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LR vor Ort
Lieberoser lassen sich nicht abhängen

Lieberose. Die kleine Stadt am Rande der Heide will die Vorteile der Lage nutzen – und hofft auf einen bessere touristische Anbindung.

Wenn man nach der Zahl der Fahrzeuge geht, die täglich durch Lieberose rollen, dann ist die Stadt nicht abgehängt von anderen Regionen. Rund 4600 Fahrzeuge sind im Juni als Durchschnittswert pro Tag ermittelt worden. Doch wenn es um die finanzielle Ausstattung und den Ausbau der Infrastruktur geht, dann entsteht der Eindruck, dass doch einiges im Argen liegt und die Stadt bei der Landesplanung vergessen wird.

„Wir fühlen uns vielleicht nicht abgehängt, aber in vielen Dingen vernachlässigt - insbesondere bei der finanziellen Ausstattung“, sagt Bürgermeisterin Kerstin Michelchen (Freie Liste Lieberose). „Wir sind eine kleine Kommune auf einer großen Fläche mit unseren vier Ortsteilen und der Stadt“, ergänzt sie.  Dass beispielsweise jeden Tag gut eine Million Euro in den BER gesteckt werden, ohne dass jemand dafür die Verantwortung übernimmt und Konsequenzen gezogen werden, verärgere die Leute. Das Resultat sei bei der Bundestagswahl zu sehen gewesen. 31,3 Prozent haben in der Stadt AfD gewählt, die im Land regierende SPD kam gerade einmal auf Platz vier mit 14,5 Prozent.

So kämpfen die Lieberoser seit Jahrzehnten um einen Ausbau der Radweg. Gemeinsam mit den Amtskollegen aus den umliegenden Kommunen ist Anfang des Jahres ein Brandbrief ans Land geschickt worden. Die Antwort, die vom Infrastrukturministerium kam, sei nichtssagend gewesen. Das prinzipiell stoische Aussitzen der Sache empört die Bürgermeisterin. Dafür fehlt der Frau, die dafür bekannt ist, dass sie die Ärmel hochkrempelt, jedes Verständnis. „Was wir brauchen, ist eine Verbindung zwischen den Orten“, betont sie. Schüler müssen eine der beiden Grundschulen oder die Oberschule erreichen. Dafür werden ausgebaute Radwege gebraucht - ebenso für die touristische Erschließung, beispielsweise die Anbindung ans Schlaubetal und an den Schwielochsee.

„Unsere Schüler können nicht auf der Straße mit dem Rad zur Schule fahren. Wir sind das Tor zum Spreewald. Die Bürger erwarten einen Schub, dass etwas zur Entwicklung des Tourismus passiert“, macht die Bürgermeisterin jüngst im Amtsausschuss deutlich. Und wenn der Landesbetrieb gegenwärtig nur Reparaturen und Instandsetzungen ausführt, dann könnten doch die in den 1990er Jahren mit ABM-Mitteln gebaute Radwege von Goyatz nach Lieberose und von Lamsfeld nach Goyatz in Ordnung gebracht werden, schlug sie mit Galgenhumor vor. Die nur mit einer Schotterdecke versehenen Wege wurden nicht gepflegt und sind inzwischen überwuchert.

Die Mittel im Haushalt der Kommune für 2018 werden wieder nicht ausreichen, dringend erforderliche Vorhaben zu realisieren. Gegenwärtig geht die Bürgermeisterin von einem Minus von 160 000 Euro aus. Was für andere Kommunen keine große Nummer ist, bedeutet für Lieberose, dass Eigenmittel nicht aufgebracht werden können, um Fördermittel für Bauvorhaben zu akquirieren. So muss in der Friedrich-Ebert-Straße dringend etwas gemacht werden - das hatte die Bürgermeisterin in der Stadtverordnetenversammlung im September deutlich unterstrichen. Die Sachmittel reichen in diesem Jahr nur für die Planung, wie auch Kerstin Chilla von der Amtsverwaltung erklärt hatte. „Wir haben zunächst Leistungsauskünfte eingeholt“, sagte sie.

Für Unverständnis hat in Lieberose die Einsparung des 8-Uhr-Busses nach Beeskow gesorgt. „Es ist damit aus dem öffentlichen Personennahverkehr eine wichtige Fahrt herausgenommen worden. Diese Linie ist für die Älteren wichtig, wenn sie zum Arzt nach Beeskow wollen“, sagt Kerstin Michelchen.

Trotz solcher Widrigkeiten hält sie an ihrer Vorstellung von „Lieberose als liebenswerter kleinen Wohnstadt“ fest. Sie sei einmal gefragt worden, wie sie sich den Ort in zehn Jahren vorstellt und auf diesem Weg sieht sie die Stadt. Es gibt eine Schule und Kindereinrichtungen, zwei Einkaufsmärkte, Ärzte, zwei Geldinstitute vor Ort. „Junge Familien wollen herziehen und suchen Häuser - vier, fünf waren es in jüngster Zeit“, stellt sie erfreut fest. Dazu passt auch das Engagement der Lieberoser selbst, die zurzeit für einen Spielplatz neben der Darre Geld sammeln. „6000 Euro sind schon gespendet worden, dafür haben wir Spielgeräte geordert“, sagt Kerstin Michelchen. Am 8. Dezember wird es außerdem noch ein Benefinzkonzert mit der Räuber-Band geben. Und auch für einen abwechslungsreichen Veranstaltungskalender sorgen die Lieberoser selber. Das sind Vereine, die Kirchengemeinde und andere Akteure, die immer wieder neue Ideen entwickeln.