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Drei Themen auf der Leichhardt-Konferenz in Zaue
Leichhardt lobte Zaues Trauben

Während der Leichhardt-Konferenz standen drei Themenbereiche im Mittelpunkt: Schülerarbeiten, Weinbau und die familiären Spuren Leichhardts.
Während der Leichhardt-Konferenz standen drei Themenbereiche im Mittelpunkt: Schülerarbeiten, Weinbau und die familiären Spuren Leichhardts. FOTO: Lisa Arnold / Kuschka Konstanze
Zaue. Die diesjährige Leichhardt-Konferenz in Zaue hatte drei Themenschwerpunkte: Schülerarbeiten, Weinbau und die familiären Spuren Leichhardts, die bis heute in der Region zu finden sind. Jörg Kühl

Rainer Hilgenfeld ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Schwielochsee und ein noch lebender Repräsentant der Großfamilie Leichhardt. Mit diesem Befund überraschte der Guhlener viele Gäste der 12. Leichhardt-Konferenz, die am Donnerstag auf dem Ferienhaus- und Campingpark  Ludwig Leichhardt in Zaue abgehalten wurde. Die Familienwege der Hilgenfelds, die in Möllen am Schwielochsee (Stadt Friedland) seit mehreren Generationen eine Wassermühle betreiben und die der Leichhardts, die in Sabrodt, ebenfalls am Schwielochsee, beheimatet waren, haben sich zwei mal gekreuzt.

Rainer Hilgenfeld ist mit dem Australienforscher Ludwig Leichhardt, nach dem in Goyatz die Oberschule und die Strandpromenade benannt sind, verwandt. Und das kam so: Zwei von drei Söhnen der altmärkischen Müllerfamilie Hilgenfeld waren vor 170 Jahren zu Elbschiffern geworden. „Es konnte ja nur ein Sohn die Mühle in Heiligenfeld (daher der Name Hilgenfeld) übernehmen.“

Über Havel und Spree sind die Brüder in die Schwielochseeregion gelangt. Karl-Leopold Hilgenfeld heiratete 1824 Friederike Charlotte Auguste Leichhardt, die ältere Schwester des Australienforschers. Gottfried Hilgenfeld kaufte 1841 die Möllener Wassermühle. Hieronymus Leichhardt, Ludwig Leichhardts Vater, hat sich nach 25 Ehejahren von seiner ersten Frau scheiden lassen und ein Jahr später Dorothea Hilgenfeld, die Schwester seines Schwiegersohnes, geheiratet.

Die Großfamilie traf sich regelmäßig auf einem Familiensitz in Hermsdorf. Einen berührenden Einblick in das familiäre Netzwerk gestattet ein Brief, den Franziska Leichhardt, Nichte Ludwig Leichhardts, aus Amerika an ihren Cousin Wilhelm Hilgenfeld im Jahr 1853 schrieb. Aus diesem mit liebevollen Worten verfassten Familiendokument las Rainer Hilgenfelds Frau Heike den Gästen der Leichhardt-Konferenz vor.

Ein weiteres Thema der Leichhardt-Konferenz war der Weinbau in der Region. Monika Gnädig, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats von Zaue, referierte über die Bestrebungen der Gemeinde, den alten Weinberg unterhalb des Pfarrhauses zu reaktivieren.

Auch hier gibt es eine Verbindung zu dem späteren Australienforscher. Denn der junge Leichhardt erwarb bei dem damaligen Zauer  Pastor Anton Friedrich August Rödelius (1779-1858) sein frühes naturwissenschaftliches Handwerkszeug. Als junger Mann verglich Leichhardt im Jahr 1839 von Paris aus in einem Brief an seine Eltern in Trebatsch die heimischem Trauben mit denen Frankreichs: „Die Zauensschen Predigers Trauben setze ich dreist denen von Fontainebleau an die Seite.“ Zum Beweis, dass auch in Brandenburg qualitativ hochwertiger Wein wächst, schenkte die Niederlausitzer Weinexpertin Sabine Zachau rote und weiße Tropfen aus Bestensee und Luckau aus.

Großes Lob gab es vom Vorsitzenden der Leichhardt-Gesellschaft in Trebatsch, André Parade, für die Qualität der vorgestellten Schülerprojekte zu Leichhardt. Die ersten Plätze des Leichhardt-Preises 2017 gingen an die Aquarium AG der Oberschule Goyatz. Unter der Leitung des Hausmeisters Andreas Thrams haben Schüler ein Leichhardt-Beet angelegt und den Schulflur in den Farben Australiens neu gestaltet. Außerdem haben sie die Skyline Sidneys sowie den Umriss des australischen Kontinents an die Wand gemalt.

Einen weiteren ersten Platz errangen Schüler der Grundschule Tauche und der polnischen Partnerschule Szkola Podstawowa für die gemeinsame Gestaltung eines Mosaiks in der australischen Dotpointing-Technik.

Einen der beiden zweiten Plätze errang die Arbeitsgemeinschaft Fotografie an der Oberschule Goyatz für das Fotoprojekt „Aufbruch ins Unbekannte – eine Fotoserie aus dem Lieberoser Stockshof“. Der andere zweite Platz ging an die Klasse 5b der Grundschule an der Stadtmauer Beeskow, die einen Museumskoffer mit DVDs, Büchern und Spielen zu Leichhardt gepackt hatten.

Gastgeber Bernd Boschan, Vorsitzender des Ludwig-Leichhardt-Arbeitskreises, zeigte sich in seiner Festansprache erfreut, dass die jährliche Leichhardt-Tagung fest etabliert habe. „Wer hätte 2005 gedacht, dass wir das durchhalten?“ Leichhardt sei inzwischen eine angesehene Marke, die mit dazu beitrage, dass sich die touristischen Angebote der Region am Markt gut entwickeln. So sei allein der Campingplatz in Zaue, der Leichardts Namen trägt, inzwischen „dick in den schwarzen Zahlen“.