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| 02:49 Uhr

Lagunenlandschaft mitgestaltet

Blumen von Gisela Christl für Joachim Freybe. Der 77-Jährige aus Hartmannsdorf war Gast der Veranstaltungsreihe "Lübbener Lebenslinien" im alten Gärtnerhaus in Lübben.
Blumen von Gisela Christl für Joachim Freybe. Der 77-Jährige aus Hartmannsdorf war Gast der Veranstaltungsreihe "Lübbener Lebenslinien" im alten Gärtnerhaus in Lübben. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Die Veranstaltungsreihe "Lübbener Lebenslinien" bleibt spannend und ist um ein Puzzle reicher. Joachim Freybe aus Hartmannsdorf (Stadt Lübben) war diesmal zu Gast. Er erzählte aus seinem Leben, erinnerte sich an verschiedene Stationen und Wegbegleiter. Andreas Staindl / asd1

Gisela Christl hatte mit Joachim Freybe erneut einen Gast eingeladen, der Lübben und den Spreewald bestens kennt, die Lagunenlandschaft mitgestaltet hat. Das machte offenbar neugierig, lockte zahlreiche Gäste in das Ladencafé im alten Gärtnerhaus. Sie waren gespannt auf die Plauderei zwischen Gisela Christl und ihrem Gast.

Joachim Freybe, Jahrgang 1937 und der Sohn eines Pfarrers, ist in Berlin geboren, in Lübben aufgewachsen und hier auch zur Schule gegangen. Einige Jahre seiner Kindheit hatte er zuvor in anderen Orten verbracht. Dem 77-Jährigen sind einschneidende Begebenheiten seiner ersten Lebensjahre noch sehr präsent. Er erinnert sich an Betreuerinnen in der Kita und an Lehrer, und daran, dass er noch die Prügelstrafe kennengelernt hatte. Näher eingehen wollte er am Sonntag nicht, sagte nur so viel: "Wir haben uns später ausgesprochen."

Joachim Freybe wirkt ohnehin nicht nachtragend, offenbart eher Nehmerqualitäten. Er hat die Dinge scheinbar so genommen, wie sie gekommen sind. Der 77-Jährige sagt, er erkenne es an, wenn sich jemand geändert hat: "Ich habe gelernt zu verstehen, warum sich Menschen so oder so verhalten." Repressalien aber habe er nie erfahren, als Pfarrerssohn eher eine gewisse Immunität gehabt.

Als Mitglied der Jungen Gemeinde hatte er häufig junge Christen im Westen besucht. Unter den jungen Gläubigen in Bad Herzfeld in Hessen war auch seine spätere Frau. Sie lernten sich kennen, schätzen und lieben. 1961 heiratete das Paar, wurde später Eltern von vier Kindern. Die familiäre Erinnerung berührt Joachim Freybe emotional. Gisela Christl erkennt die Situation, schnappt sich ihr Akkordeon, spielt und singt; die Gäste stimmen ein, singen mit. Sie hatte extra Lieder über das Wasser rausgesucht - das Medium, das den Gast sein Arbeitsleben lang begleitet hatte.

Der Hartmannsdorfer hatte 1952 die Schule beendet, anschließend Technischer Zeichner gelernt und sich danach im fünfjährigen Fernstudium zum Ingenieur für Wasserwirtschaft qualifiziert. Als Projektant für wasserwirtschaftliche Anlagen mit Sitz in der Amtsmühle in Lübben war er vier Jahrzehnte lang für Wasserbauten im Spreewald mitverantwortlich. Wie seine Kolleginnen und Kollegen war auch er ein Ausführender, einer, der das umzusetzen hatte, was die Gesellschaft wollte. Nicht immer war es das, was seiner Fachkenntnis nach die richtige Entscheidung gewesen wäre. "Meine Hinweise etwa zum Hochwasserschutz wurden nicht gehört. Es gab zu viele unterschiedlichen Interessen."

Joachim Freybe sagt, dass er sich noch heute viele Gedanken über den Wasserhaushalt im Spreewald macht. Er wünscht sich einen Masterplan, "der Lösungen auf lange Sicht bringt". Dafür müsse die Schutzwürdigkeit neu überdacht werden, die Stadt Lübben sagen, welche Schwerpunkte sie setzt, sich für Landschaft oder Siedlung entscheiden. Joachim Freybe trägt den Schatz von rund 40 Jahren Berufserfahrung in sich. Und er ist musikalisch, spielt seit 25 Jahren im Posaunenchor. Die Trompete ist sein Instrument; auch das Flötenspiel hat er gelernt. Der Senior singt zudem im Ökumenischen Kirchenchor in Lübben, hält sich mit Radfahren und Wandern sportlich fit.