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Lieberoser Heide erholt sich nach großem Waldbrand

Nach dem Waldbrand: Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Lieberose, beobachtet, wie sich die Natur jetzt entwickelt. Manche Bäume haben die Kraft und treiben wieder aus, andere bilden Notfrucht. Schneidegras ist wächst auch schon wieder und bereitet so die Neubesiedlung für andere Pflanzen vor.
Nach dem Waldbrand: Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Lieberose, beobachtet, wie sich die Natur jetzt entwickelt. Manche Bäume haben die Kraft und treiben wieder aus, andere bilden Notfrucht. Schneidegras ist wächst auch schon wieder und bereitet so die Neubesiedlung für andere Pflanzen vor. FOTO: Ingrid Hoberg
Lieberose. Eine einmalige Chance bietet sich in der Lieberoser Heide, die Neubesiedlung der Brandfläche mit Tieren und Pflanzen zu beobachten. Ingrid Hoberg

Es ist ein Zwitschern in der Luft - wie im Wald zu dieser Jahreszeit üblich. Dabei schweift der Blick über die Heidefläche bei Lieberose, über die Ende Mai eine Feuerwalze gegangen war. Nur ein Waldweg trennt die Brandfläche und die unberührte Heidelandschaft mit Birken und Kiefern. Der Himmel ist bedeckt, wenn es noch sonniger und wärmer wäre, würden Insekten aus Bodenlöchern kommen und durch die Luft schwirren, und es wäre heiß wie in der Wüste, so die Beobachtungen von Jenny Eisenschmidt von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Außenstelle Lieberose. Auch Axel Becker, Leiter der Oberförsterei, interessiert sich für die Entwicklung auf der Fläche. Nur wenige Tage nach dem Brand sind die ersten Lebenszeichen auf der rund 250 Hektar großen Fläche beobachtet worden.

"Hier gibt es jeden Tag Veränderungen, es siedeln sich jetzt Tiere und Pflanzen an, die vorher nicht an dem Standort nachgewiesen wurden", sagt Jenny Eisenschmidt. Die Stiftung bemühe sich darum, für ein Monitoring Partner an der BTU Cottbus-Senftenberg oder einer anderen Einrichtung zu finden. Es gehe nicht nur darum zu dokumentieren. Die Daten müssen auch ausgewertet und bewertet werden. Anders als private Waldbesitzer, die den wirtschaftlichen Verlust des Holzes beklagen und so schnell wie möglich wieder aufforsten wollen, greift die Stiftung auf ihren Flächen nicht in die Natur ein. Auch nicht nach einem Waldbrand. Es ist ein Prinzip der Stiftung, der Entwicklung ihren Lauf zu lassen.

"Wir haben hier die einmalige Gelegenheit, Pionierpflanzen und -tiere zu beobachten. Es ist ein ökologisches Wunder", betont Jenny Eisenschmidt. Sie hat nicht nur die Brandbekämpfung erlebt, sie hat auch die 72 Stunden Brandwache mitgemacht, die der Flächeneigentümer nach dem Löschen des Feuers gewährleisten muss, und damit die kleinsten Veränderungen von Anfang an selbst beobachtet.

Sie verweist aber auch darauf, dass das Gebiet eine "Rot Zone" ist, kein öffentlicher Raum, und nicht betreten werden darf. Es handelt sich um Kampfmittelverdachtsflächen. Einen wahren Katastrophentourismus hat Axel Becker festgestellt. "Die Leute wollten am liebsten mit dem Auto heranfahren", erzählt er. Schon bei den Löscharbeiten sei das so gewesen. "Wer vorn mit dabei sein will, sollte zur Feuerwehr gehen", sagt er deutlich seine Meinung. Der Leiter der Oberförsterei war über die Waldbrandzentrale über eine Rauchentwicklung informiert worden. Nach wenigen Minuten waren die ersten Feuerwehren aus dem Landkreis Spree-Neiße vor Ort. Wegen der Belastung der Fläche mit Kampfmitteln aus der Zeit als Truppenübungsplatz der Roten Armee wurde das Feuer vom Rand her bekämpft. An der Grenze vom Stiftungswald zum Landes- und Privatwald war das Feuer gestoppt worden. Angeschmorte Schilder weisen die Grenze aus.

Beim Lieberoser Wandertag 2016 hatte Axel Becker die Teilnehmer an dem angelegten Schutzstreifen, der sich nun im Brandfall bewährt hat, auf die Funktion dieses wüsten Geländes hingewiesen. Axel Becker lobt den Einsatz der Feuerwehren, die es geschafft haben, die angrenzenden Flächen feucht zu halten und so ein Überspringen über den trennenden Waldweg zu verhindern. Es habe sich aber auch gezeigt, dass die vorhandenen Brunnen nicht schnell genug Wasser liefern konnten. "Das Wasserreservoire ist wichtig", betont er - daran müsse gearbeitet werden.

Zum Thema:
Bei dem Brand vom 29. und 30. Mai auf rund 250 Hektar zwischen Lieberose und Turnow handelt es sich um eine Fläche im Eigentum der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Bei geführten Wanderungen erfahren Interessierte mehr über die Natur und die Entwicklung des Gebiets. Termine und weitere Informationen gibt es auf der Homepage: www.stiftung-nlb.de