„Eigentlich wollten wir keine großen Ausstellungen mehr machen“, sagt die Lübbener Künstlerin Ingrid Groschke. Doch die neue Rathausgalerie „Ein Name – zwei Ansichten“ mit ausgewählten Werken von Ingrid und Hans-Richard Groschke ist genau das: eine große Ausstellung auf drei Etagen – man könnte auch sagen eine Lebenswerk-Ausstellung. Ab 16. Juni bis Ende August ist sie im Rathaus zu sehen. Wegen der Corona-Beschränkungen wird die Vernissage nur im Familien- und Freundeskreis der Familie Groschke gefeiert.
In der Ausstellung und im dazu gestalteten Katalog „lassen sich gerade in der Gegenüberstellung ihrer Handschriften Gleiches und Gegensätzliches nachvollziehen“, schreibt Lübbens Museumsleiterin Corinna Junker zur Einleitung im Katalog. „Ingrid malt detaillierter und mit klarerem Pinselduktus, während Hans-Richard in seinen Aquarellen kaum Konturen kennt. Er scheint der Spontanere zu sein, sie die Bedachtere. Als Paar stehen sie sich allerdings in ihrem Tatendrang und in ihrer Schlagfertigkeit in nichts nach. Beide tragen das Herz am richtigen Fleck und sagen gern, was sie wirklich denken.“

Lübbener Ausstellung zeigt Landschaften, Stillleben, Comics und vieles mehr

All das kann anhand verschiedenster Werke nachvollzogen werden: Die Ausstellung zeigt Öl- und Aquarell-Gemälde mit Landschaften, Stillleben oder Trachten, und sie zeigt Sagen- und Fabelwesen auf Zeichnungen, Buchillustrationen und Comics sowie Fotos von größeren Arbeiten wie dem Lübbener Stadttor, das seit 20 Jahren zum Spreewaldfest aufgebaut wird, dem einstigen Kleid für die Lübbener Sagenfigur Liuba, verschiedene Dekorationen für Kahnkorsos und dem Schlossbezirkmodell von 1875 für eine Sonderausstellung im Museum im Jahr 2007. Das Modell des Lübbener Marktplatzes vor der Zerstörung 1945 von Hans-Richard Groschke, das seit Jahren seinen Platz im Obergeschoss des Rathauses gefunden hat, kommt im Rahmen der Ausstellung zu neuen Ehren.

Ehepaar Groschke unterstützt aktiv Förderverein Lübbener Museum

Ingrid Groschke wurde 1945 in Finsterwalde geboren, und bereits als Schülerin war sie sich sicher, dass sie einmal Bücher illustrieren würde. „Mit meinen Bildern erzähle ich gern kleine Geschichten oder zeige auch den Leuten wie schön unscheinbare Dinge sein können, über die viele normaler Weise einfach hinweg sehen“, schreibt sie im Katalog. 1966 bestand sie gemeinsam mit ihrem Mann die Meisterprüfung im Malerhandwerk. Nach dem Besuch der Abendschule an der Hochschule für Bildende Künste Dresden wurde sie 1974 Leiterin des Mal- und Zeichenzirkels Lübben. Seit 1991 ist sie freischaffend tätig und bildete sich unter anderem in den Bereichen Belletristik, Karikatur und Comic sowie Kinder- und Jugendliteratur weiter. Seit 2006 ist sie Mitglied im Sorbischen Künstlerbund.
Hans-Richard Groschke ist gebürtiger Lübbener, er wurde 1942 geboren. Nach der Malerlehre im väterlichen Betrieb kam die Meisterprüfung und anschließend die Übernahme des Malerbetriebes. Aus gesundheitlichen Gründen folgten Berufswechsel, die ihn schließlich von 2000 bis 2002 als Mitarbeiter ans Stadt- und Regionalmuseum Lübben führten, wo er Modelle und Ausstellungsinszenierungen aufbaute.
Bis heute ist das Paar im Förderverein des Lübbener Museums aktiv und „hat das Museumsteam bei zahlreichen Sonderausstellungen unterstützt“, lobt die Museumsleiterin im Vorwort. „Mit Rat und Tat steht uns vor allem Hans-Richard Groschke auch heute noch in regionalgeschichtlichen Fragen aussagekräftig zur Seite.“