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| 01:00 Uhr

Lichtfischer und Schattenjäger spielen im Lübbener Rathaus

Lübben.. Seit vorgestern ist im Lübbener Rathaus eine neue Ausstellung zu sehen. Dieter Wagner zeigt hauptsächlich Acryl-auf-Leinwand-Arbeiten, bei denen der Mensch im Vordergrund steht. Seine Bilder erzählen von Introspektion und Autismus, von Extroversion, Tod und Hoffnung. Die meisten strahlen eine große Energie aus, einige im Kontrast dazu eine wohltuende Ruhe. Von Ingvil Schirling

Ein Mensch springt aus dem Dunkel. Seine Energie spannt sich vom kraftvoll gegen den Boden gepressten großen Zeh bis in die fliegenden Haarspitzen. Seine Arme sind erhoben. Seine Hände schleudern zwei feine Lanzen ins Dunkel, aus deren Spitzen zwei Lichtquellen explodieren, die den Raum erleuchten. Der Springende und weitere Menschen am Rand treten in den Hintergrund, erscheinen schattenhaft. Sie sind Schattenjäger, Verwandte der Lichtfischer, die Dieter Wagner in Serie festgehalten, in Deutschland, den USA, Japan, Frankreich ausgestellt hat und nun in Lübben zeigt.
Wagners Lichtfischer machen eine der fünf Gruppen von Themen aus, in die er selbst seine Bilder einordnet. Gleich das erste Bild gegenüber dem Rathauseingang, die „Lichtfischerin“ , beeindruckt ebenso wie die Schattenjäger. Die Frau sitzt, nackt, die Beine bequem auseinander fallen lassend, auf einem Felsen. Ihr Oberkörper ist abgewandt, während sie die Lichtquelle unter ihr studiert, ihre Hand langsam darin bewegt, als würde sie einen leuchtenden Fisch fangen wollen, eine Hoffnung vielleicht, eine Idee, wer weiß, was es sein wird. Sie ist der Innbegriff der Lichtfischer: Allein überwindet sie die Scheu vor Neuem, Unbekanntem, ohne zu wissen, was dabei herauskommen wird.
Wagners Bilder bestechen durch die Klarheit, mit der sie solche Charakterzüge von Menschen, in jedem mehr oder weniger stark ausgeprägt, herausarbeiten. Seine Figuren sind Beispiele, deshalb oft ohne konkrete Gesichtszüge. Besonders die Lichtfischer und Schattenjäger sind eins mit sich, mit dem was sie tun. Je mehr der Sturm um sie herum tobt, desto ruhiger werden sie. Ihre Körper sind makellos, kraftvoll, im Gleichgewicht.
Selbst auf den „Denker“ trifft das zu, obwohl Wagner ihn, wie er bei der Vernissage am Mittwochnachmittag sagte, nicht leiden kann. Vorbild der Serie ist der „Denker“ von Auguste Rodin, dem französischen Bildhauer. Wagner hat zu Frankreich eine Beziehung: 15 Jahre lange lebte der gebürtige Konstanzer in Paris, bevor er 1985 in den USA als Gastprofessor arbeitete. Seit 1997 betreibt er eine kleine Kunstschule am Mellensee im Landkreis Teltow-Fläming.
„Den ,Denker‘ hat meine ganze Abneigung getroffen“ , gestand Wagner, „weil der immer nur sitzt und denkt und einfach nicht weiterkommt, nicht versucht, zu kommunizieren“ . Dass er denkt, unterstellt Wagner sogar, sei nur ein Alibi. Diesem Autismus hat er in einem Bild Wurzeln verliehen, was gemessen an seiner Abneigung noch gnädig ist, denn aus Wurzeln kann doch noch etwas wachsen.
Wagner setzt sich in seinen Bildern auch mit archaischen Themen auseinander, als Beispiel sei etwa das Bild der Heimkehrenden genannt, aber auch mit dem Tod und der Frage, ob am Anfang und am Ende wirklich gar nichts ist? Dass Wagner das nicht glauben kann, zeigen Bilder voller gewagter Farbkompositionen, ineinander verwoben wie ein Tanz.
„Astra-Tanz“ nennt er diese Themengruppe von Bildern, die nach den „Denkern“ und den „Lichtfischern“ die dritte ausmacht. Zu sehen sind außerdem Bilder über den Umgang der Weltreligionen miteinander und solche, die Wagner bei Frost geschaffen hat, in der Hoffnung, dass die Farbe ab einer gewissen Minustemperatur Eiskristalle bildet. Insgesamt, so Wagner, „habe ich etwas von dem, was ich sehr liebe, hier ausgestellt und hoffe, dass es gefallen wird.“