Bei dem Gespräch wurden Grenzen ebenso deutlich wie die Möglichkeit eines Neuanfangs. Die hatte Lothar Schneider gleich zu Beginn als Ziel gesetzt. „Was mich bedrückt, ist die Atmosphäre im Kreis“ , sagte der Karikaturist Reiner Schwalme. Während er das Fernsehprogramm RTL weg- und die Sender arte oder 3-Sat einschalten könne, fehle ein vergleichbarer kultureller Anspruch im Landkreis. „Wir haben bei uns kaum jemanden, der ausdrückt, dass er die Kunst braucht“ , erklärte er. „Wir alle brauchen aber die Kunst. Ich denke, es kommt sehr darauf an, den Anspruch darauf zu füttern.“
Für Schneider gibt es „einen großen Unterschied zwischen dem Verständnis für die Kunst und dem Anliegen, einfach eine Lücke zu füllen und dann zu erklären: ,Wir haben alles getan für die Kunst‘.“ Als Beispiel dafür nannte er die Kleinplastiken von Kerstin Becker, die im Lübbener Verwaltungsgebäude am Beethovenweg zu sehen sind. Sie seien etwas Besonderes und hätten besser präsentiert werden müssen als in einer Vitrine in der Ecke. „Dafür hat keiner Gespür“ , warf er dem Kreis vor.

Hängende Stühle missfielen Arbeitsschutz
Wie sehr die Verwaltung indes in Sachzwängen stecke, machte Joachim Harder, Amtsleiter für Schulverwaltung und Kultur, deutlich. Die hängenden Stühle in der Ausstellung „Tropfenfall“ hätten den Arbeitsschutz auf den Plan gerufen und abgenommen werden müssen, sagte er.
In der Kritik der Künstler stand erneut die Zusammensetzung des Künstlerbeirats. Der Grafiker und Karikaturist Lothar Schneider bezeichnete einige von ihnen abermals als „Dilettanten“ . Er führte zudem an, dass gewählte Mitglieder des vorangegangenen Beirats der Bildenden Kunst im Landkreis vor der Neuwahl im Frühjahr „nie mehr eingeladen“ worden seien, „und plötzlich gibt es da einen neuen Beirat“ . Das wies Dezernent Carsten Saß deutlich zurück und erklärte, dass bei der Ausschreibung für den Beirat jeder Künstler die Möglichkeit gehabt hätte, „seinen Hut in den Ring zu werfen“ . Auch den Vorwurf, die Verwaltung hätte den Beirat „instrumentalisiert“ , den Schneider erhoben hatte, ließ Saß nicht gelten.
Auf das Gefühl, dass weder die Kunst noch die Künstler vom Landkreis gewollt wären, kam Edda B. Fischer aus Lübben zurück. „Ich habe den Eindruck, dass der Künstler, so wie er ist, gar nicht gefragt ist“ , sagte sie. „Es wird sich nicht erkundigt, was wir gerade machen“ , beklagte sie. „Es ist mir sehr wichtig, dass dieses Gefühl nicht entsteht“ , entgegnete Saß. Er betonte, dass der Landkreis Kunst und Kultur in der Gesamtheit zeigen müsse und wolle. „Wie schafft es der Landkreis, renommierte Künstler noch besser mit einzubeziehen„ Wie können wir das Gefühl erzeugen, dass Sie gewünscht sind““ , fragte er in die Runde.
Die Künstler konterten mit Beispielen aus anderen Städten und Kreisen und äußerten den Wunsch nach einer Räumlichkeit, „in die wir andere Künstler einladen können“ , sagte Wilfried Schmidt aus Teupitz. Er beklagte, dass es in einer Stadt wie Lübben keine echte Galerie gebe. „Wir stellen gerne Räumlichkeiten bereit, über die wir selbst verfügen“ , entgegnete Saß, „aber es ist klar: Der Kreis wird keine eigene Kunsthalle errichten können.“

Neue Form der Spektrale diskutiert
Wenigstens für vier Wochen alle zwei Jahre müsse es doch möglich sein, den großen Sitzungssaal im Ständehaus freizuräumen, forderte Lothar Schneider. „In diesem Raum könnte man eine attraktive Ausstellung machen“ , sagte er mit Blick auf die Spektrale, die als Bestandsaufnahme der Entwicklung der Bildenden Kunst im Landkreis 2002 ins Leben gerufen worden war und 2006 wieder stattfindet.
„Die Spektrale wird umbenannt und im Rahmen der ,Aquamediale‘ stattfinden“ , informierte Carsten Saß. Der Künstlerbeirat habe das mitgetragen. In der Gesprächsrunde traf das aber auf Unverständnis und Ablehnung.
„Das finde ich nicht gut“ , sagte Dieter Claußnitzer. Wenn der Name „Spektrale verschwindet, verschwindet auch der Anspruch“ . Wenn Aquamediale und Spektrale, so wie sie sind, zusammenfielen, „läuft das auf Konkurrenz hinaus“ , warnte Saß. „Ist denn das schlecht?“ , entgegnete Claußnitzer. Vielleicht könne man die Spektrale auf den Winter verlegen, regte Lothar Schneider an, der hinzufügte: „Die Spektrale war von Anfang an nicht gewollt.“ Er bat: „Erhalten Sie die Spektrale, machen Sie sie nicht kaputt zugunsten der Aquamediale.“ Es gehe nicht darum, die Spektrale abzuschaffen, versicherte Saß.
Vereinbarungen haben die beiden Seiten am Ende des Gesprächs nicht getroffen. Saß und Harder gingen mit einigen Notizen zurück in ihre Büros, die Künstler in ihre Ateliers mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Kunst im Kreis.