Demnach leben im Gelände derzeit 1163 Tiere.
Diese Enten. Sie können einen Tierpfleger, der mit Notizblock und Stift am Wasserrand steht, durchaus zur Verzweiflung treiben. Ohne Rücksicht auf seine Arbeit tauchen sie unter, stecken an anderer Stelle wieder ihre Köpfe aus dem Wasser und schwimmen aufgeregt hin und her. Irgendwann scheint das Ergebnis trotzdem festzustehen. „18, 10“ kritzelt der Tierpfleger in seinen Block. Das bedeutet: 18 männliche und 10 weibliche Rotschulter enten leben derzeit im Cottbuser Tierpark.
So schwierig sich die Inventur auch gestaltet - dieses Mal hatten es die Mitarbeiter leichter als in den Jahren zuvor. Der Grund: Seit 2004 liefern die Tierpfleger bei Direktor Jens Kämmerling Rapportzettel ab, auf denen sie Geburten, Todesfälle und weitere Änderungen vermerken. Die Daten dieser Rapportzettel landen wiederum in der Kartei des Computers, so dass die Mitarbeiter am Jahresende nur noch die dort gespeicherten Daten mit dem tatsächlichen Bestand vergleichen müssen. Bei aller Erleichterung benötigten sie immer noch mehr als zwei Wochen, um alle Tiere zu zählen.
Aber warum ist denn eine Inventur im Tierpark nötig„ Reicht es nicht aus zu wissen, dass die Tiere wohlbehalten in ihren Gehegen leben“ Jens Kämmerling widerspricht: „Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei. Vor allem bei den bedrohten Arten, wie der Malaien-Ente, muss man genau nachprüfen, wie viele Exemplare wir im Moment zur Verfügung haben. Zumal gerade in der Winterzeit öfter mal ein Habicht vorbeikommt und eine der Enten schlägt.“ Auf seinem Zettel steht für diese Ente die Notiz „3,4“ . Also leben im Tierpark drei männliche und vier weibliche Malaien-Enten.
Zählt die Inventur nun zu den Pflichtaufgaben - oder gibt es auch Tierpfleger, denen sie Freude bereitet? Beides, sagt Direktor Kämmerling. „Zum einen wollen unsere Mitarbeiter selbst gern über den Bestand Bescheid wissen. Zum anderen kann ein exakter Abgleich vor allem bei den Vögeln schwierig sein.“ Manchmal erinnern sich die Tierpark-Angestellten im Rahmen der Inventur an traurige Ereignisse: So fiel im Jahr 2004 ein sehr seltener männlicher Schwarzschnabelstorch dem Fuchs zum Opfer, und ein von Hand aufgezogenes Felsenmeerschweinchen starb wider Erwarten, als es fast schon über den Berg war.
Bereits jetzt steht fest, dass sich im Jahr 2005 einiges im Tierpark ändern wird: So will sich Jens Kämmerling zwar derzeit noch nicht zu einem genauen Eröffnungstermin des kombinierten neuen Hauses für Tapire und Antilopen äußern, doch er erklärt: „Wir rechnen fest damit, dass wir in diesem Jahr Tapire für unseren Tierpark bekommen.“ Diese Tiere werden vom Europäischen Zuchtprogramm geführt, bezahlen muss der Tierpark nur den Transport nach Cottbus. Ein Banteng-Rind wechselt ebenfalls in diesem Jahr nach Rotterdam, laut Kämmerling „eines der vom Aussterben bedrohten großen tropischen Rinder“ . Außerdem geplant: Arbeiten an der Gasversorgung, den Abwasserleitungen und die Reparatur des undichten Raubtierhausdaches.
Ungefähr 125 000 Gäste besuchten den Tierpark im Jahr 2004, nach den Worten des Chefs „ein leichter Rückgang“ . Mögliche Gründe: Die Zahl der Kinder in Cottbus sank deutlich, außerdem konnte das Haus „trotz starker Bemühungen“ im vergangenen Jahr kein Großprojekt einweihen.