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Heimatgeschichte
Lübben und seine seltsamen und kuriosen Stadtgeschichten

Rolf Ebert (r.) hätte sich noch einige Episoden zu erzählen gehabt. Der zweistündige Vortrag ging ganz schön auf die Stimme. Der Heimatverein wird sich künftig um ein Mikrophon bemühen.
Rolf Ebert (r.) hätte sich noch einige Episoden zu erzählen gehabt. Der zweistündige Vortrag ging ganz schön auf die Stimme. Der Heimatverein wird sich künftig um ein Mikrophon bemühen. FOTO: Sybille Grunert
Lübben. Der Heimatverein hat wieder einmal Geschichte und „Geschichtchen“ der Stadt Lübben in den Mittelpunkt einer Veranstaltung gerückt.

  Dem langjährigen Vereinsmitglied Rolf Ebert gelang es, mehr als 40 Heimatfreunde und Gäste in die Gaststätte „Spreeblick“ zu locken, um das Wissen über die Lübbener Stadtgeschichte wieder aufzufrischen.

Bezugnehmend auf  den Vortrag des Archäologen Dr. Gert Wille aus Dresden im Sommer erwähnte Ebert zunächst die älteren „Höfe“ des Kreises Lübben, die ehemals vor mehr als eintausend Jahren zum Burgward Liubocholi (heute Leibchel) gehörten: Pretschen, Gröditsch, Leibsch, Schlepzig und Krausnick. Sie

Waren allesamt am 8.8.1004 von König Heinrich II. an das Benediktiner- kloster Nienburg an der Saale verschenkt worden. Doch in den Aufzeichnungen fehlte die Burg Lübben, denn ohne sie und die von ihr geschützte Furt konnten die Abgaben an das Kloster Nienburg (Honig, Hopfen, Geflügel, Schweine u.a.) aus dem moorigen Spreewald nicht in das rund 160 km entfernte Kloster gelangen. Der Übergang über die Spree musste an der Stelle erfolgen, die auch durch eine Burg geschützt wurde. Durch den Fund von uralten Papieren über die Bestands-  aufnahme der Niederlausitzer Klostergüter, die nur als Bruchstücke existieren, konnten Historiker schließlich in Verbindung mit den Aufzeichnungen der damaligen Mönche auf dem heutigen Petersberg bei Halle über die Kriege zwischen Herzog Heinrich der Löwe und dem Markgrafen Dietrich festhalten, dass es 1180 die Verteidiger und Nach-kommen der urbs Lubin (Burg Lübben) waren, die diesen Ort schließlich in den folgenden Zeiten zu einer der bedeutendsten Städte im Spreewald entwickel ließen.

Heimatfreund Ebert sprach auch darüber, dass der Lübbener Bürgermeister und Autor eines Geschichtsbuches, Johann Wilhelm Neumann, schrieb, dass Lübben bereits 1007 als „…civitate magna Luibni dicta“ erwähnt wurde. Der 1906 in Lübben arbeitende Archivar Dr. Woldemar Lippert konnte glücklicherweise nachweisen, dass hier ein Übersetzungsfehler vorlag.

Heimatfreund Ebert führte die Zuhörer auch in die Zeit des Siebenjährigen Krieges des preußischen Königs Friedrich II. Dessen Armee wurde 1759 bei Kunersdorf von den Gegnern so geschwächt, dass er schließlich bei Fürstenwalde ein Auffanglager für versprengte Grenadiere einrichtete und sich selbst in der Mühle von Waldow bei Straupitz versteckte. Kurios war, dass die Mühle als „Preußische Poststation“ getarnt wurde. Die Versorgung des Königs und seines Stabes musste von Lübben aus erfolgen.

Der König erpresste die sächsischen Städte mit hohen Kontributionen, so auch Lübben und angeblich auch die Oberamtsregierung. Die sollte 20 000 Taler Brandschatzung zahlen.

Gotthold Ephraim Lessing schrieb in dieser Zeit ein Lustspiel „ Minna von Barnhelm“ (Soldatenglück), in dem er die Erpressung des preußischen Königs verdeutlichte. Lübbener behaupten, das Lustspiel habe sich hier zugetragen, denn die Oberamtsregierung hatte ja hier ihren Sitz. Heimatfreund Ebert konnte jedoch Dr. Rudolf Lehmann anführen, der aus allen zur Verfügung stehenden Archivalien von einem solchen Vorgang nichts finden konnte. (Nachzulesen auch im Heimatkalender von 2003). Geldforderungen von Seiten Friedrichs des Großen brachten auch andere sächsische Städte in Existenznot. Da auch im Stück jegliche genaue Ortsangaben und Personenbeschreibungen fehlen, gehört die Errettung des Ständischen Landhauses durch den preußischen Major von Tellheim zur künstlerischen Freiheit Lessings.

Die drei Kriege des preußischen Königs verurteilten die Leidtragenden, die Bauern, die Handwerker, Bürger und Soldaten. Dazu gehörte auch das Musketier Berling vom Bork`schen Infanterieregiment, das einige Zeit in Lübben lag. Der Musketier überzog den König mit vielen Schmähungen und beleidigenden Worten, so dass ihn die Lübbener Stadtväter einsperrten und schließlich beim König in Potsdam anfragten, was sie mit dem „Majestätsbeleidiger“ anfangen sollten. Heimatfreund Ebert las die Antwort des Königs vom 12.11.1784 an den Magistrat Lübben vor. Darin verlangte der König zum Entsetzen des Rates die Freilassung Berlings. Immerhin war er sehr an der Wiederherstellung seines Rufes als „Ester Diener des Staates“ bemüht. Dazu gehörten Gerechtigkeit, Großzügigkeit und Nachsicht.

Im Vortrag konnte natürlich auch der kurze Aufenthalt Napoleons I. am 21.7.1813 nicht fehlen, denn die Stippvisite des damals mächtigsten Mann Europas hinterließ in den „Lebenserinnerungen“ des Lübbener Bürgermeisters Neumann etlichen „Zündstoff“ für viele Diskussionen. Das ahnte wohl der Bürgermeister, denn er verbot, seine Denkwürdigkeiten noch zu seiner Lebenszeit in die Öffentlichkeit zu bringen.

Einen großen Bogen schlug Herr Ebert vom Kommandeur des Lübbener „Prinz-Albrecht-Dragonerregiments“, 1812 Oberst August Lessing, bis hin zu dessen Grabstein, der 1966 auf dem alten Friedhof am Großen Hain wieder entdeckt werden konnte. Dem zum Generalmajor beförderten und geadelten August Lessing war die Ehre zuteil geworden, durch die Restauration des Grabsteines sogar ein Ehrengrab an der Friedensstraße zu erhalten. Das Grab wurde jedoch sehr bald wieder entfernt.

Mit kleinen Kuriositäten, wie die Bestrafung von Gänsedieben in Steinkirchen oder den interessanten Festlegungen in der damals neuen Verkehrsordnung von 1906 auch für die Lübbener Automobilisten, beendete Heimatfreund Ebert einen interessanten Vortrag.