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Lübben darf angefasst werden

Ein Stadtmodell zum Anfassen steht in Freiberg auf dem Schlossplatz. Volker Träger und Volker Beyer haben es geschaffen. Lübben beauftragt nun Egbert Broerken mit einem Blinden-Stadtmodell.
Ein Stadtmodell zum Anfassen steht in Freiberg auf dem Schlossplatz. Volker Träger und Volker Beyer haben es geschaffen. Lübben beauftragt nun Egbert Broerken mit einem Blinden-Stadtmodell. FOTO: I. Hoberg
Lübben. Im Maßstab 1:650 soll die Innenstadt von Lübben in einem Modell aus Bronze abgebildet werden. Straßen, Plätze und wichtige Gebäude werden in Braille- und Normalschrift gekennzeichnet. Gefördert wird das Vorhaben über das Programm Aktives Stadtzentrum. Ingrid Hoberg

Wismar hat eins, Freiberg und manch anderer Ort auch - ein Stadtmodell, das nicht nur mit den Augen, sondern im wahrsten Sinne mit den Händen erfasst werden kann. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der Bildhauer und Objektdesigner Egbert Broerken aus der Nähe von Soest (Westfalen) mit Tastmodellen von Sehenswürdigkeiten und historischen Stadtkernen. Sie bieten Sehbehinderten mehr Orientierung und die Möglichkeit, Formen und Dimensionen der Orte kennenzulernen.

Wie er auf seiner Internetseite informiert, arbeitet er gemeinsam mit seinem Sohn durchschnittlich ein Dreivierteljahr an einem Projekt. Nach Fotografien werden von Gebäuden und Häuserzeilen maßstabsgetreue architektonische Modelle angefertigt, künstlerisch in Wachs modelliert und dann in Bronze gegossen. Mehr als 100 Stadtskulpturen seien in ihrem Atelier im Laufe der Jahre entstanden, die in Deutschland und in den Nachbarländern bauliche Strukturen auf ungewohnte Weise darstellen, heißt es auf der Homepage.

Für Lübben wird das Modell den Bereich der Altstadt mit der angrenzenden Gubener Straße und der Breiten Straße sowie das touristische Zentrum darstellen. Es wird als Maßnahme zur Inklusion und Barrierefreiheit in Lübben betrachtet und steht schon seit Längerem auf dem Plan. Bei der Erneuerung des Marktplatzes wurde eine Fläche im Baumhain freigelassen, um dort später ein Stadtmodell aufstellen zu können.

Sollte die Finanzierung zunächst über das Städtebauförderprogramm, Sanierungsgebiet Altstadt, laufen, wird dies nun über das Programm Aktive Stadtzentren erfolgen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Im Konzept "Lübben barrierefrei" wurde die Bedeutung eines Blinden-Stadtmodells noch einmal hervorgehoben. Neben der Inklusion sei es auch Ziel, die Gubener und die Breite Straße als Geschäftsstraßen zu stärken, heißt es in der Begründung der Stadtverwaltung. Das Blinden-Stadtmodell zeige die geringen Entfernungen zwischen Marktplatz und den Geschäftsstraßen, die besser auffindbar werden.

Tastmodelle übernehmen im barrierefreien Tourismus eine wichtige Funktion. Sie ermöglichen vor allem sehbehinderten Menschen die Dimensionen und Formen ihrer Umgebung neu zu bewerten, bieten Orientierung und vermitteln einen Gesamteindruck der Umgebung. Für alle anderen bietet das Modell die Möglichkeit, die baulichen Strukturen und die Architektur der Innenstadt aus einer neuen Perspektive zu betrachten, Wegeverbindungen zu finden, so die Begründung in der Beschlussvorlage, die im Lübbener Hauptausschuss einstimmig angenommen wurde. Für 31 000 Euro ist der Auftrag an Egbert Broerken vergeben worden, es war eins von zwei Angeboten.

Zum Thema:
"Jung und Alt, Blinde wie Sehende, kommen an diesen Stadtmodellen mitein ander ins Gespräch, man lernt voneinander, man interessiert sich für einander", heißt es auf der Homepage des Bildhauers und Objektdesigners Egbert Broerken ( www.blinden-stadtmodelle.de ). Weitere Informationen über das Vorhaben, für Lübben ein Blinden-Stadtmodell zu schaffen und aufzustellen, gibt es auf der Internetseite www.luebben.de (Sitzungsdienst).