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| 18:42 Uhr

Tracht in Lübben
Geschichten und Gedichte zeigen Vielfalt des Begriffs „Tracht“

 Karen Ascher (r.) liest ihre Geschichte vor, in der sie den Begriff „Tracht“ verarbeitet hat. Ingrid Groschke, Vera Städter, Sindy Herrmann und Peter Dumat (v.l.) hören interessiert zu. Die Schreibwerkstatt am Samstag in Lübben war ein Projekt innerhalb der Kunstaktion „Drastwa“.
Karen Ascher (r.) liest ihre Geschichte vor, in der sie den Begriff „Tracht“ verarbeitet hat. Ingrid Groschke, Vera Städter, Sindy Herrmann und Peter Dumat (v.l.) hören interessiert zu. Die Schreibwerkstatt am Samstag in Lübben war ein Projekt innerhalb der Kunstaktion „Drastwa“. FOTO: Andreas Staindl
Schreibwerkstatt ist Teil des Kunstprojkets „Drastwa“ (Tracht). Neben Kleidung geht es auch um Bienen und Schläge. Von Andreas Staindl

Tracht ist ein Kleidungsstück. Etwas, das getragen wird, das zur Ausstattung gehört. Ob aus traditionellen oder modischen Gründen – das ist egal. Das Deutsche Trachtenfest kürzlich in Lübben hat das deutlich gemacht. Doch Tracht ist viel mehr. Der Begriff steht eben nicht nur für Kleidung.

Wofür er noch steht und welche verschiedenen Sichtweisen auf den Begriff „Tracht“ es gibt, das haben sich die Teilnehmer der Schreibwerkstatt am Samstagnachmittag im Museum in Lübben erarbeitet. Mit dem Autor Peter Dumat aus Berlin war ein Experte eingeladen, der es hervorragend versteht, mit Worten zu spielen, diese punktgenau, manchmal auch überraschend einzusetzen.

„Der Betriff Tracht“, sagt er, „hat viele Bedeutungen. Er wird von jedem anders wahrgenommen, je nach Erfahrung und Hintergrund. Tracht steht für mich nicht in erster Linie für ein Kleidungsstück.“ Wofür dann? Das haben er und die anderen Teilnehmer zu Beginn der Schreibwerkstatt gemeinsam herausgefunden. Ziel war es, sich dem Begriff Tracht anzunähern, verschiedene Kreativ- und Schreibübungen zum Thema durchzuführen.

Herausgekommen sind Geschichten und Gedichte, in deren Mittelpunkt der Begriff Tracht in unterschiedlichen Bedeutung vorkommt. Ingrid Groschke hat eine Bienentracht im Kopf – also das gesamte Angebot an Pollen, Honigtau und Nektar, das die Bienen in den heimischen Stock eintragen, wo alles zu Honig verarbeitet wird. Wie ihre Geschichte mit Opa Otto und seinen fünf Bienenvölkern weitergeht, ist noch offen. Auch Vera Städter steht erst am Anfang ihrer Geschichte. Sie stellt die Türmertracht in den Mittelpunkt. „Eine Tracht kann Geschichten und etwas über den Träger erzählen.“ Was genau das sein wird, dafür reichte die Zeit am Samstag nicht. Vera Städter will die Geschichte in Ruhe zu Ende schreiben und sie später während einer ihrer Aufstiege auf den Turm an der Paul-Gerhardt-Kirche präsentieren.

Auch Karen Ascher denkt bei dem Begriff „Tracht“ an ein Kleidungsstück. „Ich habe noch immer das Trachtenfest mit den vielen unterschiedlichen Trachten im Kopf“, sagt sie. In ihrer Geschichte ist Luisas Tracht dreckig geworden. Welche Konsequenzen das hat und ob sie damit in die Kirche gehen kann, wird Karen Ascher noch zu Ende erzählen. Sindy Herrmann hat ihre Gedanken zum Begriff „Tracht“ in ein Gedicht gepackt. Auch sie hat dabei ein Kleidungsstück im Kopf. Etwa eine alte Jeans, die ihr Vater aus dem Westen bekommen und später ihr überlassen habe. Tracht als ein Stück Identifikation, Tradition, Erinnerung. Elias, der Sohn von Karen Ascher, hat sich dem Begriff „Tracht“ auf interessante Weise genähert. „Die Prügel-Tracht“ heißt seine Geschichte, die neugierig auf das Ende macht.

Peter Dumat hat sich dem Begriff kreativ genähert und das Gedicht „Die Anti-Tracht“ begonnen. Wann die Teilnehmer ihre Werke vollenden, steht noch nicht fest. Klar ist, dass ihre Arbeitsnachweise aus der Schreibwerkstatt in den großen Katalog integriert werden, in dem alle Ergebnisse des Kunstprojekts „Drastwa“ präsentiert werden. Das Werk soll spätestens zur Finisage der Kunstaktion am 14. Juni dieses Jahrs vorliegen wie Karen Ascher – eine der Initiatorinnen des Kunstprojekts – sagt.

Die Schreibwerkstatt war eines der zahlreichen Angebote innerhalb der Kunstaktion „Drastwa“ (Tracht) zwischen April und Juni dieses Jahrs. Am 1. Juni gibt es das letzte Projekt dieser Aktion. Dann wird zum Basteln von Kopfbedeckungen während des Kinderfests auf dem Lübbener Marktplatz eingeladen.

 Karen Ascher (r.) liest ihre Geschichte vor, in der sie den Begriff „Tracht“ verarbeitet hat. Ingrid Groschke, Vera Städter, Sindy Herrmann und Peter Dumat (v.l.) hören interessiert zu. Die Schreibwerkstatt am Samstag in Lübben war ein Projekt innerhalb der Kunstaktion „Drastwa“.
Karen Ascher (r.) liest ihre Geschichte vor, in der sie den Begriff „Tracht“ verarbeitet hat. Ingrid Groschke, Vera Städter, Sindy Herrmann und Peter Dumat (v.l.) hören interessiert zu. Die Schreibwerkstatt am Samstag in Lübben war ein Projekt innerhalb der Kunstaktion „Drastwa“. FOTO: Andreas Staindl