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| 17:42 Uhr

Kinder- und Jugendkonferenz
„Ich möchte mitentscheiden“

 Das bewegt nicht nur Kommunalpolitiker und Stadtverwaltung, sondern auch Jugendliche in Lübben: Wenn der unbefestigte Radweg nach Regenfällen unter Wasser steht und voller Pfützen ist, weichen die Radler auf den Fußweg aus, und für die Schüler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums bleibt kaum noch Platz auf dem Weg zur Bushaltestelle.
Das bewegt nicht nur Kommunalpolitiker und Stadtverwaltung, sondern auch Jugendliche in Lübben: Wenn der unbefestigte Radweg nach Regenfällen unter Wasser steht und voller Pfützen ist, weichen die Radler auf den Fußweg aus, und für die Schüler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums bleibt kaum noch Platz auf dem Weg zur Bushaltestelle. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Kinder und Jugendliche bahnen in Lübben den Weg für ihre Beteiligung. Die Radwege sind auch bei ihnen ein Thema. Von Ingvil Schirling

„JubeLN“ hieß es am Mittwochnachmittag im Club Bellevue am Lübbener Schützenplatz. Allerdings nicht über Beats und Moves aktueller Hits in der Diskothek. Stattdessen stand intensives und kreatives Nachdenken, neudeutsch „Brainstorming“ genannt, zu der Frage an, wie sich Kinder und Jugendliche an Entscheidungsprozessen in der Stadt beteiligen können. Als Titel hatte die einladende Stadtverwaltung ein Kunstwort aus dem Motto „Jugend bewegt Lübben“ (Ju-be-LN) gewählt.

Rund 30 Zwölf- bis 18-Jährige waren dabei. Die Stadtverwaltung ist nach Paragraf 18a der Brandenburgischen Kommunalverfassung dazu angehalten, Kindern und Jugendlichen in allen Angelegenheiten Beteiligung und Mitwirkung einzuräumen, die sie und die Kommune betreffen. Das muss in der Hauptsatzung verankert werden, die aktuell zur Diskussion auf den Tischen der Abgeordneten liegt. Die Frage ist nur: Wie?

Eine abschließende Antwort darauf gab es am Mittwoch nicht. Ein Folgetermin soll die Richtung aufzeigen: Soll ein Jugendbeirat gegründet werden? Oder eher ein Jugendparlament? Und wie wird gewählt? All dies blieb offen.

 Ulrike Rippa, Mitarbeiterin der „insel“, trug im Club Bellevue die Ergebnisse der von ihr moderierten Diskussionen vor.
Ulrike Rippa, Mitarbeiterin der „insel“, trug im Club Bellevue die Ergebnisse der von ihr moderierten Diskussionen vor. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Viele andere Ideen aber entstanden während der drei Stunden. Deutlich wurde vor allem, dass die Probleme, die die Kinder und Jugendlichen sehen, im Prinzip die selben sind, die auch die erwachsenen Verwaltungsfachleute und Kommunalpolitiker bewegen. Diese waren am Mittwoch dabei, hielten sich aber dezent im Hintergrund. Neben dem Bildungsausschussvorsitzenden Jens Richter (CDU/Grüne) war die gesamte Verwaltungsspitze anwesend: Bürgermeister Lars Kolan (SPD), Stadtplanerin Karin Jacobsen, Fachbereichsleiter Bau Frank Neumann, Ordnungsamtschefin Petra Streiber sowie Hauptamtsleiter Michael Hase.

Sie dürften die Ohren gespitzt haben, als fast als erstes die Geh- und Radwegsituation an der B115, der Berliner Chaussee und Berliner Straße, zur Sprache kam. Dass dieser teils unbefestigt, teils nicht vorhanden ist, hat Verwaltung und Politik in den vergangenen Monaten umgetrieben. Knackpunkt ist, dass die Sanierung der Bundesstraße ansteht – aber erst in etwa fünf Jahren. Bis sie fertig ist, vergeht noch einmal Zeit. Die aktuelle Frage lautet: Soll der Zustand bis dahin so bestehen bleiben? Oder soll die Stadt auf eigene Kosten ein Provisorium herstellen, das später wieder weggenommen werden müsste?

 Einer der Thementische beschäftigte sich mit Kommunikation.
Einer der Thementische beschäftigte sich mit Kommunikation. FOTO: LR / Ingvil Schirling

„Wenn es regnet, bilden sich vor dem Paul-Gerhardt-Gymnasium große Pfützen. Dann weichen die Radfahrer auf den Fußweg aus, und für uns ist kein Platz mehr“, sagte die 16-jährige Julia Bandemer. Sie war mit ihren Freundinnen Viktoria Dankova (17) und Josephine Pfeiler da. Viktoria sprach bei gutem Sportangebot, beispielsweise Fuß- und Volleyball, das aus ihrer Sicht fehlende Schwimmbad an. „Das wäre doch auch gut für die Kliniken, weil durch Bewegung im Wasser Vieles verbessert und sogar geheilt werden kann“, sagte sie – und dürfte damit so manchem Lübbener aus dem Herzen gesprochen haben. Die Möglichkeit eines Bades ist im integrierten Stadtentwicklungskonzept verankert; offen ist, wer es bauen und betreiben soll.

An Stellen wie diesen hakten die an drei Thementischen moderierenden Jugendsozialarbeiter ein. Ulrike Rippa, Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „die insel“ in Lübben, holte durch ihre Fragen ans Licht, dass es nicht unbedingt Aufgabe der Stadt wäre, ein Bad zu bauen und zu betreiben. Ein erster Realitätscheck war somit inbegriffen.

Der Ausbau von Radwegen, „dass die Moderne in Lübben mehr Einzug hält und ein offenes Wlan“ waren Anliegen von Stefan Tarnow. Der zwölfjährige Liuba-Grundschüler sagte: „Ich beschwere mich häufig über Dinge, die die Stadt entscheidet und die mir nicht so gut passen. Ich möchte Einblick haben, aber auch mitentscheiden“, und brachte damit auf den Punkt, warum er sich bei den Überlegungen zur Kinder- und Jugendbeteiligung mit einbringt.

Timo Jeschke (12) machte sich viele Gedanken darüber, welche Form die Beteiligung haben soll. Wie werden die Vertreter der Altersgruppen bestimmt, die am Ende mit Stadtverordneten und Verwaltungsmitarbeitern über Entscheidungen diskutieren, die ihre Lebenswelt und Zukunft mit betreffen? Möglichkeiten gibt es viele. „Wichtig ist, dass die Erwachsenen sich die Meinung der Kinder anhören“, sagte er.

Und diese stellten kreative und nützliche Vorschläge in den Raum. Ein Schülercafé, ein zusätzlicher Jugendtreff mit Wlan, ein Ort, wo man die Wartezeit auf den Bus überbrücken kann – bei den Jugendsozialarbeitern stießen sie damit auf offene Ohren. Das wären umgekehrt auch Treffpunkte, wo ihnen zugehört und Angebote gemacht werden könnten.

Offen blieb, wer all die guten Ideen der jungen Experten für ihre Lebenswelt künftig koordiniert und die Umsetzung begleitet – auch beispielsweise eine Hotline für Kinder und Jugendliche in die Stadtverwaltung. Wer das machen soll, bleibt über die Beteiligungsform hinaus auszuloten. Damit diese nicht nur „jubeLN“, sondern auch mitbestimmen können.