Eine Rettungsärztin, die körperlich weggedrückt wird, als sie versucht, in einer Unterkunft für Geflüchtete ein Kleinkind zu reanimieren - weil sie eine Frau ist. Ausgebaute Brandmelder in Zimmern und Fluren. Polizei, die beim Einsatz vor Ort unvermittelt eng umringt wird - "wo wir doch eher mit dem Prinzip Eigensicherung durch Distanz arbeiten". Diese Beispiele nennt Christian Hylla aus der Alltagsarbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. "Wir machen identische Erfahrungen bei den Einsätzen", berichtet der Leiter der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald und ordnet ein: "Erfahrungen, die auf kulturellen Unterschieden basieren." Dazu komme eine zunehmende Zahl von Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen, "die unter Beachtung der Umstände, die dort herrschen, wahrscheinlich normal sind". Das heißt konkret: Viele Menschen auf engem Raum mit wenig Privatsphäre.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst stellt das vor Probleme. Zwei bis drei Einsätze werden derzeit pro Woche gezählt, vor allem am Wochenende.

Am gestrigen Dienstag wurde deshalb ein Präventionskonzept "Sichere Flüchtlingsheime" unterzeichnet. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärte Andreas Pauli. Gemeinsam mit seiner Kollegin Ulrike Geburzi ist der Sachbearbeiter Prävention bei der Polizei in den Unterkünften unterwegs. Dass das Team aus einem Mann und einer Frau besteht, ist Absicht: Von Beginn an soll Gleichberechtigung sichtbar und erlebbar sein. Nach anfänglicher Reserviertheit, sogar Angst vor den Ordnungshütern in Uniform habe sich die Atmosphäre hin zu freundlichem Winken und teilweise überfüllten Informationsveranstaltungen verändert. "Es herrscht Totenstille, keiner spielt mit dem Handy, die Teilnehmer bedanken sich hinterher", erzählt Andreas Pauli. Dolmetscher sind dabei, Flüchtlinge bieten sich auch selbst als Sprachvermittler an. "Die Teilnehmer kommen alle freiwillig. Ich denke, wir können eine Menge Werte vermitteln, Gesetze, aber auch, wie Deutsche denken", sagt er. Themenkreise seien "Leben in Deutschland", "Religion", "Frauen in Deutschland", "Nähe, Liebe und Sex" aber auch Fremdenfeindlichkeit oder die Vorfälle von Köln. Die Teilnehmer seien in der Mehrzahl "intelligente Menschen, denen man aber einiges erklären muss". Ganz Banales, etwa, dass man in Deutschland nicht zu zweit auf einem Fahrrad fahren darf. Ganz Wichtiges, etwa dass Rettungssanitäter im Einsatz möglicherweise einer Frau die Bluse öffnen, das Kopftuch abnehmen müssen, um sie untersuchen zu können.

Amtsgerichtsdirektor Matthias Deller ergänzte das Ziel der Justiz in Bezug auf das gemeinsame Konzept: "Wir wollen ein grundlegendes Verständnis für unsere Werte und Rechtsordnung vermitteln. Es geht auch darum, den Respekt für die rechtsstaatliche Ordnung einzufordern im Gegenzug zu dem, was wir hier bieten, nämlich Sicherheit und eine materielle Grundausstattung."

Ergänzt werden sollen die Gespräche durch ein Begrüßungsvideo, indem neben der Hausordnung grundsätzliche Verhaltensweisen verdeutlicht werden. Eine Willkommensbroschüre gibt es bereits. Dazu hat die Feuerwehr eine Brandschutzfibel auf Arabisch aufgelegt, die erklärt, warum man Rauchmelder nicht abmontiert, sowie ein Einsatz-Wörterbuch in Englisch, Griechisch, Italienisch, Marokkanisch, Arabisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch. Landrat Stephan Loge konkretisierte die Zahl der 2016 in Dahme-Spreewald aufgenommenen Geflüchteten bis zum 19. Februar auf 409 Männer, Frauen und Kinder. Davon kamen 197 aus Syrien, 114 aus Afghanistan, 46 aus Russland, 28 aus dem Iran und 24 aus weiteren Ländern.