppe überrascht. Noch glücklicher waren sie über die vielen Menschen, die sich als Stammzellenspender registrieren ließen. Die Schlange am Eingang der Turnhalle riss quasi nie ab. Andreas Müller als Einweiser behielt den Überblick, schaute, wo gerade ein Platz an den zahlreichen Tischen frei wurde.

Die Turnhalle war ganztägig rappelvoll. Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hatte die Halle zur Verfügung gestellt. Für ihn „selbstverständlich“. Bürgermeisterin Annett Lehmann (parteilos) aus der Märkischen Heide ist dankbar dafür: „Ohne die Unterstützung aus Lübben wäre die Aktion so für uns nicht möglich gewesen. Es ist überwältigend, wie viele Menschen dem Aufruf gefolgt sind.“ Sie und Lars Kolan haben sich ebenfalls registrieren lassen.

Steffen Kuhnert ist ganz spontan vorbeigekommen. Er wohnt in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz), ist Dauercamper in Alt Schadow (Märkische Heide). „Wir waren mit dem Auto zum Einkaufen in Lübben unterwegs und haben im Radio von der Aktion gehört. Da war für mich und meine Frau sofort klar, dass auch wir einfach helfen müssen.“

Das Schicksal von Patrick Bullack berührt auch Anja Rösel aus Zaue am Schwielochsee: „Jeder kann in eine solche Situation kommen.“ Sie war gemeinsam mit Doreen Krüger zur Registrierung gekommen. „Als ich davon gehört hatte, dachte ich mir: Warum eigentlich nicht?“, sagt diese. „Gut, dass das Thema öffentlich gemacht wurde. Dadurch wurden viele Leute erreicht.“ Peggy Ruback aus Gröditsch (Märkische Heide) ist in der freiwilligen Feuerwehr-wie Patrick Bullack. „Wenn ein so junger Mensch ernsthaft erkrankt ist, bewegt mich das natürlich“, sagt sie. Auch Julia Scheinpflug aus Gröditsch hat sich registrieren lassen: „Das ist das mindeste, was ich machen kann, um dem jungen Mann zu helfen.“

35 Euro kostet jede Neuaufnahme inklusive Typisierung. Diese Kosten werden von der DKMS getragen, denn nicht jeder kann und will dieses Geld aufbringen. Deshalb wurde am Samstag auch um Spenden gebeten. Julia Scheinpflug hat sogar mehr als die benötigten 35 Euro gespendet: „Es geht mir gut, also helfe ich“, begründet sie ihre Spende. Anika Nowotny ist schon seit 2014 als Stammzellenspenderin registriert. „Für mich war frühzeitig klar, dass ich helfen will“, sagt die 22-Jährige aus Gröditsch. „Vielleicht komme ich ja als Spenderin infrage.“

Die Chance, dass einer der mehr als tausend Menschen vom Samstag tatsächlich als Spender infrage kommt, ist da. „Je mehr Leute sich im Umfeld des Betroffenen registrieren lassen, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein genetischer Zwilling dabei ist“, sagt Kathrin Grothe von der DKMS. Ihr zufolge gibt es unter hundert registrierten Spendern einen Treffer in der weltweiten Datenbank. Demnach dürfte die Aktion am Samstag etwa zehn Menschen das Leben retten. Zudem hätten sich nach einem Bericht im Frühstücksfernsehen bei Sat1 einen Tag vor der Aktion mehr als 4000 Menschen spontan als Stammzellenspender registrieren lassen, wie Jens Galkow sagt.

Auch finanziell ist einiges zusammengekommen. Helfer waren mit Spendenbüchsen im Stadtgebiet unterwegs. Firmen haben großzügig gespendet, um die Arbeit der DKMS zu unterstützen. Der ASB etwa zahle für jeden seiner Mitarbeiter, der sich registrieren ließ, die Kosten, wie Sven Meier sagt. „Viele Unternehmen und Privatpersonen haben geholfen, sich mit Geld und Sachleistungen eingebracht“, erzählt Ilka Paulick. „Wir sind sehr dankbar dafür.“ Der enorme Aufwand der Initiativgruppe hat sich also auf jeden Fall gelohnt, zumal das Thema Stammzellenspende jetzt noch mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist.

„Das sieht Patrick auch so“, sagt seine Frau Bianka. Sie war von der großen Resonanz am Samstag „völlig überwältigt“, hatte Tränen in den Augen und sagte: „Wahnsinn, was hier los. Es tut sehr gut, so viel Solidarität zu erfahren.“

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