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Leuthen gibt Rinderstall-Widerstand auf

Rinder haben die Gemeinde Märkische Heide monatelang beschäftigt. Jetzt ist der Weg frei für den Bau eines neuen Rinderstalls in Klein Leuthen.
Rinder haben die Gemeinde Märkische Heide monatelang beschäftigt. Jetzt ist der Weg frei für den Bau eines neuen Rinderstalls in Klein Leuthen. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Groß Leuthen. Der Rinderstall in Klein Leuthen (Märkische Heide) kann gebaut werden. Die Gemeinde zumindest wird sich nicht weiter dagegen wehren. Sie hat ihre ablehnende Haltung aufgegeben und verzichtet auf eine Klage. Karl Materne will in Klein Leuthen einen Rinderstall für 200 Tiere und einen Güllebehälter mit 870 Kubikmetern errichten. Andreas Staindl / asd1

Der Konflikt schwelt seit Monaten. Der Landwirt Karl Materne will einen Rinderstall bauen. Die Gemeinde war bisher gegen das beantragte Vorhaben, lehnte vor allem den geplanten Standort ab (die RUNDSCHAU berichtete).

Weil der Landkreis Dahme-Spreewald am 5. August 2013 dennoch eine Baugenehmigung erteilte und damit das Votum der Gemeinde ersetzte, ging die Kommune in Widerspruch. Der Widerspruchsbescheid des Kreises lag den Gemeindevertretern während ihrer Sitzung kürzlich vor.

"Der Landkreis hat den Widerspruch abgelehnt", erklärte Bauamtsleiterin Annett Lehmann. Ihr zufolge hat die Kommune einen Monat Zeit, weitere Schritte einzuleiten: "Wir müssen überlegen, ob wir in ein Klageverfahren gehen." Reinhard Schulz (Pro Spree und Wald) favorisiert diesen Weg. Er hätte eine fristwahrende Klage eingereicht. "Ich sehe keinen Grund, warum wir die Entscheidung des Kreises hinnehmen sollten", argumentiert der Gemeindevertreter. Er könne aus dem Schreiben des Landkreises nicht erkennen, warum der Widerspruch der Gemeinde nicht rechtens sein soll. "Um die Frist zu wahren, sollten wir deshalb klagen", sagt Schulz. "Die Begründung können wir später nachreichen, auch die Klage zurückziehen."

Für Bernd Lehmann (SPD) kommt der Klageweg nicht in Frage. Der Gemeindevertreter erinnerte daran, "dass wir beschlossen hatten, in Widerspruch zu gehen, aber nicht zu klagen. Die Sache ist also vom Tisch." Das sieht auch Jürgen Nowigk (Pro Märkische Heide) so: "Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen, die Geschichte jetzt abschließen."

Zuvor hatte sich schon Bärbel Wasternack während der Bürgerfragestunde für den Rinderstall stark gemacht. Die Einwohnerin wundert sich beispielsweise, "dass sich Gemeindevertreter berufen fühlen, über einen geeigneten Standort des Stalls zu entscheiden". Sie befürchtet Tierdiebstähle, wenn der Rinderstall weit abseits des Hofs der Familie Materne errichtet würde.

Der Einwohner Bernd Welzel ist vom Widerstand der Gemeinde und der Bürgerinitiative um deren Sprecher Peter Müller gegen das Vorhaben sichtlich genervt. "Nur weil Lobbyisten am Wochenende ihre Ruhe in Klein Leuthen haben wollen, geht die Landwirtschaft dort kaputt", poltert er. "Die Baugenehmigung ist doch erteilt. Kann man nicht die Staatsanwaltschaft einschalten, damit Maternes endlich bauen können?"

Das sei nicht möglich, wie Annett Lehmann erklärt. Es gebe ein Widerspruchsrecht, von dem die Kommune Gebrauch gemacht habe. Die Baugenehmigung werde erst nach Abarbeitung des Widerspruchs wirksam. Mit ihrem Votum machten die Gemeindevertreter den Weg frei. Neun der 13 anwesenden Vertreter verzichteten auf eine Klage, zwei waren dafür, einer enthielt sich, einer erklärte sich für befangen.