Von Andreas Staindl

Die Landtagswahl ist gelaufen, Erfolge werden gefeiert und Wunden geleckt. So viel stand zum Redaktionsschluss am Sonntagabend schon fest: Es gab ein Kopf an Kopf Rennen im Wahlkreis 28 zwischen Sascha Philipp (SPD) und Hans-Christoph Berndt (AfD). Das vorläufige Endergebnis sieht Berndt mit knapp 29 Prozent bei den Erststimmen leicht vor Philipp mit knapp 26 Prozent der gültigen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 60 Prozent.

Dass überhaupt gewählt werden konnte, Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen konnten, ist den Wahlhelfern zu verdanken. 114 waren es am Sonntag in Lübben, wie Lars Kolan (SPD) sagt. Der Bürgermeister hat alle Wahllokale in der Kreisstadt besucht. „Einfach, um den Wahlhelfern danke zu sagen. Das ist mir ein Bedürfnis. Wahlhelfer engagieren sich schließlich ehrenamtlich. Ohne sie läuft nichts. Deshalb habe ich es mir nicht nehmen lassen, überall persönlich vorbeizuschauen.“

Eine seiner letzten Stationen war die Liuba-Grundschule in Lübben-Nord. Gleich drei Wahllokale waren dort eingerichtet. Christina Hentschel hat als Wahlvorstand das Wahllokal 2 geleitet. Knapp 800 Namen standen dort in den Wählerlisten. Etwa ein Viertel war bis Mittag wählen. Vor allem die ältere Generation nutzte fleißig ihr Wahlrecht – zumindest bis dahin.

„Bis Mittag waren überwiegend Ü 50-Menschen wählen“, sagt Christina Hentschel. „Wir hatten aber auch schon eine Erstwählerin am Vormittag.“ Wie viele Bürger noch am Nachmittag im Wahllokal 2 gewählt haben, konnte sie gestern Mittag natürlich noch nicht sagen. „Ich rechne mit etwa 350 Leuten insgesamt.“ Erster Wähler gestern in ihrem Wahllokal war eine Frau: „Sie kam punkt 8 Uhr zur Wahl.“

Christina Hentschel war schon oft Wahlhelferin. Sie verfügt über einen großen Erfahrungsschatz. „Ich kenne viele Wähler persönlich, zumindest vom Sehen.“ Das trifft auch auf ihre beiden anderen Wahlhelferinnen zu. Gisela Andreas wollte den Personalausweis zahlreicher Wähler erst gar nicht sehen. „Ich kenne Sie“, sagte sie freundlich. Für die Rentnerin war es die zweite Wahl, während der sie sich engagierte: „Ich hatte gehört, dass es immer schwieriger wird, Wahlhelfer zu finden. Für mich ist es kein Problem, die Wahl abzusichern. Ich verpasse ja nichts zu Hause.“ Die Kommunalwahl und Europawahl im Mai dieses Jahrs war ihre erste Wahl als Helferin.

Eva-Maria Richter hat schon mehr Erfahrung mit diesem Ehrenamt: „Wenn man wie ich im öffentlichen Dienst arbeitet, gehört es einfach dazu, als Wahlhelfer zur Verfügung zu stehen. Es ist eine wichtige Aufgabe, die gemacht werden muss.“ Weil sich viele Wahlhelfer schon seit Jahren kennen, gemeinsam die Wahlen absichern, vergleicht Christina Hentschel das augenzwinkernd mit einem „Klassentreffen“. Die Helfer machen sich die Zeit im Wahllokal so angenehm, wie es eben geht und es den korrekten Ablauf nicht behindert. „Wir haben früh noch vor Öffnung des Wahllokals ausgiebig gefrühstückt“, erzählt Gisela Andreas und Christina Hentschel ergänzt: „Mit allem was dazu gehört. Und die Helfer, die am Nachmittag hier sitzen, bringen Kaffee und Kuchen mit.“

Ihr erster Einsatz und der ihrer beiden Mitstreiterinnen endete um 13 Uhr: „Zur Auszählung der Stimmen ab 18 Uhr sind wir wieder hier. Dann ist höchste Konzentration gefragt.“ Auch der Wahlzettel von Susann Friedrich lag in der Wahlurne. „Für mich ist es selbstverständlich, wählen zu gehen“, sagt sie. „Wählen ist doch nichts Schlimmes. Ich informiere mich vorher über die einzelnen Kandidaten und Parteien, damit ich weiß, wo ich mein Kreuz machen will.“ Dass andere Menschen ihr Wahlrecht nicht nutzen, kann sie nicht verstehen: „Wählen ist wichtig. Und die Stimmabgabe ist doch in wenigen Sekunden erledigt.“