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| 14:22 Uhr

Neuer Magnet für Touristen
Mit Paul Gerhardt nach Lübben flüchten

 Das Wandertagebuch erarbeiteten Stadt, Landkreis und Jana Wieduwilt.
Das Wandertagebuch erarbeiteten Stadt, Landkreis und Jana Wieduwilt. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Lübben. Der Paul-Gerhardt-Weg führt 140 Kilometer durch die Brandenburger Landschaft und verbindet die Hauptstadt mit dem Spreewald. Von Katrin Kunipatz

Lübben Seit dieser Woche hat die Spreewaldstadt Lübben eine weitere direkte Anbindung nach Berlin. Über 140 Kilometer kann man auf dem am Mittwoch eingeweihten Paul-Gerhardt-Weg von Lübben bis zum Berliner Alexanderplatz laufen. Die neun Etappen sind zwischen zwölf und 24 Kilometer lang. Auf naturbelassenen Wegen, über Asphalt und Schotterwege läuft der Wanderer mitten durch die Kultur- und Naturlandschaft und passiert unterwegs die verschiedenen Lebensstationen des Theologen und Kirchenliederdichters Paul Gerhardt.

Anlässlich der offiziellen Einweihung nahmen knapp 30 Personen das erste Stück des Weges unter die Füße. Geleitet wurde die Gruppe von Jutta Küchler, die in der Rolle als Paul Gerhardts Schwägerin Sabina Fromm mit einige Anekdoten die Zeit Paul Gerhardts ins Bewusstsein rief. Ihr zur Seite stand Lübbens ehemalige Bürgermeister Lothar Bretterbauer, der seit 2008 Mitglied der St. Jakobus-Gesellschaft Berlin-Brandenburg ist, selbst schon Pilgerwanderungen unternommen hat und Wanderungen organisiert.

 Jutta Küchler und Lothar Bretterbauer führen durch Lübben.
Jutta Küchler und Lothar Bretterbauer führen durch Lübben. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Ausgangspunkt ist der Lübbener Markt. Direkt neben der Paul-Gerhardt-Kirche gibt eine Tafel Informationen zur letzten Lebensstation des Mannes, dessen Lieder überall in der Welt in katholischen wie evangelischen Kirchengesangbüchern zu finden sind. Ähnlich dieser sind auch die anderen Tafeln an den Wegstationen in Schlepzig, Märkisch Buchholz, Groß Köris, Mittenwalde, Königs Wusterhausen, Zeuthen, Köpenick oder der Wuhlheide aufgebaut.

Die Idee für einen verbindenden Wanderweg reiche etliche Jahr zurück, erläutert Dana Klaus vom Tourismusverband Tourismusverband Dahme-Seen. Der Paul-Gerhardt-Verein aber auch der vor zwei Jahren verstorbene Lübbener Pfarrer Olaf Beier und die Stadt Mittenwalde haben nach einer Möglichkeit gesucht Menschen, die sich für Paul Gerhardt interessieren einen zusätzlichen Reiseanreiz zu geben. Eine mögliche Wanderroute hat der ehrenamtliche Wegewart und Autor Manfred Reschke schon 2017 in einem Buch veröffentlicht.

 Die Bläsergruppe der Paul-Gerhardt-Kirchgemeinde empfängt die Wanderer am Luiba-Denkmal im Lübbener Hain mit Musik.
Die Bläsergruppe der Paul-Gerhardt-Kirchgemeinde empfängt die Wanderer am Luiba-Denkmal im Lübbener Hain mit Musik. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Gemeinsam haben Marit Dietrich von der Lübbener Tourismus und Marketing GmbH, Sabrina Kuschy vom Landkreis Dahme-Spreewald, Jana Wieduwilt von der gleichnamigen Kommunikationsagentur aus Lauchhammer und Dana Klaus das Projekt begleitet. Um die Kosten niedrig zu halten, verläuft der Paul-Gerhardt-Weg auf bereits bestehenden Wegen. Schilder und Aufkleber lenken die Schritte es Wandernden über die verschiedenen Etappen. Bei der Ausschilderung haben vor allem die Wegewarte der einzelnen Kommunen tatkräftig mitgeholfen. Das Geld für Infotafeln und Markierungen beantragte Lübben stellvertretend für alle acht Anrainer beim ILE-Leaderprogramm. Rund 70 000 Euro kostet das gesamte Paket. „Aber so soll es möglich sein, den Weg ohne Karte zu finden“, sagt Klaus.

 Am Paul-Gerhardt-Gymnasium überraschen Musikschüler und Eltern die Wandergruppe mit dem bekannten Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“.
Am Paul-Gerhardt-Gymnasium überraschen Musikschüler und Eltern die Wandergruppe mit dem bekannten Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Den Weg durch Lübben fand die Gruppe jedenfalls problemlos. Trotz des kühlen und regnerischen Wetters marschierte die Gruppe von der Kirche durch den Hain bis nach Lehnigksberg. Für kleine Überraschungen sorgte unterwegs die Bläsergruppe der Paul-Gerhardt-Kirchgemeinde. Am Luiba-Denkmal spielten sie beschwingte Weisen, die nicht alle aus der Feder des Liederdichters stammten. Und am Paul-Gerhardt-Gymnasium sangen Kinder und Eltern im Chor Gerhards bekanntestes Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Die Fröhlichkeit dieses Liedes bildet einen interessanten Gegensatz zum Wetter – ähnlich wie die von Gerhardt verfassten Melodien einen Gegensatz zu seinem von traurigen Ereignissen durchzogenen Leben sind.

Im Wandertagebuch, das extra für den Paul-Gerhardt-Weg entwickelt wurde, sind ebenfalls einige seiner Lieder enthalten. „Das Buch soll kein Reiseführer sein, sondern dem Wanderer als Inspiration dienen“, erklärt Jana Wieduwilt bei der Vorstellung. Neben Lieder, finden sich darin kleine Inspirationen zum Entspannen und bewussten Naturerleben. Ergänzt werden sie von Erläuterungen zum Leben Gerhardts und Tipps für Sehenswertes entlang des Weges. Dieser führt schon in Berlin durch die grünen Oasen der Hauptstadt: entlang der Spree und durch Parks. Der Großstädter könne deshalb sofort entschleunigen, betont Bürgermeister Lars Kolan. „Der Paul-Gerhardt-Weg wird so zum langen Fluchtweg für die Berliner, um der Hektik der Hauptstadt zu entfliehen.

Mehr Informationen in Internet:

 eder Etappe gibt es interessante Fakten und Empfehlungen.
eder Etappe gibt es interessante Fakten und Empfehlungen. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

www.paul-gerhardt-weg.de