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Städtebau
Ideen für Wohnquartier auf dem Gelände der „Pappenbude“ gesucht

Als „Potenzialfläche“ hat Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) das Gelände der ehemaligen Kartonagenfabrik in Lübben bezeichnet. Nach der Fördermittelübergabe besichtigte sie das Areal noch spontan gemeinsam mit Bürgermeister Lars Kolan (SPD), Bauamtsleiter Frank Neumann und Stadtverordnetenvorsitzendem Peter Rogalla (Die Linke) sowie weiteren Gästen.
Als „Potenzialfläche“ hat Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) das Gelände der ehemaligen Kartonagenfabrik in Lübben bezeichnet. Nach der Fördermittelübergabe besichtigte sie das Areal noch spontan gemeinsam mit Bürgermeister Lars Kolan (SPD), Bauamtsleiter Frank Neumann und Stadtverordnetenvorsitzendem Peter Rogalla (Die Linke) sowie weiteren Gästen. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Von Ingrid Hoberg. Die Stadt Lübben erhält Fördermittel für ein Modellvorhaben in der Nähe des Bahnhofs.

In Lübben wohnen und zum Arbeitsplatz mit dem Zug fahren – das wird schon praktiziert und soll in Zukunft noch besser möglich sein. Lübben rechnet im Jahr 2030 mit rund 15 000 Einwohnern. Wer dann auf einem kurzen Fußweg von seinem Zuhause den Bahnhof erreichen kann, muss sich um einen Parkplatz dort keine Gedanken machen. Das Gelände der „Pappenbude“, wie die ehemalige Kartonagefabrik zwischen Friedensstraße und Schützenplatz im Volksmund genannt wird, könnte solch ein Wohnstandort werden.

Die Stadt arbeitet daran, dass diese innerstädtische, nahe dem Bahnhof gelegene Fläche für den Wohnungsbau erschlossen werden kann. Der Ideenfindungsprozess hat gerade begonnen, eine erste Veranstaltung, zu der Eigentümer und Bürger eingeladen waren, fand vergangene Woche statt. Ein externes Beratungs- und Planungsbüro begleitet die Ideendiskussion, die am Ende in einen Bebauungsplan münden soll.

Für diesen transparenten und nachvollziehbaren Planungsprozess, der in Lübben in dieser Form das erste Mal umgesetzt wird, hat das Land Brandenburg eine 80-prozentige Förderung aus der Konzessionsabgabe Lotto des Landes Brandenburg bereitgestellt. Das gesamte Verfahren kostet knapp 15 000 Euro, wie Frank Neumann, Fachbereichsleiter Bauwesen, erläutert. Kathrin Schneider (SPD), Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), hat nun bei ihrem Besuch zur Übergabe der Bahnhofstraße auch einen Fördermittelbescheid in der Tasche gehabt. Knapp 12 000 Euro werden Lübben aus der Konzessionsabgabe Lotto des Landes Brandenburg zur Verfügung gestellt.

Die Kreisstadt hat in den vergangenen Jahren immer wieder Fördermittel akquirieren können. „Lübben hat immer etwas aus den zur Verfügung gestellten Mitteln gemacht, Lübben nimmt seine Chancen wahr“, schätzt die Ministerin ein. „Die Stadt gehört zum zweiten Ring um Berlin – 50 Minuten zum Alexanderplatz, eine Stunde zum Bahnhof Zoo“, erklärt sie. Bei dem weiteren Einwohnerzuwachs in Berlin sei es wichtig, sich Flächen anzuschauen, die in den umliegenden Kommunen innerstädtisch für den Wohnungsbau entwickelt werden können.

Das Geländes der ehemaligen Kartonagefabrik nahe des Bahnhofs ist ein solcher innerstädtischer Bereich, der für den Geschosswohnungsbau erschlossen werden soll als attraktiver, zentrumsnaher Standort. Wie die Stadt informiert, handelt es sich überwiegend um Eigentum in privater Hand. „Eine bauliche Entwicklung dieses als allgemeines Wohngebiet angedachten Quartiers setzt Planungsrecht durch einen Bebauungsplan voraus“, sagt Fachbereichsleiter Neumann. Aufstellung und Verwirklichung sollen im späteren Vorhabenverlauf durch städtebauliche Verträge gewähreistet werden.

Aufgrund der komplexen Eigentumsverhältnisse und Flurstückstruktur setzt die Stadt auf frühzeitige Beteiligung der betroffenen Grundstückseigentümer. „Diese Beteiligung soll sowohl über Einzelgespräche als auch im Weiteren über gemeinschaftliche Zusammentreffen mit Workshop-Charakter durchgeführt werden“, unterstreicht Neumann. In diesen kooperativen Prozess sollen nicht nur direkt betroffene Eigentümer einbezogen werden. Auch Anwohner, politische Entscheidungsträger sowie die Verwaltung werden beteiligt. Die Vorteile einer Quartiers­ausbildung sollen ebenso verdeutlicht werden wie die Entwicklung von praxisnahen Ideen als Grundlage für ein zukunftsfähiges städtebauliches Konzept.

Beim ersten Workshop des Projekts ist das Vorhaben kontrovers diskutiert worden. Am Ende hätten jedoch die meisten Teilnehmer zumindest Verständnis für die Interessen der anderen Eigentümer entwickelt. Im Januar soll die nächste Gesprächsrunde stattfinden, dann könnte Anfang Februar durch die Offenlegung die öffentliche Beteiligung erfolgen.

„Es liegt jetzt an uns, einen Konsens zu erarbeiten und das in einen Bebauungsplan zu gießen“, sagt Frank Neumann.