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| 16:58 Uhr

Jubiläum
Ex-Klassenclown erzählt von Schule

Schauspieler Michael Becker trifft Fünftklässler aus Lieberose und verrät seine Lieblingsfächer. Von Katrin Kunipatz

In seinen Garten hat Michael Becker die Fünftklässler der Lieberoser Comenius-Grundschule eingeladen. Die Mädchen und Jungen sind gut vorbereitet. Auf kleinen Zetteln haben sie sich Fragen notiert, die sie dem ehemaligen Schauspieler stellen wollen. Dabei geht es um seinen Beruf und seine Zeit an der Lieberoser Schule.

„Vor 62 Jahren bin ich eingeschult worden“, sagt Michael Becker. Damals trug die Schule den Namen Alexander Puschkins, eines russischen Dichters, der mit Goethe vergleichbar sei, erklärt der 68-Jährige. Als Schüler habe er sich vor allem für Deutsch, Geschichte, Geografie und Russisch interessiert und war darin richtig gut, berichtet Becker. Zum Beweis spricht er mehrere Sätze auf Russisch, bis die Kinder leise lachen. „Ich habe nur Bahnhof verstanden“, gesteht einer der Jungen. Nur Schulleiterin Adelheid Schauer antwortet – ebenfalls auf Russisch.

Gegenüber den Kindern gibt Michael Becker zu, dass er in seiner Schulzeit ziemlich albern war und sich als Klassenclown aufführte. „In meinem Hausaufgabenheft stand oft: Michael stört den Unterricht wegen dauernden Schwatzens“, gesteht er. Dieses Talent sollte ihn schließlich zum Theater bringen. Trotzdem lernte er nach dem Abitur Facharbeiter für Rinderzucht, weil er eigentlich Tierarzt werden wollte. Seine Eltern waren einfache Leute, der Vater Dachdecker, die Mutter Krankenschwester, und auf dem Hof der Oma gab es Schweine, Hühner und Kaninchen. Letztlich sei es die Idee einer Lehrerin gewesen, Michael Becker für das Schauspielstudium in Leipzig und später in Dresden vorzuschlagen. Nach Stationen in Sachsen kam er schließlich ans Staatstheater nach Cottbus und blieb dort 33 Jahre, bis er mit 66 in den Ruhestand entlassen wurde.

Seitdem habe er Zeit, Bücher zu schreiben. Einige Anekdoten darin sind autobiografisch. Den Fünftklässlern liest Becker eine Geschichte vor, die sich Mitte der 1930er-Jahre auf dem Hof seiner und ihrer Schule ereignet hatte. Zwei kleine Mädchen mussten dort in jeder Pause stehen, niemand durfte mit ihnen reden, weil sie jüdisch waren. Später wurden die Familien Fuchs und Hirsch aus Lieberose vertrieben. Stolpersteine erinnern heute an sie. „Es waren Kinder in eurem Alter“, sagt Becker. „Ihr dürft nicht zulassen, dass so etwas wieder passiert.“

Zum Ende der Stunde waren alle Fragen beantwortet, die kleinen rosa Notizzettel in den feuchten Händen der Kinder völlig zerknittert. Dafür klebten jedem Schüler beim Verlassen des Gartens drei Buchstaben auf dem Shirt. Zu jedem Anfangsbuchstaben hatte Michael Becker ein Brecht-Zitat – mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken – zum Besten gegeben. Anika, Leonie, Ben, Greta und den anderen haben diese Brechtschnipsel gut gefallen, genau wie die Geschichte aus seinem Buch. Max freut sich, dass Michael Becker sich Zeit für die Schüler genommen hat.

In der 6. Klasse würden sie gern noch mal bei ihm vorbeischauen. Denn das Projekt entstand unabhängig vom Schuljubiläum in diesem Jahr. Schulleiterin Adelheid Schauer erfuhr, dass Michael Becker Schüler in Lieberose war und nahm Kontakt mit ihm auf, damit die Kinder ihren Schulort und die Leute besser kennenlernen.

 Michael Becker – selbst ehemaliger Schüler an der heutigen Comenius-Grundschule in Lieberose – spricht mit Fünftklässlern über seine Schulzeit und den Weg in die Schauspielerei.
Michael Becker – selbst ehemaliger Schüler an der heutigen Comenius-Grundschule in Lieberose – spricht mit Fünftklässlern über seine Schulzeit und den Weg in die Schauspielerei. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
 Michael Becker – selbst ehemaliger Schüler an der heutigen Comenius Grundschule in Lieberose – spricht mit Fünftklässlern über seine Schulzeit und den Weg zur Schauspielerei.
Michael Becker – selbst ehemaliger Schüler an der heutigen Comenius Grundschule in Lieberose – spricht mit Fünftklässlern über seine Schulzeit und den Weg zur Schauspielerei. FOTO: LR / Katrin Kunipatz