ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:03 Uhr

Dahme-Spreewald
Luckau ist Schwerpunkt bei Wildunfällen

Lübben. Verkehrsunfallbilanz mit traurige Bilanz: 12 Menschen verloren in Dahme-Spreewald das Leben, sechs in Teltow-Fläming.

Im Jahr 2017 ist auf den Straßen des Landkreises Dahme-Spreewald wieder Normalität eingekehrt, auch wenn die Normalität in diesem Fall nichts Gutes bedeutet.

Zwölf Autofahrer haben im vergangenen Jahr ihr Leben auf dem Asphalt zwischen Schönefeld und Luckau verloren, neun davon an einem Baum. Im Jahr zuvor waren es nur zwei – ein außergewöhnlich niedriger Wert, den Christian Hylla, Leiter der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald damals nicht rational erklären konnte. Genauso wenig wie den erneuten Anstieg in diesem Jahr. „Häufig spielt der Zufall dabei eine Rolle, ob jemand bei einem Unfall ums Leben kommt, oder nicht. Aber natürlich ist jeder tödliche Unfall einer zu viel“, sagt er.

Zwölf Tote in Dahme-Spreewald, sechs Tote in Teltow-Fläming, das ist die traurigste Seite der Verkehrsbilanz für 2017, die jetzt für beide Landkreise vorliegt. Aufs gesamte Verkehrsgeschehen betrachtet lässt sich sagen: Es gab 2017 etwas mehr Unfälle in beiden Landkreisen, die Hauptursachen und die Hauptprobleme bleiben aber dieselben wie in den Jahren zuvor. Da wären beispielsweise die Wildunfälle, die ein knappes Fünftel des gesamten Unfallgeschehens ausmachen, und deren Zahl kaum variiert. Rund 2000 waren es im Jahr 2016 in beiden Landkreisen zusammen, rund 2000 waren es auch im Jahr 2017. Diese Zahl lasse sich trotz aller Bemühungen kaum beeinflussen, sagt Christian Hylla.

„Es gibt zwar viel Forschung dazu und wir haben im vergangenen Jahr auch vieles versucht“, so Hylla. Unter anderem wurden die Straßen im Raum Luckau engmaschig mit blauen Reflektoren ausgerüstet, die das Wild von der Straße abhalten soll. Messbare Erfolge diese Maßnahmen aber bislang nicht gebracht. In Dahme-Spreewald verzeichnete die Polizei sogar 140 Wildunfälle mehr als im Jahr zuvor, und Luckau ist weiterhin neben Mittenwalde, Lieberose und dem Amt Unterspreewald einer der Hauptschwerpunkte.

In Teltow-Fläming, wo die Zahl leicht gesunken ist, sind ebenfalls eher die ländlichen Gemeinden im Süden betroffen. Immerhin gehen Wildunfälle für die Fahrer in der Regel glimpflich ab, anders als Geschwindigkeitsunfälle, Vorfahrtsunfälle und Unfälle, die durch zu geringen Abstand verursacht werden. Auch diese Unfälle nehmen aber – wenn überhaupt – nur langsam ab. Geschwindigkeit und Vorfahrtsfehler waren in der Region im vergangenen Jahr jeweils 700 mal die Hauptursache für Unfälle. „Wir analysieren das und haben gemeinsam mit der Verkehrsunfallkommission auch Schwerpunkte für Vorfahrtsunfälle ausgemacht“, sagt Christian Hylla.

Genau wie bei den Geschwindigkeitsunfällen (215 in Dahme-Spreewald, 302 in Teltow-Fläming) dürfte es letztlich aber eher an den Fahrern liegen, angemessen zu fahren und auf diesem Weg Unfälle zu vermeiden.

Besonders ins Auge gefasst hat die Polizei zuletzt Autofahrer, die sich alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss hinters Steuer setzen. In Dahme-Spreewald sind 2017 so viele Fahrer wie noch nie aus dem Verkehr gefischt worden, die unter Betäubungsmitteln standen. Darauf ist man in der Polizeidirektion auch stolz. „Wir haben die Kontrollen intensiviert und die Kollegen so weit qualifiziert, dass wir unsere Expertise inzwischen sogar in andere Bundesländer exportieren“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Schönefeld, Torsten Bley.

Die Zahl der erwischten Fahrer schnellte so um fast 25 Prozent auf 227 nach oben. 2018 werden es wohl noch deutlich mehr sein. „Im Schönefelder Raum haben wir im gesamten vorigen Jahr 60 Fahrer erwischt. Im ersten Quartal dieses Jahres sind es allein dort schon 80“, sagt Torsten Bley. Unfälle unter Betäubungsmitteleinfluss registrierte die Polizei in der Region lediglich 16 (elf davon im LDS). „Drogeneinfluss lässt sich aber schwerer nachweisen als Alkohol“, schränkt Christian Hylla ein.

Weiterhin steigend ist die Zahl der Unfälle, die von jungen Fahrern und von Senioren verursacht werden. 859 Unfälle allein in Dahme-Spreewald wurden von Fahrern über 65 Jahre verursacht – ein absoluter Höchstwert.

Die Polizei habe deshalb ihre Aufklärungsarbeit noch einmal intensiviert, sagt Christian Hylla. Präventionsteams bieten Gespräche und Sehtests an, es werden sogar gemeinsam mit älteren Autofahrern Theaterstücke zum Thema erarbeitet. „Ich warne aber davor, die Senioren zu stigmatisieren. Es geht nicht darum, irgend jemandem den Führerschein weg zu nehmen“, sagt Torsten Bley. Die steigenden Unfallzahlen seien auch dadurch zu erklären, dass die Region großen Einwohnerzuwachs hat und gleichzeitig der Anteil der Senioren an der Bevölkerung steigt.