Heinz Pflanz hat es einfach drauf. Er erzählt mit Witz, Charme und Humor, schafft es problemlos, den Zuhörern ein Dauerlächeln ins Gesicht zu zaubern. Selbstverständlich ist das nicht. Der Lübbener ist Jahrgang 1920; acht Jahre fehlen ihm noch bis zum 100. Jubiläum. Am Sonntag feierte er eine Premiere - gemeinsam mit fast 20 Gästen.

Gisela Christl hatte zu einer neuen Veranstaltungsreihe in das "Ladencafe´ im alten Gärtnerhaus eingeladen. "Lübbener Lebenslinien" heißt diese. Sie ist ein Podium für Menschen mit Erfahrung, für Leute, die etwas erlebt und zu erzählen haben.

Heinz Pflanz hat viel erlebt. Der 92-Jährige hatte als Lehrer bis 1982 am Gymnasium in Lübben unterrichtet. 1947 war er als Neulehrer an diese Schule gekommen. Biologie war sein Spezialgebiet. Er erinnert sich noch genau an seine ersten Schüler, hat nicht nur ihre Namen, sondern auch Fakten jener Zeit parat.

Der ältere Herr erzählt von der Klassenfahrt in die Sächsische Schweiz - vorbei an den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Er erinnert sich selbst an kleinste Details, lässt die Zuhörer geistig eintauchen in die Nachkriegszeit. Wenn diese ihre Stirn leicht runzeln, sagt er: "Ihr Jungschen wisst das nicht mehr." Diesen Spruch quittieren sie mit einem Lächeln, denn das Gros von ihnen ist ebenfalls im Rentenalter.

Der 92-Jährige redet munter drauf los, fragt hin und wieder: "Quatsch ich zu viel?" Nach 30 Minuten sagt er plötzlich: "Pause." Gisela Christl schnappt sich ihr Akkordeon, beginnt zu spielen, die Gäste singen und summen mit: "Kein schöner Land....." Das alte Volkslied weckt die Erinnerung. Heinz Pflanz erzählt von seiner Wanderleidenschaft, von seiner Liebe zum Wassersport. Gepaddelt sei er gern und oft, auch mit Schülern. Bis zum Neuendorfer See und nach Burg sei er mit ihnen auf dem Wasser unterwegs gewesen. Nicht immer ging alles gut; einmal sei ein Einerboot auch gekentert. Grund genug, über Alternativen nachzudenken. Heinz Pflanz hatte den Spreewaldkahn-Canadier erfunden. Er ist quasi der Vordenker des Kahnstechens, das im vergangenen Jahr seine Premiere in der Kreisstadt feierte.

Der Lehrer liebte den Wassersport, hatte 1951 die Sektion Kanu in Lübben gegründet. Der Bereich zwischen dem Wehr und der Klavierbrücke wurde zur Kanu-Slalomstrecke. Heinz Pflanz erzählt so lebhaft, dass man das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein.

Irgendwie ist der Biologielehrer auch am heutigen Lübbener Logo, einer Libelle, beteiligt. Er erzählt, dass er früher über diese Insekten geforscht habe. Doris Strasen hat von seiner Leidenschaft für Fauna und Flora profitiert: "Ich habe seine Erfahrung oft mit Hortgruppen genutzt; wir waren mit ihm etwa im Hain unterwegs."

Heinz Pflanz kann sich auch daran erinnern, hat fast immer noch eine Anekdote parat. Fast 90 Minuten lässt er die Gäste an seinem Leben teilhaben.

Die Fortsetzung der "Lübbener Lebenslinien" gibt es am 27. Januar des nächsten Jahres. Dann sei ein erfahrener Kommunalpolitiker zu Gast. Deren Namen hält Gisela Christl ebenso noch geheim wie des Gastes im Februar - einem Arzt.