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| 17:03 Uhr

Leerstand sinnvoll genutzt
„Wir denken in Schwarz-Weiß“

Künstlerin Sylvia Matthes hat über die Sommermonate einen leerstehenden Laden in der Breiten Straße in Lübben nutzen können.
Künstlerin Sylvia Matthes hat über die Sommermonate einen leerstehenden Laden in der Breiten Straße in Lübben nutzen können. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Die Lübbener Künstlerin Sylvia Matthes hat in einem leerstehenden Lübbener Laden ausgestellt und ihren Kunstkalender für 2019 herausgebracht. Nun hat sie eine neue Idee. Von Ingvil Schirling

Umweltzerstörung und der Egoismus der Mächtigen – diese beiden Themen treiben die Lübbener Künstlerin Sylvia Matthes schon lange um. Kein Wunder, dass sie auch das Agieren des US-Präsidenten Donald Trump künstlerisch verarbeitet – ebenso wie das mancher Medien in diesem Zusammenhang. Herausgekommen sind Arbeiten, an denen die Lübbener in den vergangenen Wochen und Monaten oft vorbeigelaufen sein dürften.

Das ehemalige „New Yorker“, ein jetzt leerstehendes Geschäft in der Breiten Straße, lud geradezu dazu ein, die Arbeiten dort auszustellen. Die schwarz-weißen, grafischen Fliesen und die Größe des Raumes unterstreichen die „Schwarz-Weiß-Malerei“ noch, mit der Sylvia Matthes in abstrakten Formen und großen Linien die Entwicklungen kommentiert.

„Donald Trump – wie er mit Menschen umgeht, ärgert mich so“, sagt sie. „Er explodiert, beleidigt, haut in der Politik dazwischen, kommt nicht zur Ruhe – und spielt dabei geradezu mit den Gefühlen der Menschen. Und das ärgert mich besonders.“ Trumps Egozentrik sieht sie auch anderswo. „Wir könnten so weit sein in Wissenschaft und Technik, viel weiter als jetzt, wenn wir uns nicht dauernd mit unseren Egos beschäftigen würden.“

Die daraus entstandene dreiteilige Arbeit in einem leerstehenden Laden ausstellen zu dürfen, hat sie den Hausbesitzern Karl-Heinz und Manuela Westphal zu verdanken. Anlässlich der Shoppingnacht mit lebenden Schaufenstern drehte sie das Thema dann weiter. Denn Trumps Wutausbrüche generieren Nachrichten, die weltweit gedruckt werden – wie so vieles andere auch. Heraus kommt ein Strudel an Meldungen in Schwarz-Weiß, den Sylvia Matthes ganz plastisch in Form eines ausladenden Abendkleides einer Schaufensterpuppe umgelegt hat.

Zahllose schwarz-weiß-Seiten der Lausitzer Rundschau hat sie dafür kunstvoll gefaltet, in Spiralen gelegt und mit durchsichtigem Klebeband zusammengeheftet. Immerhin scheint in jeder Lage wiederholt ein blauer Stichwort-Balken oder ein anderes Element in RUNDSCHAU-Blau hervor. Und die Schaufensterpuppe an sich ist auffallend schön, steht auf einem Bein in ästhetisch-graziler Haltung – eine Anspielung „auf die Schönheit des menschlichen Daseins. Und was machen wir daraus?“, fragt die Lübbener Künstlerin. „Wir denken in Schwarz-Weiß. Ich möchte zeigen, dass es in der Mitte des Nachrichtenstrudels immer um Menschen geht.“

Demnächst geht die Zeit dieser Kunst in dem leerstehenden Laden zu Ende, weil er anderweitig benötigt wird. Sylvia Matthes aber hat die Zeit sehr geschätzt, in der sie ihn nutzen durfte. Sie könnte sich durchaus vorstellen, dass es auch eine Möglichkeit für mehrere Künstler sein könnte, ein leerstehendes Geschäft zeitweise zu mieten, sich Ausgaben, Raum und Betreuung zu teilen, um in der Stadt präsent zu sein –- über die Angebote wie die Signaturen-Ausstellung im Rathaus hinaus.

Ihre Erfahrungen mit dem Laden sind positiv, sie sei oft angesprochen worden und hätte viel Resonanz bekommen, erzählt sie. Immer wieder stehen Geschäfte in der Lübbener City zeitweise leer. Wer von Künstlerseite her Interesse hat, diese Idee gemeinsam mit anderen umzusetzen, kann sich gern bei Sylvia Mattes melden.