Von Katrin Kunipatz

Etwas befangen, aber doch erfreut nimmt Paul Lehmann die Glückwünsche von Jürgen Naujokat entgegen. Der Vertreter des Versorgungswerks der Handwerkskammer (HWK) Cottus überreicht dem Lehrling des Monats den Pokal. Martina Schaar von der HWK schließt sich den Wünschen an.

In diesem Sommer wird der 19-jährige Paul Lehmann seine Gesellenprüfung ablegen, und im Moment sind alle zuversichtlich, dass es gelingt. Vor zweieinhalb Jahren hat der junge Mann aus Klein Leine (Märkische Heide) die Ausbildung bei der Hoch- und Holzbaufirma Heinrich-Hörning in Lübben begonnen. Lehrmeister Matthias Ressler lobt seinen Schützling: „Bei ihm hatten wir von Anfang an ein gutes Gefühl. Was man ihm erklärt oder zeigt, setzt er super um.“ Erste Kontakte zu seinem späteren Ausbildungsbetrieb knüpfte Paul Lehmann während eines dreitägigen Schülerpraktikums. „Das hat mir gut gefallen“, sagt er. Es folgte ein längeres Praktikum, und schließlich war er auch zur Ferienarbeit bei dem Holzbaubetrieb.

Nach der zehnte Klasse entschied sich Paul Lehmann deshalb gegen das Abitur und begann die Zimmermannslehre. Immer noch begeistert ihn die Vielfalt des Berufs und der Umgang mit dem Werkstoff Holz. „Vieles, was ich lerne, kann ich auch zu Hause anwenden und beispielsweise eine Fensterbank aus Holz herstellen oder einen Bilderrahmen gestalten“, sagt er. Dass er grundsätzlich Geschick fürs Handwerken habe, merkte Paul schon auf dem heimischen Grundstück. „Wenn man auf dem Dorf wohnt, packt man eben auch mit an.“ Seine Eltern arbeiten ebenfalls in Berufen, bei denen körperlicher Einsatz nötig ist. Der Vater ist Fleischermeister und die Mutter arbeitet in der Altenpflege.

Nun hoffen Geschäftsführer und Mitarbeiter, dass Paul Lehmann mit dem Gesellenbrief in der Tasche dem Lübbener Handwerksbetrieb treu bleibt. Auf die Walz wolle er jedenfalls nicht gehen, so der Lehrling. „Dafür bin ich viel zu sehr in der Region verankert“, sagt er. Und sofort die Meisterschule anzuschließen, sei ebenfalls keine Option. „Ich will erst mal Erfahrung sammeln“, erklärt Paul Lehmann. „Denn nach der Lehre hat man noch nicht ausgelernt.“

Worte, die Geschäftsführer Jörg Dalke gern hören dürfte. Mehr als  40 Lehrlinge habe die Lübbener Hoch- und Holzbaufirma seit der Wende ausgebildet. Aber im Moment ist Paul der einzige Lehrling. „Die Nachfrage fürs Handwerk ist nicht so hoch“, sagt Dalke. Für das im September beginnende Ausbildungsjahr gebe es noch keinen Kandidaten. Der bisher einzige Bewerber brachte nicht die nötigen Noten mit. „Mathematik ist das A und O und das Verständnis für Zusammenhänge“, benennt der Geschäftsführer die Voraussetzungen für das Zimmererhandwerk.

Gegründet wurde der Lübbener Handwerksbetrieb 1912, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, in der DDR verstaatlicht und schließlich 1990 an den ursprünglichen Eigentümer zurückübertragen. Seit 1991 trägt er wieder den Namen Heinrich-Hörning. Jörg Dalke und seine Frau führen den Handwerksbetrieb seit 1993. Alle 16 Mitarbeiter sind gelernte Zimmerleute, die meisten seien auch in der Firma ausgebildet worden, sagt Dalke.

Die Auszeichnung „Lehrling des Monats“ gibt es bei der HWK seit neun Jahren. „Wir wählen dafür Lehrlinge aus, die sich bei den Zwischenprüfungen hervorheben oder von Ausbildern oder Lehrern empfohlen werden“, erklärt Martina Schaar. Sie sollen anderen Jugendlichen als gutes Beispiel dienen und auf die verschiedenen Berufe im Handwerk aufmerksam machen. Denn das Handwerk brauche dringend Nachwuchs, betont Jürgen Naujokat.