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Amt Lieberose/Spreewald
Lebendige Dörfer stehen im Mittelpunkt

Auch wenn es total verregnet war - die Byhleguhrer-Byhlener zeigten mit sehr viel Charme, was ihr Ort alles zu bieten hat und wurden beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ zweiter. Nun will sich die Gemeinde bei weiteren Wettbewerben präsentieren. Hier zeigt Bürgermeisterin Jutta Vogel das Vorhaben einer jungen Familie im Ort, die einen alten Backofen restauriert hatte und mit frisch Duftendem zu Dorffesten und zum Wettbewerb beiträgt.
Auch wenn es total verregnet war - die Byhleguhrer-Byhlener zeigten mit sehr viel Charme, was ihr Ort alles zu bieten hat und wurden beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ zweiter. Nun will sich die Gemeinde bei weiteren Wettbewerben präsentieren. Hier zeigt Bürgermeisterin Jutta Vogel das Vorhaben einer jungen Familie im Ort, die einen alten Backofen restauriert hatte und mit frisch Duftendem zu Dorffesten und zum Wettbewerb beiträgt. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Straupitz/Lieberose. Amt Lieberose/Oberspreewald setzt ländlichen Wegebau um und saniert die Turnhalle in Straupitz. Wichtiges Ziel ist die Fertigstellung der Bauleitplanung am Schwielochsee. Die Haushaltslage macht Sorgen.

Wichtige Weichen sind im Amt Lieberose/Oberspreewald im vergangenen Jahr gestellt worden, doch es gab auch einige deutlich hervortretende Schwierigkeiten, die Gemeindevertreter, Amtsausschussmitglieder und Verwaltung umtreiben. Eine der größten Sorgen gilt den klammen Kassen, deren Auswirkungen immer mehr zu spüren sind. Sechs von acht Gemeinden im Amt befinden sich Amtsdirektor Bernd Boschan zufolge in einer Notlage und bekommen keine Bestätigung mehr für ihre Haushaltssicherungskonzepte, weil sie auch langfristig nicht mehr nachweisen können, dass sie ihre Finanzplanung perspektivisch wieder ausgleichen zu können. Und das, ohne große Sprünge zu machen. Boschan zufolge ist der politische Handlungsspielraum auf finanzieller Basis fast auf Null eingeschrumpft. „Ich frage mich letztlich, wie eine Demokratie leben soll, ohne dass die gewählten Vertreter etwas entscheiden können“, sagt er. Die Unzufriedenheit sei spürbar.

Die Ursache sieht der Amtsdirektor in der Struktur. „Die doppische Haushaltsführung zwingt die Flächengemeinden im strukturschwachen Raum in die Knie“, schätzt er ein. Grund ist, dass eine umfangreiche Infrastruktur, Straßen, Schulen, Kitas, Dorfgemeinschaftshäuser sehr geringen Einnahmen gegenüberstehen.

Boschans Appell geht einmal mehr ans Land Brandenburg und an den Landkreis Dahme-Spreewald, die ländlichen Gemeinden nicht zu vergessen. Landrat Stephan Loges (SPD) Vorschlag, einen neuen Kreisstrukturfonds einzurichten, begrüßt er – und hofft gleichzeitig, dass die Zuwendungen dann auch dem ländlich-strukturschwachen Raum zugute kommen und nicht aufgrund von politischen Erwägungen vergeben werden.

Wichtigstes Ziel ist es ihm, das Leben in den Dörfern wach zu halten. Die Bewerbung von Byhleguhre/Byhlen beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ habe gezeigt, dass auch abgelegene Orte ein „sehr gutes Angebot“ haben können, lebendig und aktiv sind. Die finanzschwache Gemeinde Straupitz habe es mit drei „Parkseminaren“ und vielen freiwilligen Helfern geschafft, den ganz besonderen Ort rund um das Schloss wieder zu beleben. Mit diesem und vielen weiteren Beispielen an Engagement sei viel möglich – doch genau darum fürchtet Bernd Boschan, wenn die Finanzknappheit die Handlungsspielräume immer weiter begrenzt und die Unzufriedenheit steigt.

Dennoch ist 2017 einiges gestemmt worden. Die Kita Neu Zauche wurde rekonstruiert, der Schulsportplatz in Goyatz in Angriff genommen. An der Grundschule in Lieberose wurde der Brandschutz verbessert. Den Feuerwehren wurden ein neues und zwei gebrauchte Fahrzeuge übergeben. „Nach wie vor spielt – im Rahmen unserer Möglichkeiten – die technische Ausstattung der Wehren eine große Rolle“, unterstreicht er. Mehr als 20 Feuerwehren gibt es im Amt Lieberose/Oberspreewald. Die Stürme und zwei Hausbrände in Goschen und Butzen hätten eine hohe Kraftanstrengung erfordert, die gelungen sei - dank engagierter und tüchtiger Wehren.

Im Stillen ist 2017 die Abwasserentsorgung in neue Hände gekommen. Nach erfolgreicher 20-jähriger Zusammenarbeit mit der WTE, so Boschan, hat nun die Lausitzer Wassergesellschaft LWG die Aufgabe übernommen, die bereits fürs Trinkwasser zuständig ist. So liegt nun beides in einer Hand. Boschan geht weiterhin von „sozialverträglichen Gebühren“ aus.

Zu den beiden Haupt-Investitionsvorhaben für dieses Jahr gehören zwei Projekte aus dem ländlichen Wegebau, die über Leader-Mittel gefördert werden. Saniert wird die Strecke zwischen Alt Zauche und Bukoitza, die Teil des Gurkenradwegs und auch des Spreewaldmarathons ist. Lieberose/Obersprewald baut bis zur Gemarkungsgrenze. Von dort übernimmt Lübben die weitere Sanierung des Weges bis zur Stadt. Auch der Abschnitt des Gurkenradwegs nach Wußwerk soll 2018 noch erneuert werden.

In Straupitz wird die Turnhalle komplett überarbeitet unter Erhaltung der guten Substanz (die LR berichtete). 1,5 Millionen Euro fließen hinein, davon 1,1 Millionen Euro aus Leader-Mitteln. Zum Schuljahresbeginn nach den Sommerferien soll sie fertig sein – damit auch die Grundschule attraktiv bleibt.

In Briesensee entsteht ein Dorfgemeinschaftshaus. Die Tiefbauarbeiten haben begonnen, die Fertigstellung ist ebenfalls für 2018 geplant. Die Kosten in Höhe von rund 450 000 Euro stemmt die Gemeinde.

Am Schwielochsee steht weiterhin der Ausbau des Dorfstrands zum Veranstaltungsort auf dem Plan, der schon seit knapp zwei Jahren verfolgt wird. Ebenfalls soll die Bauleitplanung „Kleiner Schwielochsee“ abgeschlossen werden als nächster Schritt zur Befriedung der unklaren Bungalow-Situation.

In Lieberose steht weiterhin der schrittweise Ausbau des ehemaligen Landambulatoriums auf dem Plan. Der Gedenkort Jamlitz soll eine würdige Gestaltung bekommen, für die es Fördermittel vom Landkreis gibt.

Der Gurkenradweg beziehungsweise die Verbindung nach Bukoitza werden 2018 saniert. Dafür hat das Amt Lieberose/Oberspreewald Fördermittel bekommen.
Der Gurkenradweg beziehungsweise die Verbindung nach Bukoitza werden 2018 saniert. Dafür hat das Amt Lieberose/Oberspreewald Fördermittel bekommen. FOTO: Ingvil Schirling / LR