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| 01:35 Uhr

Landwirte in Dahme-Spreewald rüsten sich gegen Wölfe

Luckau/Lübben. Schäfer Johann Nesges ist sauer. „Die Politik muss endlich handeln“, sagt der Tierhalter aus Liedekahle (bei Dahme). 14 Schafe habe sein Landwirtschaftsbetrieb in diesem Jahr aufgrund von Wolfsüberfällen verloren. „Ich kann kaum noch schlafen.“ Landwirt Jürgen Piesker aus Lübben fürchtet um seine Rinder und sieht sich gezwungen, zusätzliche Zäune zu bauen. Von Lars Hartfelder

Zur Schäferei von Johann Nesges gehören rund 3000 Tiere. Im November seien seine Herden erstmals direkt mit dem Wolf konfrontiert worden. Auf einer Weide bei Finsterwalde wurden während einer Nacht drei Schafe durch einen Kehlbiss getötet. Elf weitere angegriffene Tiere erlagen später ihren Verletzungen. Nesges habe sofort gehandelt und sämtliche gefährdete Weiden mit Flatterband eingegrenzt, um eine kurzfristige Abwehr zu gewährleisten. Danach sei begonnen worden, die Flächen einzuzäunen. „Außerdem haben wir Nachtwachen aufgestellt“, sagt Nesges. Die zusätzlichen Kosten für Personal, Material und die neuen Herdenhunde seien enorm. „Hilft uns die Politik hier nicht, ist die Schäferei nicht mehr rentabel.“ Auf seinen Weiden im Altkreis Luckau habe es zwar noch keine Probleme mit Wölfen gegeben, dennoch seien von verschiedenen Jagdpächtern schon durchstreifende Wölfe gesehen worden. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier Rudel heimisch werden.“

Lange Zeit waren in Brandenburg nur Angriffe auf Schafherden bekannt. In diesem Jahr wurden in der Lausitz auch erstmals Rinderherden angegriffen. Das ruft auch den Lübbener Jürgen Piesker auf den Plan. „Wir haben neue Zäune gebaut, um unsere Herden zu schützen“, sagt der Landwirt. Finanzielle Unterstützung habe sein Betrieb dafür von der Landesregierung bisher nicht erhalten.

„Die Risse bei Rindern weisen auf eine neue Qualität hin“, sagt Matthias Schannwell vom Landesbauernverband Brandenburg. Die Lausitzer Tierhalter fordern deshalb von der Landesregierung einen unbürokratischen und schnellen Ausgleich für durch Wölfe entstandene Schäden sowie für finanzielle Mehraufwendungen wie für Zaunbau oder Herdenhunde. Allein ein Herdenhund koste den Schäfer rund 800 Euro für Futter, Tierarzt und Ausbildung im Jahr.

In einem am Dienstag in Gahry (bei Forst) veröffentlichten gemeinsamen Positionspapier sprechen sich Bauern- und Zuchtverbände für eine Lockerung des Schutzstatus' der eingewanderten Tiere aus. „Der Wolf genießt bei uns keine Akzeptanz“, sagt Schannwell. „Eine Umsiedlung problematischer Tiere, die sich beispielsweise auf Schafherden spezialisiert haben“, hält er für den richtigen Weg. Abschüsse seien nicht zwingend erforderlich, aber ebenfalls eine Alternative. Zudem müsse die Politik einen gültigen Rechtsanspruch der Tierhalter in Wolfsgebieten auf einen vollständigen finanziellen Ausgleich schaffen. Werde die Landesregierung hier nicht schnell tätig, könnte dies das Aus für brandenburgische Landwirtschaftsunternehmen bedeuten. Schon jetzt hätten die Lausitzer Tierhalter wegen des Wolfs große Nachteile bei der Wettbewerbsfähigkeit. Der unter strengem Naturschutz stehende Wolf darf in Deutschland derzeit nicht gejagt werden.

Das Positionspapier unterstützen auch Johann Nesges und Jürgen Piesker. Es müsse dringend etwas passieren, sind sie sich einig. „Kein Endverbraucher ist bereit, für Rinder- oder Lammfleisch mehr zu zahlen, nur weil es aus einem Wolfsgebiet stammt“, sagt Nesges. Wenn sich der Wolf unreguliert ausbreite, werde sich die landwirtschaftliche Tierhaltung zwangsweise allmählich zurückziehen. Die Bauern- und Zuchtverbände fordern eine schnellere Abwicklung der Schadensfälle in den zuständigen Behörden. lrs1