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Kunstwerk bei Aquamediale muss höher gehängt werden

Verkehrssicherheit geht vor – das spinnennetzartige "Gefüge" hängt nun höher. Der Künstler wollte die direkte Berührung als Beginn der Auseinandersetzung mit der zunehmenden Plastikvermüllung in den Meeren.
Verkehrssicherheit geht vor – das spinnennetzartige "Gefüge" hängt nun höher. Der Künstler wollte die direkte Berührung als Beginn der Auseinandersetzung mit der zunehmenden Plastikvermüllung in den Meeren. FOTO: Kreisverwaltung
Lübben. Aquamediale-Kunstwerk muss wegen Verkehrssicherheit angehoben werden. Während das Glashaus repariert ist, wurde der Torbogen des Treppenturms abgebrochen. Ingvil Schirling

15 Arbeiten von 16 Künstlern präsentiert das Kunstfestival Aquamediale diesen Sommer unter dem Titel "Glaube Liebe Hoffnung" auf der Lübbener Schloss- und Liebesinsel. Vier Wochen nach der Eröffnung hat es nun den zweiten Fall von Beschädigung gegeben. Eines der kritischsten Kunstwerke muss zugunsten der Verkehrssicherheit höher in den Bäumen über dem Fließ aufgehängt werden. Diese Aufgabe hat am Donnerstagabend die Lübbener Feuerwehr übernommen.

Bereits kurz nach der Eröffnung war das Glashaus von Andrea Grote fast komplett zerstört worden. Die Tür herausgerissen, Glas kaputt geschlagen. Die Kleinmachnower Künstlerin macht mit ihrer Installation auf die zuweilen sinnlose Energieverschwendung durch Klimaanlagen aufmerksam, hatte dafür ein Glashaus, das sich unter Sonneneinstrahlung aufheizt, mit einem Kühlaggregat versehen und die transparenten Wände fein ziseliert. Inzwischen ist es weitgehend repariert. Die zerstörte Tür wurde durch Acryl ersetzt.

Die Installation des Künstlerpaars Wiebke Juschuäleja Wilms und Thomas Kirchner hatte vermutlich das Unwetter der vergangenen Woche auf dem Gewissen. Sie hatten einen begehbaren Raum aus leichten Wänden auf der Lübbener Schlossinsel aufgebaut, dessen Innenseite aus den farbintensiven Collagen der Hallenser Künstlerin bestand. Sie stellten mit ihrer Arbeit unter dem Titel "Spektralmembranen" die Frage, ob die Betrachter die Natur anders wahrnehmen, wenn sie zuvor durch einen künstlerischen Eindruck beeinflusst wurden. Die leichte Konstruktion wurde zerfetzt aufgefunden. Angenommen wird, dass sie dem Unwetter der vergangenen Woche nicht standhielt. Die großen Planen mit den Collagen hängen nun an einer nahen Brücke und sind von dort aus Teil der Aquamediale.

Strafanzeige musste in einem anderen Fall gestellt werden. Die obere Spitze mit dem Torbogen von Anna Arnskötters Kunstwerk "Treppenturm" wurde abgebrochen. Die Finder der Tonteile brachten sie zum Organisationsteam um Projektleiterin Anika Schäfer und Kurator Harald Larisch. Der "Treppenturm", so die Erklärung, "reflektiert gesellschaftliches und individuelles Verhalten im blinden Bemühen nach oben. Wege sind Umwege, Aufstiege sind Abstiege" - und jeder muss seine Richtung selbst finden. Ob und wie die Spitze des Kunstwerks wieder aufgesetzt werden kann, ist noch offen.

Heiße Diskussionen gab es von Beginn an um eine der kritischsten und aktuellsten Arbeiten der Open-Air-Ausstellung. Das "Gefüge" von Albrecht Fersch setzt sich mit der explosionsartig zunehmenden Plastikverschmutzung der Umwelt, vor allem der Ozeane auseinander. Das Thema ist auch in Fernsehbeiträgen zu verfolgen. Bekannt ist die Gefahr für die Tierwelt. Doch auch die Folgen der Plastikverschmutzung für die menschliche Gesundheit rücken in der Debatte immer mehr in den Mittelpunkt. Etwas ungewollte Ironie ist daher mit im Spiel, wenn das "Gefüge" - eine Art Spinnennetz aus weißen Plastikverbindungen - Ende dieser Woche höher in den Bäumen verankert wird. Künstler Albrecht Fersch hängte es mit Absicht tief, damit durchfahrende Kahntouristen und Paddler es berühren müssen - sich also mit dem Thema Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Plastikmüll direkt auseinandersetzen müssen. Dem geht nun der Schutz vor Unfällen vor: Einer behördlichen Entscheidung zur Verkehrssicherheit folgend, wird die Arbeit weiter oben befestigt. Zu den Kahnnächten, so Kurator Harald Larisch, wäre dies ohnehin erfolgt.

Zum Thema:
Die Aquamediale als Kunstfestival im Spreewald wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Nach der "Literatour" in Burg (die LR berichtete) steht als nächstes der Spreewälder Streetfood mit Kunstmarkt und Theaterkahnfahrten auf dem Programm. Am 15. und 16. Juli dürfen die Gäste rund um den Großen Hafen kleine Snacks, auch regionaler Art, genießen. An der Mühle präsentieren Künstler und Kreative ihre Arbeiten. Bereits am Freitag, 14. Juli, um 19 Uhr führt das Theater Poetenpack das Stück "Mozart und Casanova" auf. Beginn einer Kahnfahrt dorthin ist bereits um 17.30 Uhr.