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Landtausch: Lösung im Kernzonenstreit?

50 Zuschauer, fünf Experten und ein Thema, das für Gesprächsstoff sorgt: Über das "Leben in der Biosphäre" haben bei "LR vor Ort" am Donnerstag Vertreter aus Politik, Wirtschaft, und Naturschutz mit betroffenen Spreewäldern diskutiert. RUNDSCHAU-Reporterin Ingvil Schirling (r.) führte durch die Veranstaltung.
50 Zuschauer, fünf Experten und ein Thema, das für Gesprächsstoff sorgt: Über das "Leben in der Biosphäre" haben bei "LR vor Ort" am Donnerstag Vertreter aus Politik, Wirtschaft, und Naturschutz mit betroffenen Spreewäldern diskutiert. RUNDSCHAU-Reporterin Ingvil Schirling (r.) führte durch die Veranstaltung. FOTO: dfh
Lübben. Verschlammung, Entkrautung und die Frage nach der Kernzonenerweiterung: Bei der Diskussionsrunde "LR vor Ort" ist es am Donnerstagabend im Steinkirchener Neuhaus ordentlich zur Sache gegangen. Das Thema "Leben in der Biosphäre" sorgte für erhitzte Gemüter bei den gut 50 Zuschauern und fünf Podiumsgästen. Daniel Friedrich

Hat die Biosphäre im Spreewald ein Imageproblem?, will Moderatorin und RUNDSCHAU-Reporterin Ingvil Schirling zu Beginn von ihren Gesprächspartnern wissen. Nein, meint Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD), denn es sei gut, dass nicht jeder mitten im Spreewald herumschlendern kann. "Nur, wenn althergebrachte Bewirtschaftungsformen plötzlich abgeschafft werden, ist das für die Bauern nicht nachvollziehbar", so das Stadtoberhaupt. Melanie Kossatz, Geschäftsführerin des Spreewaldvereins, zitiert Studien, wonach rund zehn Prozent der Touristen überhaupt nur wegen des Biosphärenreservates in den Spreewald kämen. Zudem sei mit der Biosphäre eine erhebliche Wertschöpfung verknüpft: "In der Region entstehen Produkte mit dem Spreewald-Logo im Warenwert von bis zu 40 Millionen Euro", führt sie an.

Was im Spreewald ist überhaupt schützenswert? Die Unesco sieht die Einteilung eines Biosphärenreservates in drei Zonen vor. Die schützenswerteste, die Kernzone, soll vom Menschen möglichst unbeeinflusst sein. Ihre Fläche sollte mindestens drei Prozent der gesamten Biosphäre einnehmen. Um diesen entscheidenten Punkt gibt es heftigen Streit: Landwirte, Jäger und Einwohner sind der Meinung, dass diese unberührte Kernzone seit Jahren verwildert, für Touristen unansehnlich ist und in Hochwasserzeiten sogar gefährlich werden kann. "Die Gräben dort sind verkrautet und verschlammt", sagt Siegfried Gunkel, Vertreter der neu gegründeten Interessengemeinschaft. "Ich schäme mich, diese Landschaft bei einer Kahnfahrt meinen Gästen zu zeigen", ärgert sich Heinz-Günter Neumann.

Eugen Nowak, Leiter des Biosphärenreservates Spreewald, entgegnet, dass zahlreiche schützenswerte Tierarten die Kernzone bevölkern. "Sie brauchen einen Rückzugsort. Diese drei Prozent Fläche tragen zur Vielfalt der Gesamtlandschaft bei." Um eine für alle befriedigende Situation zu schaffen, schlägt er einen freiwilligen Flächentausch im Bereich der umstrittenen 30 Hektar am Kockrowsberg vor: Alle privaten Grundstücke sollten zusammengelegt und nach Norden (näher an Lübben) verschoben werden. Die restlichen Flächen, die kommunalen Trägern gehören, würden im Süden zusammengefasst. Möglicherweise könnten sie von der Bürgerstiftung Kulturland Spreewald fortlaufend gepflegt werden. Das hätte den Vorteil, dass es keine Insellagen einzelner privater Grundstücke in der Kernzone mehr gäbe. Allerdings müssten bei diesem Landtausch alle Flächenbesitzer mitspielen. Eine Enteignung würde es nicht geben, betont Reservatschef Nowak.

Was wird die Zukunft dem Biosphärenreservat bringen? Eugen Nowak wünscht sich eine geschützte Kulturlandschaft, die Natur und Menschen vereint. "Dazu brauchen wir das Biosphärenreservat, denn ohne hätten wir lange nicht so viel finanzielle Möglichkeiten." Rainer Schloddarick vom Wasser- und Bodenverband weist darauf hin, dass zuletzt die Mittel für die Grabenentkrautung vom Land Brandenburg gekürzt wurden. "Das Wasser in der Biosphäre muss fließen, doch das Geld reicht nicht für die nötigen Arbeiten aus." Mit ihrem Protest solle sich die Interessengemeinschaft aus Steinkirchen deshalb vor allem an das zuständige Ministerium in Potsdam richten.

Zum Thema:
Einige Fragen sind am Donnerstagabend offen geblieben. Die RUNDSCHAU wird sich ihnen in den kommenden Tagen widmen.Das nächste "LRvor Ort" findet am Donnerstag, 20. Juli, um 18.30 Uhr in Straupitz statt. Thema: Touristische Qualitätsstandards - Wie fit ist Straupitz für die Zukunft?