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| 08:25 Uhr

Verkohlte Bäume und frisches Grün
Neues Leben nach dem Großbrand

Jenny Eisenschmidt, Leiterin der Außenstelle Lieberose der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, untersucht eine Insektenfalle neben einer verkohlten Kiefer nach einem Brand vor einem Jahr in der Lieberoser Heide.
Jenny Eisenschmidt, Leiterin der Außenstelle Lieberose der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, untersucht eine Insektenfalle neben einer verkohlten Kiefer nach einem Brand vor einem Jahr in der Lieberoser Heide. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Lieberose . Ein Jahr danach: In der Lieberoser Heide wachsen wieder Farne unter verkohlten Sträuchern. Von Anna Ringle, dpa

Vor einem Jahr wütete in der Lieberoser Heide ein heftiges Feuer. 250 Hektar des Naturschutzgebietes und ehemaligen Truppenübungsplatzes brannten. Feuerwehren konnten aus Sicherheitsgründen nicht zu allen Flammen vordringen – alte Munition befindet sich noch im Boden. Auf vielen Heideflächen sieht es so aus, als hätte es erst vor kurzem gebrannt. Aber es hat sich auch wieder Leben entwickelt.

Selbst an den toten Baumstellen: Ein riesiger weißer Pilz wächst an einem pechschwarzen Birkenbaumstumpf. Er kann dort noch Nährstoffe für sich ziehen, wie die Leiterin der Außenstelle Lieberose der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Jenny Eisenschmidt, erläutert. Die Stiftung betreut ein mehrere tausend Hektar großes Teilgebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes, wo zu DDR-Zeiten Sowjetpanzer Schießübungen machten. Die Stiftung verfolgt das Ziel, nicht in die Natur einzugreifen, die Flächen entwickeln sich ohne menschliches Eingreifen.

Auf einem Schild mit Warnhinweisen mitten auf einem Feld hat sich das Feuer auch bemerkbar gemacht. Die Folie ist verschrumpelt und einige Stellen sind rußig. Viele der Kiefern und Birken im Umkreis sind entweder ganz verkohlt oder am Baumstumpf schwarz. Eisenschmidt geht davon aus, dass die Bäume nicht mehr austreiben werden. Irgendwann werden die toten Bäume umfallen. Andere haben wieder ausgetrieben. Ihre Kronen haben grüne Blätter, obwohl die Baumrinde am Stumpf verkohlt ist.

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Waldbrand in der Lieberoser Heide FOTO:

Was im Mai 2017 den riesigen Brand auslöste, ist bis heute nicht geklärt. Es könnte ein weggeworfener Zigarettenstummel gewesen sein, vermutet Eisenschmidt. Auch der Leiter der Oberförsterei Lieberose, Axel Becker, schätzt, dass der Brand durch einen Menschen ausgelöst wurde. „Der genaue Grund wird aber wohl ungeklärt bleiben.“ Die Oberförsterei Lieberose ist hoheitlich für die Stiftungsflächen zuständig und arbeitet mit der Stiftung zusammen.

Es war der größte Waldbrand Brandenburgs im Jahr 2017. Insgesamt waren von Feuern landesweit 285 Hektar Waldflächen betroffen gewesen – mit 250 Hektar entfiel auf den Großbrand in der Lieberoser Heide der Löwenanteil. Zwei Tage hatte es gebrannt. Viele Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Stiftung und Förster waren im Einsatz gewesen, um die Flammen zu löschen. Dann zog ein schweres Unwetter auf und brachte Gewitter und Starkregen und damit die Rettung. Danach gab es eine Brandwache, um jedes Aufkeimen von weiteren Bränden zu vermeiden.

An einer anderen Stelle der Heide hat sich die Natur schon deutlich mehr erholt. Farne wachsen und unter vielen verkohlten Heidesträuchern sind neue Triebe zu erkennen. „Der Boden hat hier eine bessere Nährstoffversorgung“, erklärt Jenny Eisenschmidt. Hier und da sind kleine Triebe von Kiefern zu sehen. Aber auch Tiere hinterlassen ihre Spuren auf den ehemaligen Brandflächen, zum Beispiel Rot- und Schwarzwild.

Der Großbrand zog bereits Forscher an. In einer Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) begann die Stiftung mit einem Monitoring auf Brandflächen. In diesem Projekt wird untersucht, wie sich die Tierwelt auf der Brandfläche seit dem Sommer 2017 entwickelt, wie BTU-Fachgebietsleiter für Ökologie, Klaus Birkhofer, erläutert. Dazu wurden beispielsweise Kadaver von Wildschweinen mit Insektenfallen in die Brandzone und auf unbeschadete Heide-Flächen gebracht, um Vergleichsdaten zur aasfressenden Tierwelt zu ermitteln. „Wir wollen verstehen, wie sich ein großer Waldbrand darauf auswirkt, wie Tierkadaver zersetzt werden.“ Noch bis in den Herbst sollen dazu Daten gesammelt werden.

Die Lieberoser Heide: Ein Jahr nach dem Großbrand FOTO: dpa / Patrick Pleul