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| 15:45 Uhr

Lieberose
Lebendes Geschichtsbuch der Stadt

Prosit: Annemarie Gottschald ist  90 Jahre alt geworden.
Prosit: Annemarie Gottschald ist 90 Jahre alt geworden. FOTO: Jörg Kühl
Lieberose. Annemarie Gottschald aus Lieberose ist mit 90 Jahren immer noch so erzählfreudig wie eh und je.

Annemarie Gottschald ist 90 Jahre alt. Die Lieberoserin ist mit der Geschichte der Schulenburgstadt vertraut, wie nur wenige. Sie gibt ihr Wissen immer noch im Rahmen von Führungen durch Schloss und Altstadt weiter.

Annemarie Gottschald war auch an ihrem runden Geburtstag gefragte Gesprächspartnerin. Viele Gäste, die sich in der Bäckerei am Markt eingefunden hatten, fragten Details aus der jüngeren Geschichte der Stadt, die nur wenige so lebendig erzählen können, wie Annemarie Gottschald.

Geboren wurde sie am 12. Januar 1928 in Lieberose als Annemarie Jurk. Sie verbringt ihre Schulzeit in Lieberose. Anschließend geht sie als Lehramtsbewerberin nach Lübben. 1954 verschlägt es die Lieberoserin ins sächsische Vogtland. Sie wird dort bis 1988 als in verschiedenen Einrichtungen als Lehrerin und Schulleiterin arbeiten. Erst im Juni 1994 kehrt Annemarie, die 1958 den Nachnamen ihres Mannes Werner Gottschald annahm, nach Lieberose zurück. Sie engagiert sich in dem Förderverein, der unter anderem von Rotraut von der Schulenburg gegründet worden war. Der Förderverein kümmert sich unter anderem um die Aufarbeitung der Stadthistorie, die bis 1945 eng mit dem Herrschergeschlecht derer zu Schulenburg verknüpft war. Acht Jahre lang war sie Vorsitzende des Fördervereins, heute ist sie Ehrenvorsitzende.

Annemarie Gottschalds Familiengeschichte ist mit den Schulenburgs eng verknüpft. Angefangen hatte alles im Jahr 1900, als ihr Großvater Wilhelm Konzack, der aus Trebitz stammte, von Dietrich von der Schulenburg nach Lieberose geholt wurde, um als Gärtner die Schlossanlagen in Schuss zu halten. Auch ihre Großmutter wurde von den Schulenburgs engagiert: „Sie arbeitete als Mädchen für alles in der Schlossküche“, weiß Annemarie Gottschald zu berichten.

Obwohl Rotraut von der Schulenburg nur zwei Jahre älter war, als die junge Annemarie, hatten sie zu Kinder- und Jugendzeiten recht wenig miteinander zu tun. Die änderte sich erst ab 1994, als Annemarie Gottschald nach langer Zeit nach Lieberose zurückkehrt. Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen beiden Damen.

Angesichts des Lebenslaufs und der Familiengeschichte Annemarie Gottschalds wundert es kaum, dass sie so viele Anekdoten aus dem Schloss und der Stadt kennt. Ebenso wichtig ist aber, die Geschichten lebendig erzählen und so der Nachwelt weiterreichen  zu können. Und genau in diesem Punk ist die nunmehr 90-Jährige ein Glücksfall für die Stadt. Im Rahmen von Führungen bringt sie Besuchern das Schulenburgschloss näher. Auf Veranstaltungen mit zeitgeschichtlichem Hintergrund ist Annemarie Gottschald unerschöpfliche Anekdotenquelle und gefragte Zeitzeugin. „Sie ist das Gedächtnis von Lieberose“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Heinz-Gerd Hesse. „Auf Annemarie kann man nicht verzichten!“