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| 02:43 Uhr

Lübben gräbt tief, Luckau hebt ab

Ob Heribert Morali sein Handwerk versteht, werden wir erst in einem Jahr wissen.
Ob Heribert Morali sein Handwerk versteht, werden wir erst in einem Jahr wissen. FOTO: Fotolia/Paulista
Luckau/Lübben. Ein neues Jahr steht vor der Tür. Wenn um Mitternacht die Silvesterraketen in den Himmel aufsteigen, fragen wir uns, was es bringen mag. Wie stets an dieser Stelle schaut der Hausastrologe der Lokal-RUNDSCHAU, Heribert Morali, für die Leser zwischen Luckau und Lübben in die Sterne.

Seine Erkundungsreise beginnt der Experte in Luckau. Am ersten Märzwochenende sieht er die Stadt in leuchtende Farbenspiele getaucht. Polarlichter über der Niederlausitz? Für einen Moment gerät Heribert Morali ins Grübeln. Plötzlich aber fällt ihm der Grund für das Himmelsspektakel wieder ein: Es sind Lichtkünstler, die beim ersten Festival "Luckau leuchtet" die ungewöhnlichen Effekte erzeugen.

Beruhigt dreht er sein Fernrohr weiter. In Lübben sieht Morali die Stadtverordneten mit betretenen Gesichtern um den Rathaustisch sitzen. Soeben haben sie erfahren, dass der ungeliebte neue Großkreis Dahmeland-Fläming in Potsdam wohl endgültig beschlossene Sache ist. Die künftige Kreisstadt sollen die zwangsverheirateten Partner allerdings unter sich auskungeln, so steht es im Kleingedruckten des Erlasses. Bei dieser Aussicht hellen sich die Minen der Lübbener gleich ein wenig auf. Sie haben schließlich den Spreewald mit der weltberühmten Gurke. Das dürfte kaum zu toppen sein. Aber die Luckenwalder Konkurrenz gibt nicht klein bei. Sie verweist auf ihre Ortsumgehung. Und außerdem, so tönt es von den Flämingern, hat ihr Stadtoberhaupt die schönere Frisur. Jede Kleinigkeit wird aufgestrippt. Es wird gestritten und gefeilscht, was das Zeug hält.

Für Dahme sind das Luxusprobleme. Sie würden gerne heiraten, denn für die Kleinstadt könnte eine gute Partie die Rettung sein. Die Bevölkerung schrumpft, die Kassen sind leer. Doch das Interesse bei Ehekandidaten ist überschaubar. Lediglich die kleine Nachbargemeinde Niederer Fläming hat ernste Absichten angemeldet.

Sensation im Netz

Während die Dahmenser noch denken: besser den Spatz in der Hand …, findet Amtsdirektor Frank Pätzig auf Facebook eine Nachricht, die wie eine Bombe einschlägt. Weil Lübben und Luckenwalde sich nicht einigen können, so steht da zu lesen, wird die neue Großkreis-Verwaltung nach Dahme ziehen, das in der Mitte zwischen beiden Streithähnen liegt.

Heribert Morali sieht, wie die Dahmenser sich beim Ausbau ihrer Ortsdurchfahrt der B 102 nun mächtig beeilen. Schließlich soll die Stadt für ihre neue Rolle rechtzeitig hergerichtet sein.

Schandfleck adé
Der Verkehr wird während der Bauzeit innerörtlich umgeleitet. Bei dieser Gelegenheit verfehlt ein Brummifahrer am Schützenhaus die Kurve. Er rammt die ewige Brandruine. Sie stürzt ein. Vom Geld der Versicherung kann Dahme die Beräumung des Schandflecks bezahlen. Dass der Lkw-Fahrer die Ehrenmedaille der Stadt Dahme am Bande erhält, wird aus dem Rathaus auf das Schärfste dementiert.

Der Aufschwung bei den Nachbarn fordert Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann heraus. Wenn die Luckauer sich womöglich abgehängt fühlen, wäre das schlecht. Denn im Herbst sind in der Gartenstadt Bürgermeisterwahlen. Hilfe sieht Heribert Morali aus dem Berliner Speckgürtel nahen, wo im Sommer 2017 das Projekt Großflughafen endgültig beerdigt wird. Der Grund: Eine Wolfsfamilie hat sich das Gelände als neues Zuhause auserkoren. Es wird deshalb zum Naturschutzgebiet erklärt. Dass seither in der Rochauer Heide ein Wolfspaar mit Jungen abgängig ist - reiner Zufall. Gerald Lehmann jedenfalls bietet als alternativen Flughafen-Standort die leeren Flächen im Industriegebiet Alteno an. Das wird der Beginn eines wunderbaren Booms.

Zufrieden will Heribert Morali sein Fernrohr für ein weiteres Jahr in den Schrank stellen, als er aus Dahme einen Aufschrei des Entsetzens hört. Nichts mit Kreissitz, die Nachricht im Netz war ein Fake. Das geht aus einem Bekennerschreiben in kyrillischen Buchstaben hervor.

Goldene Aussichten

Stattdessen aber darf Lübben jubeln. Hier war Bürgermeister Lars Kolan seinem Bauchgefühl gefolgt und hatte zu nächtlicher Stunde auf der Grabungsstelle am Schloss selbst noch einmal tief den Spaten angesetzt. Er ist fündig geworden. Von seiner Truhe voller Gold kann Lübben locker aus eigener Tasche all das bezahlen, was das Zentrum eines Großkreises so braucht. An diesem Argument kommt Potsdam nicht vorbei.

So wird es sein 2017 Wenn die Sterne nicht lügen …