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"Lübben barrierefrei" ist beschlossen

Kein Durchkommen mehr? Für Rollstuhlfahrer ist Lübben kein einfaches Pflaster. Die Wege sind an mehreren Stellen problematisch bis gefährlich. Im Lübbener Hain ist zudem die Beschilderung mangelhaft. Schritt für Schritt soll über das Konzept Abhilfe geschaffen werden.
Kein Durchkommen mehr? Für Rollstuhlfahrer ist Lübben kein einfaches Pflaster. Die Wege sind an mehreren Stellen problematisch bis gefährlich. Im Lübbener Hain ist zudem die Beschilderung mangelhaft. Schritt für Schritt soll über das Konzept Abhilfe geschaffen werden. FOTO: I. Hoberg
Lübben. Mit dem Rollstuhl oder Rollator durch Lübben? So richtig viel Spaß macht das nicht. An einigen neuralgischen Punkten ist es sogar gefährlich. Was Betroffene seit langem sagen, zeigt das Konzept "Lübben barrierefrei" schwarz auf weiß. Ingvil Schirling

Es ist beschlossene Sache. Einstimmig haben die Stadtverordneten das Fuß- und Radwegekonzept "Lübben barrierefrei" bestätigt und für die Entwicklung Lübbens damit eine im wahrsten Sinne des Wortes wegweisende Entscheidung getroffen. Gemeinsam mit einem Planungsbüro und vielen Einwohnern hatte die Stadtverwaltung das Konzept vergangenes Jahr erarbeitet.

Maßnahmenkatalog geschaffen

Die ausführliche Analyse mündet in einen Maßnahmenkatalog. Und da kann man als Stadtverordneter oder Haushaltsverantwortlicher ein bisschen blass werden. Allein der auf zwei Seiten eingedampfte Ausschnitt aus dem Katalog der notwendigen Veränderungen weist bei mehr als der Hälfte der neuralgischen Punkte den Status "akut" auf.

Ein paar Beispiele: Der Fahrstuhl am Lübbener Bahnhof hat keine Notfallklingel und kann so zu einer echten Falle werden. Der Zugang zum Bahnhof ist kaum barrierefrei und für Rollstuhlfahrer ein massives Problem. Ohne Fahrstuhl kommen sie nicht zum Bahnsteig. Die Rampe an der Bahnhofsseite ist ungenügend.

Weiterhin ist eine Reihe von Behindertenparkplätzen in der Innenstadt zu klein und "nicht barrierefrei angebunden", wie es im Fachplanungsdeutsch heißt. Soll heißen: Schaffen es die Fahrer, trotz der Enge aus dem Auto in den Rollstuhl umzusteigen, liegt zwischen ihnen und dem Gehweg immer noch ein hoher Bordstein.

Wie ein roter Faden zieht sich das Problem befestigter Seitenstreifen (also Geh-/Radweg) durch das Konzept. An einigen Ortsausgängen von Lübben endet er im Nichts.

Ein seit Jahren bekanntes Problem in Lübben ist die Wegeführung durch den Hain. Wer sich nicht auskennt, hat verloren. "Wegeführung klären" heißt es auch an der Friedensstraße in Richtung Bahnhof.

Soweit einige der als akut betrachteten Probleme, deren Lösung Geld kostet. Planer und Stadtverwaltung hatten sich nicht nur mit Hinweisen von Lübbenern eingehend beschäftigt und dazu mehrere Veranstaltungen und Bürgerwerkstätten durchgeführt. Sie hatten sich zudem an die Fleißarbeit gemacht, mehrere Gewohnheits-Wegenetze genau zu untersuchen und übereinanderzulegen. Diese Grafiken zeigen die Nadelöhre und die hoch verkehrsbelasteten Abschnitte in Lübben auf. Und sie weisen Alternativen aus, die durch eine bessere Anbindung hier und da mehr ins Bewusstsein gerückt und häufiger genutzt werden könnten - um hochfrequentierte Wege zu entlasten.

So zeigt allein schon das Alltagsnetz eine deutliche Belastung für den Ernst-von-Houwald-Damm vom Kreisel am Warmbad bis zur Lieberoser Straße auf. Es macht weiterhin die Wege sichtbar, die Lübbener zur Apotheke oder Post, zum Rathaus, Arbeitsplatz, Einkauf oder zum Arzt nehmen. Das Schulnetz hingegen zeigt Verdichtungen durch den Hain, entlang der Berliner Straße/Chaussee, durch die Innenstadt, Gubener Straße und rund um die sportbetonte Jahn-Grundschule.

Das Tourismusnetz schließlich hat ebenfalls einen Schwerpunkt in der Gubener Straße mit Einmündung zur Kupka, die damit nun auch offiziell als weitere neuralgische Stelle gelten muss, sowie rund um die Schlossinsel und das Touristische Zentrum. Bei letzterem, das zeigte die Detailbetrachtung, ist die Wegeführung für Radfahrer dicht vorbei an den Tischen zum Draußensitzen im Sommer alles andere als ideal.

Belastungen aufgezeigt
Legt man all diese Netze übereinander, so zeigt sich die Belastung durch den Hain in Richtung Berliner Straße, durch die Innenstadt sowohl entlang der Hauptstraße als auch der Parallelstraßen, über die Gubener Straße mit Querung der Kupka bis hin zum Schulbereich an der Jahnstraße. Die Spielbergstraße, die fast parallel zur Berliner Chaussee verläuft und damit eine gute, sicherere Alternative bieten würde, ist hingegen deutlich weniger frequentiert.

So leiteten Planer und Verwaltung die Handlungsbedarfe ab, die sich punktuell auf die Innenstadt erstrecken und auf einige Schwerpunktverbindungen.

Auf die lange Bank lassen sich viele davon nicht mehr schieben. Das zeigt die hohe Anzahl der Einstufungen mit "akut".