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| 11:46 Uhr

Licht in den letzten Stunden des Lebens

Luckau. Vor einer Tür im Evangelischen Seniorenzentrum an der Berste in Luckau brennt eine Kerze. Der hochbetagte Mann, der hinter dieser Tür gelebt hat, ist für immer eingeschlafen. In seinen letzten Stunden ist er nicht allein gewesen. Ehrenamtliche Hospizhelfer hatten ihm zur Seite gestanden. Acht Frauen gehören zur Hospizgruppe des Evangelischen Seniorenzentrums. Die ehemalige Heimmitarbeiterin Veronika Zimmermann und die Pfarrerin im Ruhestand Adelheid John sind seit mehreren Jahren dabei. Carmen Berg

Früher, so Ex-Heimmitarbeiterin Veronika Zimmermann, hätte sie es sich nicht vorstellen können, Menschen beim Sterben zu begleiten. 1999 war sie ABM-Kraft im Heim. Ihre Chefin in der Ergotherapie, die damals schon der Hospizgruppe angehörte, hätte sie gebeten, sich für einen Moment ans Bett einer Frau zu setzen, deren letzte Stunden gekommen waren. "Der Gedanke war mir unheimlich", erinnert sich Veronika Zimmermann. Doch dann habe sie der Sterbenden etwas vorgelesen, ein Gebet gesprochen und dabei erlebt, wie die alte Dame immer entspannter geworden sei. "Ich spürte, es tat ihr gut, nicht allein zu sein. Das war auch für mich ein gutes Gefühl", erzählt Veronika Zimmermann. Durch dieses Erlebnis sei sie zur Hospizgruppe gekommen. Wenn ein Hausbewohner um Begleitung bitte, spreche das Heim die Hospizhelfer an, erläutert der Leiter der Einrichtung, Michael Voigt. Sterbebegleitung sei vom Personal im normalen Pflegeprozess nicht zu leisten. Die Art und Weise der Begleitung sei sehr verschieden, so Veronika Zimmermann. "Es liegt an uns zu fühlen, was für den Menschen am hilfreichsten ist." Der eine wolle reden, dem anderen sei es ein Trost, wenn jemand da ist und die Hand hält, wenn ein Lied gesungen wird oder leise Musik erklingt, berichtet Adelheid John. Veronika Zimmermann erinnert sich an einen alten Mann, der ihr in drei Stunden sein Leben erzählt hatte, bevor er friedlich eingeschlafen war. Ein anderes Mal hatte eine Heimbewohnerin sie gebeten, mit ihr ein Gebet zu sprechen. Dann hatte sie die Helferin hinausgeschickt. "Sie wollte ihre letzten Minuten allein verbringen", betont Veronika Zimmermann. Sterbende würden ihr nahendes Ende spüren, sagt sie. Meist seien es die Angehörigen, die sich mit dem Unausweichlichen nicht abfinden wollen. Michael Voigt: "Für den Betroffenen, der gehen will, ist das eine Qual." Letzte Wünsche zu erfüllen, gehöre zu den Anliegen der Hospizgruppe, erzählt Veronika Zimmermann. Manchmal sei das ein Spaziergang oder die Teilnahme an einem Gottesdienst. Manchmal könne ein Sterbender nicht gehen, ohne sich mit jemandem ausgesöhnt zu haben, sagt sie. Wo das möglich sei, erzählt Veronika Zimmermann, würden die Angehörigen in die Sterbebegleitung einbezogen. Das Sterben als einen Teil des Lebens zu akzeptieren – dafür engagieren sich die Helfer. "Da gewesen zu sein, nicht weggeschaut zu haben, ist ein schönes Gefühl", erklärt Veronika Zimmermann. "Ich wünsche mir, dass jemand genauso denkt und da ist, wenn es soweit ist." Informationen zum Seniorenzentrum an der Berste erteilen Michael Voigt, Telefon 03544/51 30 oder Telefon 035455/4 62. Auch in Lübben kümmert sich eine Hospizgruppe des Diakonischen Werks um Sterbende. Sie ist in der Geschwister-Scholl-Straße 12 zu finden, Telefon 03546/73 28.