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Leben ins Dorf mit DORV-Zentrum

Groß Leuthen. Die Nahversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs in der Gemeinde Märkische Heide soll neu organisiert werden. Groß Leuthen wäre erste Option. Andreas Staindl / asd1

Die Kommune reagiert darauf, dass alte Strukturen weggebrochen sind, es keinen Lebensmittelmarkt mehr im Gemeindegebiet gibt. Sie hat eine Standortanalyse in Auftrag gegeben. Verena Günther und Dorothea Stroh vom Regionalbüro Berlin-Brandenburg der DORV-Zentrum GmbH in Jülich (Nordrhein-Westfalen) haben das Ergebnis während der Gemeindevertretersitzung kürzlich in Groß Leuthen vorgestellt. Ihnen zufolge sind Standorte in Groß Leuthen und Gröditsch geeignet. Der Ortsteil Groß Leuthen wäre aber ihre erste Option, um ein DORV-Zentrum zu errichten.

DORV steht für "Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung". Lebensmittel, Dienstleistungen, Kultur und sozialmedizinische Versorgung beispielsweise werden dort unter einem Dach angeboten. Etwa 30 solcher Zentren gibt es schon in Deutschland, wie Dorothea Stroh sagt. "Sie sind mehr als ein Dorfladen." Was konkret in DORV-Zentren angeboten wird, ist Sache der Einwohner vor Ort. Der Bedarf in der Märkischen Heide soll während einer Umfrage demnächst ermittelt werden. "Das Sortiment wird nach den Bürgern ausgerichtet", erklärt die Bürgermeisterin Annett Lehmann. "Wir wollen ihr Interesse wecken, das Projekt anschieben."

Auch sie hält Groß Leuthen für den besten Standort für ein DORV-Zentrum. Etwa 590 000 Euro Umsatz sind dort jährlich zu erwarten, und damit deutlich mehr als in Gröditsch, sagt Dorothea Stroh. Verena Günther zufolge könnten zwei Vollzeitkräfte sowie drei bis vier Teilzeitbeschäftigte in der Einrichtung tätig sein. "Ohne ehrenamtliches Engagement ist das Vorhaben jedoch nicht zu realisieren. Und die Bürger vor Ort müssen ein solches Zentrum auch wollen, sonst funktioniert es nicht."

Für Groß Leuthen haben sich zwei Standorte herauskristallisiert: Das Areal mit dem evangelischen Gemeindehaus in der Schlossstraße sowie das Gelände der BHG Handelszentren GmbH am Bahnhof. Von beiden Eigentümern gibt es positive Signale , sagt die Bürgermeisterin. "Pfarrer Arndt Kindermann kann sich ein DORV-Zentrum auf dem kirchlichen Gelände durchaus vorstellen, würde Flächen dafür abgeben, wenn wir uns für diesen Standort entscheiden. Auch die BHG ist interessiert, das Unternehmen hofft auf Synergieeffekte. Auf dem Gelände würde neu gebaut werden."

Annett Lehmann favorisiert den Standort am Bahnhof: "Er liegt direkt an der Bundesstraße und wird stark frequentiert. Ein DORV-Zentrum würde den gesamten Bereich beleben. Zudem wohnen dort zahlreiche ältere Bürger, und der Campingplatz ist auch in der Nähe." Entschieden ist noch nichts. Ende dieses Sommers sind Einwohnerversammlungen zum Thema geplant, kündigt Dorothea Stroh an. "Die Bürger sollen entscheiden, ob sie ein DORV-Zentrum wollen. Wenn ja, machen wir eine Bedarfsanalyse in Form einer Umfrage. Mit dem Ergebnis gehen wir wieder in Bürgerversammlungen." Die Umsetzung des Projekts könne "Jahre dauern". Der Zeitplan hänge von den Bürgern, aber auch vom Erhalt von Fördermitteln ab, so Stroh.

Reinhard Schulz aus Bückchen ist "begeistert, dass die Gemeinde endlich beginnt, Entwicklungsplanung zu machen". Günther Thiele aus Pretschen schlägt vor, Vertreter aus Orten einzuladen, die schon ein DORV-Zentrum haben, etwa aus Seddin (Potsdam-Mittelmark): "Sie würden uns mit ihrer Erfahrung bei unserer Entscheidung helfen."

Die Verwaltung der Gemeinde Märkische Heide wird den Vorschlag aufgreifen, erklärt Bürgermeisterin Lehmann.