ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:18 Uhr

Kiez-Gestaltung
Lübben-Nord: Skaten? Spielen? Toben?

Hohe Wohnblöcke, aber auch viel Grün charakterisiert das Viertel Lübben-Nord. In dem Kiez steckt Potenzial. Um das entwickeln zu können, haben die Stadtverordneten nun grünes Licht für den Weg an die Fördertöpfe gegeben.
Hohe Wohnblöcke, aber auch viel Grün charakterisiert das Viertel Lübben-Nord. In dem Kiez steckt Potenzial. Um das entwickeln zu können, haben die Stadtverordneten nun grünes Licht für den Weg an die Fördertöpfe gegeben. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Stadtverordnete beschließen Antragstellung für Lübben-Nord als Teil des Stadtumbaus. Von Ingvil Schirling

 „Das Kleid ist zu eng geworden“ – mit diesem Satz hat Katrin Heinz vom Büro ebp die aktuelle Situation in Lübben, vor allem bezogen auf den Stadtumbau Lübben-Nord, auf den Punkt gebracht. Dort wuchs die Einwohnerzahl in vier Jahren um knapp 14 Prozent, konkret 240 Menschen. Wo 2011 noch von Abriss ganzer Blöcke ausgegangen wurde, beziffert sich der Leerstand heute nur noch auf 3,6 Prozent.

Das bedeutet Ausbau statt Abbau – und dafür haben die Stadtverordneten nun grünes Licht gegeben. Das Konzept, erarbeitet von Stadtplanung und ebp, konnte damit fristgerecht zum 31. Oktober beim Land Brandenburg eingereicht werden. Dieses hatte die „Städte in der zweiten Reihe“ aufgefordert, also diejenigen, die nicht direkt an der Metropole Berlin liegen, aber annehmbare Pendelentfernung und Potenzial aufweisen, sich um die Aufnahme in das Förderprogramm Stadtumbau III zu bewerben.

Bei der Entwicklung des Konzepts hatten Planer und Verwaltung die Einwohner von Lübben-Nord einbezogen. Unter anderem über die RUNDSCHAU waren sie zur Beteiligung aufgerufen worden – mit Erfolg. 22 Vorschläge waren eingegangen, was in dem Quartier alles entstehen könnte. Am Ende reichte die Palette von der Fassadenbegrünung über einen Abenteuerspielplatz, eine Skateranlage, Treffpunkte, Hundesauslaufplätze oder Gastronomie bis hin zu einem Schwimmbad. Auch von Entsiegelung, Parkkonzepten und Garagenabriss war die Rede.

Letzteres hatte im Hauptausschuss für Verwirrung gesorgt. „Wir haben aus der Diskussion gelernt, das als Vision zu verstehen und nicht als Dogma“, bereinigte Stadtverordnetenvorsitzender Peter Rogalla (Linke) die Spannungen. Planerin Katrin Heinz erklärte den Stadtverordneten vorsichtshalber nochmals, worum es genau gehen sollte. Daraufhin stand der einstimmigen Entscheidung für das Konzept nichts mehr im Wege.

Wenn das Konzept nun auch beim Fördermittelgeber überzeugt, könnte Lübben über zehn Jahre bis zu zehn Millionen an Geldern abrufen – mithilfe der Bündelung mit weiteren Förderprogrammen und dem geschickten Einsatz von Eigenmitteln eventuell auch mehr. Die Strategie und Schwerpunkte sind jetzt schon klar, nämlich die Aufwertung des Wohnungsbestandes, die Stärkung der Gemeinschaft, der Ausbau von sozialen Strukturen, ressourcenschonende Mobilität und mehr Klimaschutz.

Ganz konkret steht aber auch der Neubau einer Kita unter dem Arbeitstitel „Eichengrund“ (RUNDSCHAU berichtete) als Möglichkeit im Raum. Dass Lübben-Nord „kein wirkliches Zentrum“ hat, wie Katrin Heinz sagte, spielt bei den Planungen ebenso mit. Von einem „symbolisch angelegten Quartiersplatz“ ist die Rede.

Der Frauenberg als derzeit leerstehendes Gebäude mit Geschichte hat nach wie vor eine große Bedeutung für die Einwohner von Lübben-Nord. Das blieb den Planern nicht verborgen. Er befindet sich in Privatbesitz. Seine Entwicklung – in welcher Art auch immer – ist im Konzept unter den vielen möglichen Punkten mit aufgelistet. Das konkretisierte Katrin Heinz so: „Es geht darum, den Eigentümer zu unterstützen zu versuchen, eine nachhaltige Nutzung hinzubekommen.“

Unterm Strich gab es Lob für das Konzept von den Abgeordneten. Andreas Rieger (CDU/Grüne) sagte: „Es ist eine sehr gute Sache, das ist klar.“ Sein Fraktionsvorsitzender Jens Richter kommentierte: „Die Leerstandsquote von nur 3,6 Prozent zeigt, dass das Quartier attraktiv ist.“ Er regte an, mit sozialen Trägern in Bezug auf den Kita-Neubau ins Gespräch zu kommen.

Christoph Kindler (Die Stadtfraktion) sah einen Quartiersplatz kritisch: „Lübben ist nicht so groß, braucht es noch ein Zentrum?“ Katrin Heinz schwebt dazu eher vor, „dass eine schlichte, schöne Lösung gemeinsam mit den Bewohnern entwickelt wird". Was konkret umgesetzt werden kann, muss sich ohnehin erst noch zeigen.