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| 19:00 Uhr

LR vor Ort
Wann geht’s los im Mühlenviertel?

Schönwalder Bürger wie Knut Morgner (l.) haben bei LR vor Ort ihr Interesse am Projekt „Mühlenhof“ bekundet. Oliver Haustein-Teßmer (r.), Chefredakteur der LAUSITZER RUNDSCHAU, moderierte die Gesprächsrunde mit Bürgermeister Roland Gefreiter (2. v. l.) und Investor Heiner Röger (r. verdeckt).
Schönwalder Bürger wie Knut Morgner (l.) haben bei LR vor Ort ihr Interesse am Projekt „Mühlenhof“ bekundet. Oliver Haustein-Teßmer (r.), Chefredakteur der LAUSITZER RUNDSCHAU, moderierte die Gesprächsrunde mit Bürgermeister Roland Gefreiter (2. v. l.) und Investor Heiner Röger (r. verdeckt). FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Die Schönwalder wollen wissen, wann gebaut wird. Die Gemeinde legt die aktuellen Unterlagen im März zur öffentlichen Beteiligung aus.

Der Raum 4 in der Schönwalder Grundschule ist am Donnerstagabend fast bis auf den letzten Platz ausgebucht. Einwohner der Gemeinde Schönwald sind gespannt, wie es nun mit dem Projekt „Mühlenhof“ weitergeht. Es ist bekannt, dass Betreutes Wohnen eine Option ist und nicht wenige wollen gern wissen, wann das Wirklichkeit werden kann. Für manchen ist das schöne, gepflegte Grundstück in Schönwalde oder Waldow/Brand fast schon eine Last, doch er würde gern seinen Altersruhesitz in der Gemeinde behalten. „Einige haben wir schon verloren, weil sie nicht mehr so lange warten können“, sagt Bürgermeister Roland Gefreiter. Das ganze Vorhaben hat eine Vorgeschichte. Er gibt zunächst einen kurzen Überblick, wie es sich von der ersten Idee, eine Windmühle im Ort aufzustellen, über die Vereinsgründung bis zum Mühlenhof als Campus entwickelt hat. Er berichtet von der Vereinsgründung, davon, wie schwer es war eine historische Mühle zu finden und dann auch in den Ort zu bekommen. Es wurde  die Paltrockwindmühle von Neuerstadt in Jessen (Sachsen-Anhalt), die für 2,38 Euro den Besitzer wechselte.

Ein entscheidender Punkt war die Klärung der Grundstücksfrage mit diversen Eigentümern. „Das ist der Firma Notus Energy im März 2014 nach drei Jahren gelungen“, sagt der Bürgermeister. „Ist das Lob oder Kritik?“, fragt Moderator Oliver Haustein-Teßmer, Chefredaktueur der Lausitzer Rundschau, nach. Wenn sich die Kommune um die Klärung bemüht hätte, wären sicher mehr als zehn Jahre ins Land gegangen, schätzt Bürgermeister Gefreiter.

Das stellt sich die Frage, was ein Unternehmen, das Windkraftanlagen errichtet, mit einer historischen Windmühle zu tun hat? Moderator Haustein-Teßmer gibt die Frage direkt an Heiner Röger von Notus Energy weiter. Das Unternehmen hat in der Region eine Reihe von Anlagen gebaut. „Es handelt sich um ein privates Investment“, betont Röger. „Die Windparks sind das Geschäft, dieses Projekt geht schon in Richtung Hobby“, bekennt der Historiker. Schöne, alte Dinge würden ihn anziehen und antreiben. „Die Altvorderen wussten schon, was schöne Formen sind.“ Und ihn habe das große Engagement bei der Vereinsgründung, der Zusammenhalt, die Stimmung im Ort beeindruckt. „Es gibt hier einfach engagierte Bürger“, stellt er fest.

Zunächst war die Windmühle da, die nun gut eingelagert in einer Schönwalder Scheune liegt. Doch die Fläche, auf der sie errichtet werden soll, ist zu groß allein für die Mühle. „Aus dem Ort heraus wurden Ideen entwickelt - für den Konsum, für eine Bäckerei, vielleicht für die Sparkasse“, sagt er. So könnte eine neue Ortsmitte entstehen. Der Bürgermeister kann sich vorstellen, dass die Windmühle in Schönwalde ebenso ein Anziehungspunkt für Besucher und Einheimische werden kann wie die Straupitzer Holländermühle. Denkbar wäre zum Beispiel ein Schaubackofen. „Vom Korn zum Brot - das könnte man dort zeigen“, sagt Bäckermeisterin Liane Rieß-Meißner. Sie führt in Schönwalde die Traditionsbäckerei Kuske weiter.

„Und wer bezahlt das alles?“, diese Frage drängt sich nicht nur dem Moderator auf. Darauf hat der Investor keine exakte Zahl parat. „Es ist noch offen, wer dort kaufen oder mieten will“, sagt Röger. So gebe es Interesse am Betreuten Wohnen, aber noch keine Zusage. Ähnlich sei es beim Kreditinstitut. Vorher habe es keinen Sinn zu bauen. „Es wird nicht in einem Zug gebaut“, betont er. Das gesamte Bauvorhaben schätzt er dann aber doch auf mehr als fünf Millionen Euro Investitionen.

Heiner Röger ist Investor für das Projekt „Mühlenhof Schönwalde“. Wie er sagte, gibt es Gespräche mit Interessenten zum Mieten oder Kaufen von Objekten.
Heiner Röger ist Investor für das Projekt „Mühlenhof Schönwalde“. Wie er sagte, gibt es Gespräche mit Interessenten zum Mieten oder Kaufen von Objekten. FOTO: Ingrid Hoberg / LR

Für Heiner Röger ist auch die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro rw+Gesellschaft von Architekten mbH in Berlin entscheidend. „Es handelt sich um Architekten von Weltrang - ich musste sie erst begeistern fürs Dorf“, sagt er.

„Wann geht es los? Wann steht der erste Bagger auf dem Gelände?“, diese Frage drängt sich für Jens Plath auf. „Dort, wo als erstes Verträge abgeschlossen sind“, so Röger. Der Investor verweist darauf, dass dies nicht seine Entscheidung sei. Beim Konsum stünden die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss eines Mietvertrags für 15 Jahre. Die Sparkasse schiebe eine Entscheidung vor sich her. „In diesem Jahr werden wir noch nicht beginnen“, schätzt er ein.

Bürgermeister Gefreiter verweist darauf, dass es eine nochmalige öffentliche Beteiligung gibt, das wurde in der Gemeindevertretersitzung am 19. Februar beschlossen. Vom 12. bis 26. März können die Unterlagen nun im Amt Unterspreewald, Hauptsitz Golßen, sowie in der Nebenstelle Schönwald eingesehen und Hinweise gegeben werden. Die Planungsunterlagen bestehen aus der Zeichnung, der Begründung, dem Umweltbericht und dem Grünordnungsplan. Nach der Auslegung ist mit einer sechs- bis achtwöchigen Bearbeitungsfrist durch die Genehmigungsbehörde zu rechnen.

Weitere Informationen zum Bebauungsplan gibt es unter: