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| 17:11 Uhr

Spreewälder Gastronomie bilanziert enttäuschende WM
Lichte Momente? Lichte Bänke!

Stimmung sieht anders aus: Durch das frühe deutsche WM-Aus wurden die Public-Viewing-Angebote eher spärlich angenommen. Auch im Spreewald.
Stimmung sieht anders aus: Durch das frühe deutsche WM-Aus wurden die Public-Viewing-Angebote eher spärlich angenommen. Auch im Spreewald. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Lübben/Luckau. Eine Fußball-WM kann für Gastronomen der reinste Segen sein – aber nur solange Deutschland mitspielt. Das Turnier 2018 war daher auch für hiesige Public-Viewing-Anbieter eher enttäuschend. Von Steven Wiesner

Ein Schuss, ein Tor, Ekstase pur! Als Toni Kroos im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden in allerletzter Minute einen Freistoß ins Netz drehte und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor dem vorzeitigen WM-Aus bewahrte, stieg die Stimmung auf den Siedepunkt. Im Stadion von Sotschi, aber vor allem auch in der Heimat auf den unzähligen Public-Viewing-Plätzen der Republik.

Wenn es nach Matthias Stolper von der Sportwelt Dahme geht, hätte die Weltmeisterschaft gerne vier Wochen lang so aussehen können. Doch deutsche Glücksgefühle waren bei diesem Turnier bekanntlich so selten wie brasilianische Spiele ohne Neymar-Schwalbe. Vier Tage nach Kroos‘ Hoffnungsschimmer verlor der Weltmeister gegen Südkorea und verabschiedete sich bereits nach 14 Turniertagen von der Fußballbühne – und gleichbedeutend damit auch von den Public-Viewing-Bildschirmen in der Lausitz. Stolper: „Mit dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft war die WM eigentlich vorbei.“ Sportlich sowieso. Aber eben auch gastronomisch.

Die Sportwelt Dahme steht dabei nur beispielhaft für viele Public-Viewing-Anbieter aus Dahme-Spreewald, die sich vorbereitet, eingedeck und mit vollen Häusern kalkuliert haben. „Deutschland war bei den letzten Turnieren immer bis zum Schluss mit dabei, damit habe ich auch diesmal gerechnet“, gesteht Matthias Stolper. Doch zum ersten Mal seit 2004 verpassten die deutschen Fußballer eben ein Halbfinale und mussten sich so zeitgleich mit Ägypten, Saudi-Arabien und Panama auf den Heimweg machen. Der wirtschaftliche und stimmungsvolle Abpfiff auch für die Lausitzer Lokale. Stolper: „Das Halbfinale Frankreich gegen Belgien hat noch ein bisschen gezogen, unterm Strich war es aber eine enttäuschende WM.“

Auch André Matthes vom Club Bellevue in Lübben hatte während der WM auf lichte Momente gehofft, „es haben aber eher lichte Bänke das Bild geprägt“, sagt er. Zu manchen Spielen hätten sich nur 15 bis 20 Gäste im Club eingefunden. „Wenn Deutschland nicht spielt, gucken die Leute lieber zuhause nebenbei. Man lebt das einfach nicht mehr zusammen, wenn man anderen Nationen zugucken muss.“ Das Finale am Sonntag will er trotzdem übertragen mit Gegrilltem und Bier vom Fass.

Das wird auch ein paar hundert Meter Luftlinie weiter am Marktplatz der Fall sein, wo Andreas Biedenweg sein Restaurant „La Casa“ führt. „Es war immer der Trend zu EM oder WM, dass die Kneipe voll war“, sagt er. „Jetzt ist die Euphorie zwar weg und wir haben sicher auch ein paar Umsatzeinbußen, aber dafür waren wir doch in Deutschland die letzten Jahre mehr als verwöhnt.“ Ein Turnier, bei dem mal nicht alles rosig läuft, sei zu verschmerzen, sagt Biedenweg und flachst: „Es ist nur schade, dass wir das Geld von der Gema für die Übertragungsrechte nicht zurückbekommen. Da bezahlst du über 100 Euro und zeigst eigentlich nur drei Spiele.“

Über schlechten Umsatz kann sich Ingo Wolff vom Schlossberg Luckau derweil nicht beschweren. „Wir haben nicht weniger eingenommen als vor vier Jahren, als Deutschland Weltmeister wurde.“ Er glaubt dafür eine generelle Abnutzung des Public-Viewing- und Fanmeilen-Kults zu erkennen. „Dieser Nationalstolz mit Trikots und Bemalung hat abgenommen. Von 2010 bis 2018 geht die Kurve stimmungstechnisch immer mehr nach unten.“ Es sei aber nicht so, dass er vor der WM drei Extrafässer Bier bestellt habe, auf denen er jetzt sitzen bleibt. „Und selbst wenn es so wäre: Wir Gastronomen sollten nicht immer den Kopf in den Sand stecken. Wir haben hier genug Feste und Möglichkeiten, Bier auszuschenken.“ Zum Beispiel schon bei der Luckauer Kahnnacht an diesem Wochenende.