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| 02:43 Uhr

Lübben setzt auch 2016 auf Qualität

Zu den wichtigen künftigen Projekten in der Spreewaldstadt gehört die Gestaltung des Umfeldes vom Schloss.
Zu den wichtigen künftigen Projekten in der Spreewaldstadt gehört die Gestaltung des Umfeldes vom Schloss. FOTO: Ingvil Schirling
Mit Qualitätscoach Verena Micknaß hat Lars Kolan (SPD) in seinem ersten Jahr als Lübbener Bürgermeister Workshops und Runden ins Leben gerufen, in denen es um die Weiterentwicklung der Stadt Lübben unter dem Aspekt der Bürgerbeteiligung geht. Wie wollen die beiden den Ansatz weiterentwickeln? Und was soll außerdem angepackt werden?

Frau Micknaß, war es schwierig, die Gesprächsrunden zu organisieren?
Es war manchmal anstrengend, die Qualitätsbetriebe zu den Quartalssitzungen zusammenzubekommen. Für den Bürgerdialog "Engagiert in Lübben" meldeten sich jedoch immer wieder viele Lübbener zusätzlich, die mitmachen wollen. Wenn alle zusammen sind, entwickeln wir sehr viele kreative Ideen und werden von Herrn Kolan sehr gut unterstützt. So können wir als Q-Gemeinschaft zusätzlich etwas für die Stadt tun.


Wie geht es mit den Workshops dieses Jahr weiter?
Verena Micknaß: Die erste Sitzung 2016 der Q-Gemeinschaft wird am 25. Januar ab 17 Uhr in der Villa Reich stattfinden. Unsere Vision ist es inzwischen, dass wir uns als erste Qualitätsregion im Spreewald zusammenfinden. Burg ist Q-Dorf, Lübbenau Q-Stadt, Lübben ebenso - da ist die Zusammenarbeit auf dieser Ebene unser großes, übergeordnetes Ziel. Darüber hinaus wollen wir in Lübben den Kreis vergrößern. Es sollen mehr Unternehmen an der Q-Gemeinschaft teilhaben. Das bringt nicht nur das Zertifikat, sondern auch dem Unternehmen selbst sehr viel. Man hält leichter die Stammkunden, baut das Empfehlungsgeschäft aus, nimmt die Mitarbeiter mit. Kleine Unternehmen können das gefördert bekommen. Wir wollen erreichen, dass jeder, der hier ein Geschäft betreibt, im Qualitätsbereich mitdenkt.

Lars Kolan: Es ist ganz klar eine Chance, mit der Qualitäts-Zertifizierung an eine preiswerte Unternehmensberatung zu kommen. Im Tourismus ist Qualität sowieso ein Schlüssel.


In den Workshops ging es darum, mit engagierten Einwohnern in den Dialog zu kommen. Wie ist das Ergebnis?
Verena Micknaß: Wir haben die Diskussion in sechs Themenbereiche geordnet: Wirtschaft, Kinder und Jugend, Kultur und Tourismus, Wohnen und Leben, Verkehr und Erscheinungsbild.

Lars Kolan: Dieser Bürgerdialog wird nun in eine Phase kommen, wo wir in einzelnen Themenbereichen Experten mit dazu holen wollen. Das zielt auf die nächste Ebene und bildet dann Teile des Grundgerüsts für ein Leitbild.


Eine der zentralen Fragestellungen dabei war: Wie stellen wir uns Lübben 2030 vor?
Verena Micknaß: Genau: Eine der Kernaussagen aus den Workshops des Bürgerdialogs ist, Lübben - blühend und lebendig.

Lars Kolan: Ich denke, dass der Qualitätsgedanke in Bezug darauf bereits gegriffen hat.


Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Sie Lübben als Zuzugsregion begreifen - anders als jüngste Studien, die eher von einer schrumpfenden Bevölkerung ausgehen.
Lars Kolan: Wir haben ganz klar Zuzug. Mitte Dezember waren es 13 993 Einwohner, inzwischen dürften es schon mehr als 14 000 sein. Wir sind damit wieder auf dem Stand von 2012. Nur: Zuzug ist nicht gleich Zuzug. Wir haben einerseits ältere Menschen, die hier in Betreuung kommen, beispielsweise spätestens ab kommendem Jahr beim ASB. Bei uns nehmen sich oft junge Leute, die sich in der Region verlieben, erstmals eine gemeinsame Wohnung. Ein Mittelzentrum wie Lübben hat den Vorteil - was es dem Umland nicht leicht macht - Menschen aus der Region anzuziehen. Wir müssen für die Planung der Entwicklung aber genau hinschauen, wer zu uns zieht, denn Senioren haben andere Wünsche als Familien mit Kindern.


