| 02:41 Uhr

Lieberoser halten Erinnerungen wach

Kranzniederlegungen am Mahnmal gehören zu den Gedenkveranstaltungen im Museum der Lieberoser Gedenkstätte.
Kranzniederlegungen am Mahnmal gehören zu den Gedenkveranstaltungen im Museum der Lieberoser Gedenkstätte. FOTO: jök
Lieberose. Vor 35 Jahren wurde das Museum der Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer der SS im KZ-Nebenlager Lieberose eingeweiht. Mit einer Gedenkveranstaltung wurde am 12. September an diesen Tag erinnert. red/jök/ho

Am 12. September 1982 ist in Lieberose mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Mahnmal das Museum der KZ-Gedenkstätte eingeweiht worden. Daran hat der Gedenkstättenverein am Dienstagnachmittag erinnert. Bei der Jubiläumsveranstaltung las der Lieberoser Schauspieler Michael Becker aus seinem Erinnerungsbuch Geschichten, die den Juden in Lieberose gewidmet sind. Bernd Boschan, Direktor des Amts Lieberose/Oberspreewald, betonte, dass die Existenz des Museums seit mehr als drei Jahrzehnten von "Ausdauer, Konsequenz und Engagement" zeuge. Er dankte insbesondere Peter Kotzan, der das Museum seit 1982 betreut. "Das Besondere ist, dass das Museum nicht von außen angeregt wurde, sondern aus der Lieberoser Bürgerschaft selbst entstanden war." Das Museum wurde am Fuße des als Mahnmal für die "Opfer des Faschismus" im Jahr 1973 gestalteten Ringgrabs errichtet. Das Grab enthält die sterblichen Überreste von 577 Opfern des KZ-Nebenlagers.

"Gleich am ersten Tag besuchten damals über 150 Gäste das Museum und begutachteten mit großem Interesse die Ausstellung. Sie war von Mitarbeitern der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen auf der Grundlage der Forschungsergebnisse einer Schülerarbeitsgemeinschaft unter der Leitung des Lehrers Roland Richter gestaltet worden", berichtet Vereinsvorsitzender Peter Kotzan.

"Da zu dieser Zeit keine hauptamtliche Kraft für das Museum zur Verfügung stand, übernahmen die Schüler des Fakultativen Kurses ,,Geschichte” die Betreuung. Sie sicherten die Öffnungszeiten, führten Gruppen durch die Ausstellung und zeigten den Dia-Ton-Vortrag zur Geschichte des Mahnmals. Heute besuchen Schüler der Ludwig-Leichhardt-Oberschule Goyatz regelmäßig das Museum und gestalten Veranstaltungen mit.

Von 1982 bis 1989 haben 27 Schüler des Fakultativen Kurses ,,Geschichte" 173 Gruppen mit 4380 Besuchern durch die Ausstellung geführt und den selbst gestalteten Dia-Ton-Vortrag gezeigt.

Daneben führten sie die begonnene Forschungsarbeit weiter und ergänzten mit den Forschungsergebnissen, Dokumenten und Sachzeugen die Ausstellung. Dazu gehörten beispielsweise Gegenstände, die bei der Exhumierung in der Staakower Kiesgrube gefunden wurden, als Leihgabe der Generalstaatsanwaltschaft der DDR.

"Der Kontakt zu ehemaligen Häftlinge wurde intensiv fortgesetzt. Eine Reihe von ihnen nutzte im Laufe der Jahre die Möglichkeit das Museum besuchen", sagt Peter Kotzan.

Im Laufe der Jahre hatte sich viel neues Material angesammelt und es gab neue Forschungsergebnisse, die immer wieder in die bestehende Ausstellung eingearbeitet wurden. Sponsoren haben über die Jahre immer wieder die Arbeit des Vereins unterstützt.

Zum Thema:
Von 1984 bis 1989 betreute Lehrerin Ruth Knöfler, an der Schule für Traditionspflege freigestellt, das Museum. Sie wurde auch weiterhin von den Schülern unterstützt.Nachdem von 1990 bis 1994 die Betreuung des Museums allein von Peter Kotzan erfolgte, wurde am 24. November 1994 der Verein zur Förderung der Antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose gegründet. Seine Mitglieder engagieren sich gleichermaßen bei der Pflege des Mahnmals und bei der Pflege und Betreuung des Museums.