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Lebensfroh, gelassen und heiter 105. Geburstag erlebt

Eine große Gratulantenschar hatte sich eingefunden, um der Jubilarin Gertrud Hagen (sitzend in der Mitte) zu gratulieren.
Eine große Gratulantenschar hatte sich eingefunden, um der Jubilarin Gertrud Hagen (sitzend in der Mitte) zu gratulieren. FOTO: Keilbach/bkh1
Wahlsdorf. "Geh aus, mein Herz und suche Freud …" stimmen die Geburtstagsgäste mit der Jubilarin an der langen Tafel im Garten-Pavillon an. Perfekt passend zum wunderschönen Sommertag, an dem Gertrud Hagen ihren 105. bkh1

Geburtstag feiert. Sie kennt jede Zeile des Paul-Gerhardt-Liedes auswendig.

Die Seniorin singt noch immer gern. Täglich liest sie ihre Zeitung "mit Brille, Lupe und einem Glas Milch dazu. Und wenn sie etwas interessant findet, sagt sie uns: Das musst du lesen", erzählt Tochter Kunigunde Kreißler. Alle in der Familie freuen sich, dass ihr "Trudchen" noch so fit im Kopf ist. Vor fünf Jahren hat die hochbetagte Seniorin noch täglich im Garten gewerkelt. Seit einem Sturz sitzt sie im Rollstuhl. Gertrud Hagen kommentiert das mit Humor: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."

So ganz stimmt das nicht. Denn noch immer häkelt oder strickt sie jeden Tag. "Meine Hände müssen immer in Bewegung sein und so lange es geht, mache ich das weiter", erzählt sie. Bonbons liegen im Wollkörbchen, Tee trinkt sie den ganzen Tag lang, am liebsten Kamillentee.

Sie fühlt sich gut aufgehoben in ihrer Familie. Zwei Töchter hat sie geboren, vier Enkel und sieben Urenkel sind inzwischen erwachsen. Tochter Sybilla und Schwiegersohn Manfred wohnen mit ihr gemeinsam in dem Haus, in den sie 1912 geboren wurde. "Mutter hat schon ihr ganzes Leben ein Urvertrauen, dass ihr die innere Ruhe gibt. Sie hadert mit nichts und grämt sich nicht", beschreibt Tochter Sybilla Kranz, wie sie ihre Mutter erlebt.

Leicht hatte es Gertrud Hagen nicht. Ihre ältere Schwester starb mit 24 Jahren. So musste sie den Hof der Eltern übernehmen. Ihren Erwin heiratete sie 1937, zwei Jahre später kam Kunigunde auf die Welt. Dann jedoch kam der Krieg und Erwin erst 1947 wieder aus russischer Gefangenschaft zurück. Im Jahr darauf wurde Sybilla geboren. Später unternahmen sie Urlaubsreisen, in die Sächsische Schweiz beispielsweise.

Jetzt fühle sie sich wie ein alter Baum, sagt die Jubilarin: "Erst wächst er und grünt, dann wird er allmählich schwächer. Ich gebe mir Mühe, dass alles noch ein paar Jahre so bleibt, wie es ist."