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Luckauer lehnen Windkraft für Alteno ab

Luckau. Mit hauchdünner Mehrheit haben sich die Luckauer Stadtverordneten am Donnerstagabend gegen ein Windrad im Industriegebiet Alteno ausgesprochen und damit zugleich den Bau einer Pilotanlage zur Speicherung alternativer Energien blockiert. Carmen Berg

Auf rund 4,5 Hektar im Industriegebiet will Notus Energy aus Potsdam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft für zehn Millionen Euro das Speicherkraftwerk bauen. Laut Geschäftsführer Jan Schröder wird dabei Elektroenergie in Druckluft umgewandelt und bei Bedarf wieder rückverwandelt. Für die Pilotanlage rechnet der Investor mit Fördergeld vom Land.

Die Fläche ist im Eigentum der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Landkreises Dahme-Spreewald, die das Vorhaben unterstützt.

Es liegt nicht am Speicher

Nicht der Speicher macht den Luckauern Angst, wohl aber ein Windrad, ohne das Jan Schröder zufolge der Speicher nicht realisierbar sei. Es sei nötig, um den Zusammenhang von Energieerzeugung und -speicherung sichtbar zu machen, aber auch zur Refinanzierung des Projektes.

Bereits jetzt hat die Stadt mit rund 1100 Hektar auf der Dubener Platte das größte Windeignungsgebiet der Planungsregion Lausitz-Spreewald vor der Tür. Der von Notus beantragte Flügelturm würde außerhalb stehen. Die Windkraft würde über die B 87 vorrücken.. Kritiker befürchten einen Dammbruch.

"Es geht nicht um die Ablehnung innovativer Techniken, sondern darum, unter Umständen ein weiteres Windeignungsgebiet zu verhindern", sagte Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). Zudem werden im gut 100 Hektar großen Industriegebiet 15 Hektar schon für Solarparks genutzt. Mehr alternative Energien dort seien nicht Sinn der Sache, so Gerald Lehmann.

Für Argwohn sorgte, dass der Windkraftantrag beim Landesumweltamt kurz vor der Entscheidung steht, während der Speicher noch nicht beantragt wurde. Jan Schröder erklärte das mit der noch nicht verabschiedeten Förderrichtlinie des Landes für die Speicherung.

Die Verwaltung stellte eine Änderung des Bebauungsplanes zum Beschluss, wonach Windenergieanlagen wie die Notus-Mühle im Industriegebiet ausgeschlossen werden sollen. Zugleich soll die Zurückstellung des Baugesuches beantragt werden.

Bei Notus sei der Windturm nur Mittel, um ein innovatives Projekt zu realisieren, so WFG-Geschäftsführer Gerhard Jansen. Weitere Windkraftpläne hege der Kreis auf seinen freien Flächen in Alteno nicht, beteuerte er.

Vertrag mit Sicherheitsklauseln

Der Vertrag mit Notus sei noch nicht unterschrieben. Er beinhalte einen Options-Kauf. Innerhalb von zwei Jahren könnten beide Seiten prüfen, ob sich ihre Vorstellungen realisieren lassen. Zudem gebe es eine Rückabwicklungsklausel, wenn nur das Windrad, nicht aber der Speicher kommt. Für die restlichen noch rund 20 freien Hektar der WFG bot Jansen an, eine Grunddienstbarkeit einzutragen, wonach dort keine weiteren Windkraftanlagen mehr errichtet werden sollen. Bei Biomasse funktioniere das bereits, erklärte er.

Harry Müller (UWG/FDP) sagte: "Es ist grotesk zu hoffen, dass der Flügelturm nochmal verschwindet, wenn er erst steht." Matthias Müller (CDU) sieht Besiedlungschancen für die leeren Industrieflächen, wenn erst der Großflughafen in Betrieb ist. Laut Gerhard Jansen bleibt auch nach einem Verkauf an Notus "noch Platz für drei größere Firmen."

Lothar Treder-Schmidt (Luckau-Land/Grüne) überzeugten die Ausführungen von WFG und Investor zum Schutz vor einer Mühlenflut. Mit der Versuchsanlage werde das Industriegebiet "zur Pilgerstätte in der Energiepolitik", warb er für das Projekt. Fraktionskollege Heiko Terno fürchtete, der Beschlussvorschlag der Verwaltung könnte als Verhinderungsplanung gewertet und Schadenersatz fällig werden.

In der emotionalen Debatte mit mehreren Kompromiss anläufen erklärte sich Notus bereit, von der Genehmigung der Windkraftanlage erst Gebrauch zu machen, wenn auch der Speicher genehmigt sei. Die WFG erklärte ihre Bereitschaft, diesen Passus in den Vertrag aufnehmen und beurkunden zu lassen.

Verwaltung siegt knapp

Letztlich folgten in namentlicher Abstimmung dennoch sieben Stadtverordnete dem Vorschlag der Verwaltung, den Bebauungsplan zu ändern und damit Windkraft im Industriegebiet auszuschließen. Sechs waren dagegen, drei enthielten sich.

Jan Schröder rechnete vor, sein Unternehmen habe allein in die Gutachten rund 100 000 Euro investiert. Der Pilotspeicher werde jetzt wohl anderswo gebaut werden müssen, es gebe Interessenten. Gerhard Jansen kündigte Prüfung an, inwieweit der Luckauer Beschluss Eigentümerrechte beschränke und womöglich Schadenersatzpotenzial habe.

Zum Thema:
Knapp 60 Windräder drehen sich laut Bauverwaltung im Windeignungsebiet auf der Dubener Platte, etwa acht weitere seien in Vorbereitung. Im Industriegebiet Alteno sind bisher 75 Prozent der Fläche ausgelastet, davon werden rund 15 Hektar von Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Anspruch genommen. Knapp 24 Hektar stehen für eine Ansieglung noch zur Verfügung.