Trotzdem bedeutet das einiges für die Infrastruktur.
Lars Kolan: Auf jeden Fall. Wir sind der Meinung, dass wir im mehrgeschossigen Wohnungsbau - unabhängig von der Flüchtlingsunterbringung - etwas tun müssen. Möglicherweise entsteht gemeinsam mit der LWG etwas im alten Gutshaus in Steinkirchen. Es könnte saniert und mit Wohnungen ausgebaut werden. Nachgedacht wird über eine Erweiterung auf dem Grundstück, aber das ist noch ergebnisoffen. Insgesamt brauchen wir jetzt die Überarbeitung des Flächennutzungsplanes. Auch, um die Grundstückspreise in Sphären zu halten, die erschwinglich sind.


Und es betrifft auch das schwierige Thema Kita- und Hortplätze.
Lars Kolan: Da müssen wir ganz klar dranbleiben. Nun planen wir erstmal die Kita in Treppendorf. Eine größere Mensa für die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule war der Hauptgrund, an die Schule heranzugehen. Die Planungsphase hat nun so vieles ergeben, dass wir vier Millionen Euro bräuchten, um alles umzusetzen und europaweit ausschreiben müssten. Wir müssen darüber reden, wo wir uns zwischen diesem und dem Mindestanspruch einpendeln. Ich denke, dass darüber hinaus noch private Anbieter bei der Kitabetreuung nachziehen werden. Erste Anfragen gibt es bereits. Einen "Puffer" kann man schon haben, um zuziehende Kinder auch über die Erwartungen hinaus betreuen zu können. Aber zu groß darf er nicht sein.


Zum Thema Qualität gehört auch die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung. Wie schätzen Sie nach Ihren harten Worten bei der Stadtverordnetenversammlung im Dezember die Lage ein?
Lars Kolan: Es mussten einfach bestimmte Dinge angesprochen werden. Seither haben sich gute Gespräche ergeben. Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass wir künftig besser zusammenarbeiten können. Wir haben umgekehrt im Haus festgestellt, dass bestimmte Sachen nicht gut angefasst waren und besser gemacht werden können. Wir haben doch gar keine Zeit für Grabenkämpfe und die letzten Ausschusssitzungen zeigen auch, dass wir alle Lübbens Wohl im Auge haben und respektvoll miteinander umgehen.


Was gehört für Sie in diesem Jahr weiterhin dazu, um Lübben qualitativ voranzubringen?
Lars Kolan: Wir brauchen unbedingt das Insek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept), um weitere Fördermittel bekommen zu können. Die Neustrukturierung der TKS liegt an, dazu will ich im Moment noch nichts sagen. Der Tourismusbeitrag ist in der Diskussion; zum kommenden Jahr möchten wir ihn gerne einführen. Er kann und wird die Qualität des Angebots erweitern. Die Brücken bleiben ein großes Thema. Die Brücke an der Wassergasse wollen wir - auch zur Schulwegsicherung - sanieren. Wir wollen den Bau des Schlossvorplatzes und den Parkplatz Burglehn angehen. Die Schlossinsel ist ein großes Thema. Für weitere Investitionen und Renaturierung hoffen wir auf Fördermittel.

Im Haus müssen wir Umstrukturierungen angehen. Wir brauchen nach 1994 aktuelle Stellenbewertungen und -beschreibungen, auch aus arbeitsrechtlichen Gründen.

Die Mülldeponie Langer Rücken muss renaturiert werden. Dafür ist eine europaweite Ausschreibung nötig, das macht man in einer Verwaltung auch nicht jeden Tag. Da hilft uns der Landkreis. Und wir müssen die Hauptsatzung und die Geschäftsordnung überarbeiten. Ich hoffe, dass wir dazu eine Arbeitsgruppe mit Stadtverordneten bilden.

Das Gespräch führte

Ingvil Schirling