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| 18:13 Uhr

Wirtschaft
Orgelmusik soll Besucher zu Markttage locken

 Jeden Freitag laden Kantor Johannes Leonardy und Liturgin Marlies Siegert Orgelmusik zum Markttag ein.
Jeden Freitag laden Kantor Johannes Leonardy und Liturgin Marlies Siegert Orgelmusik zum Markttag ein. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Lübben. Wochenmarkt kann jeder – aber in Lübben hat sich Marktmeisterin Christina Hentschel etwas Besonderes einfallen lassen. Seit Mai gibt es die Aktion „Orgelmusik am Markttag“. Damit sollen mehr Besucher angelockt und das Interesse der Händler an den Markttagen geweckt werden. Von Katrin Kunipatz

Der Wochenmarkt am Mittwoch und Freitag ist aus Lübben nicht wegzudenken. Seit 20 Jahren kümmert sich Marktmeisterin Christina Hentschel darum. „Ein Markt belebt die Stadt“, sagt sie. „Wer auf dem Markt einkauft, der schaut auch in den Geschäften nebenan vorbei.“ Und trotzdem müsse eine Institution wie der Wochenmarkt immer im Gespräch bleiben, weiß die Marktmeisterin.

Deshalb gibt es seit Mai die Aktion „Orgelmusik am Markttag“. Immer am Freitag zur Mittagsstunde laden Organist und Kantor Johannes Leonardy sowie Marlies Siegert von der evangelischen Kirchgemeinde in die Paul-Gerhardt-Kirche ein. Ein Banner neben der Kirchentür weist Einheimische und Touristen auf das besondere Angebot hin. Die Kühle des Kirchenschiffs ist nach der sommerlichen Hitze auf dem Markt eine Wohltat. Christa Eisermann aus Thum im Erzgebirge hat in einer der vorderen Kirchenbänke Platz genommen. „Ich besuche gern Kirchen, wenn ich in anderen Städten unterwegs bin“, sagt sie. Über das zusätzliche Orgelspiel freut sie sich und ist nun gespannt auf den Klang des Instruments. Zwei ältere Lübbenerinnen sind extra an diesem Freitag vor Pfingsten in die Kirche gekommen.

In der Stille nach dem zwölften Glockenschlag klingt der erste Orgelton. Johannes Leonardy hat für den Auftakt einen Marsch von Guillaume Lasceux ausgewählt. Die Gespräche sind verstummt, und von außen dringen kaum Geräusche nach drinnen. „Ein Moment zum Innehalten soll diese halbe Stunde sein“, sagt Liturgin Marlies Siegert und stellt die Orgel vor: 1906 baute sie der Potsdamer Orgelbauer Alexander Schuke ein. Der damals 36-Jährige nutzte technische Neuerungen, die noch heute so im Einsatz sind. Äußerlich veränderte er wenig, sondern nutzte den Prospekt von 1846 weiter. Nach fast 90 Jahren wurde die Orgel 1997 von Christian Scheffler vollständig restauriert.

Die beeindruckende Klangfülle der 29 klingenden Stimmen macht der Organist mit zwei Orchesterwerken von Johann Pachelbel und Johann Sebastian Bach deutlich. „Die Lübbener ist eine der wertvollsten romantischen Orgeln im Land Brandenburg“, so der Kantor. Orchesterwerke lassen sich gut auf dieser Orgel spielen, weil es Register gibt, deren Klangfarbe Streichern ähnlich sei, erklärt er.

Gerade weil die Orgel so besonders ist, gab es in der Kirchgemeinde Gedankenspiele, wie das Instrument außerhalb von Konzerten, Gottesdiensten oder der Paul-Gerhardt-Woche häufiger zum Einsatz kommen könnte, so Marlies Siegert. Die Anfrage der Marktmeisterin traf deshalb auf offene Ohren. „Mit Orgelmusik am Markttag haben wir ein Format gefunden, das wir personell leisten können“, sagt Marlies Siegert. Damit es nicht eintönig wird, kündigt Organist Leonardy an, jeden Freitag andere Stücke zu spielen.

Wie viele zusätzliche Besucher die Orgelmusik auf den Wochenmarkt lockt, werde sich nicht ergründen lassen, so Marktmeisterin Hentschel. Am Freitag vor Pfingsten genossen rund 20 den Klang der Orgel. Vor allem müsse der Markt im Gespräch bleiben, denn neben Besuchern sei es genauso wichtig Markthändler zu finden. „Im Moment kommen 38 Händler regelmäßig nach Lübben“, sagt Hentschel. Aber es ist kein Lehrberuf und einige der Älteren haben aufgehört, ohne dass es einen Nachfolger gab. Deshalb ist sie gleichermaßen daran interessiert, Kinder für den Markt zu begeistern. Mit dem Besuch von Osterhase, Weihnachtsmann und Kinderfesten sei dies in den vergangenen Jahren umgesetzt worden.