| 17:18 Uhr

Mein kleines Eden
"Unser Eden liegt vor der Haustür"

Das I-Tüpfelchen auf der Präsentation des neuen Kalenders von Sybille Grunert war diese Mitmachaktion. Die Gäste konnten sich im Wappensaal malerisch auf einer Leinwand verewigen. Aus den vielen kleinen Formen und Farben wird die Lübbener Künstlerin ein Bild machen, das für einen guten Zweck versteigert werden soll.
Das I-Tüpfelchen auf der Präsentation des neuen Kalenders von Sybille Grunert war diese Mitmachaktion. Die Gäste konnten sich im Wappensaal malerisch auf einer Leinwand verewigen. Aus den vielen kleinen Formen und Farben wird die Lübbener Künstlerin ein Bild machen, das für einen guten Zweck versteigert werden soll. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Eine Spreewald-Idylle, wie sie im Bilderbuch steht: Weiße Hühner zwischen spielenden Kindern auf einem alten Gehöft. Über allem wacht ein braunes Pferd. Ingvil Schirling

Solch ein Bild kann hierzulande wohl nur aus dem Pinsel von Sybille Grunert stammen, der bekannten Lübbener Malerin. Diese Woche hat sie im Wappensaal zahlreichen Gästen ihren Kalender 2017 "Mein kleines Eden" vorgestellt - mit weitaus tieferen Einblicken, als die Idylle ahnen ließ.

Eine weiße Leinwand war das I-Tüpfelchen auf der Präsentation. Jeder Gast durfte sich mit einer Form, einem Farbtupfer oder einer Linie darauf verewigen. Das Ergebnis dürfte Sybille Grunert vor eine kleine Herausforderung stellen: Sie, die, wie sie sagt, "immer auf der Suche nach der perfekten Form und Komposition ist", wird daraus ein Bild machen. Eine harmonische Zusammenführung von Sonne und Herz, Gurke, Kranich und vielem mehr. Am Ende soll das Werk für einen guten Zweck versteigert werden.

Die Gäste machten regen Gebrauch von dem Angebot. Fast jeder nahm den Pinsel vorsichtig zu Hand, verewigte sich in Blau, Gelb, Blau, Grün oder Braun.

Dass Sybille Grunert aus den rudimentären Formen etwas Beachtliches macht, dürfte nach diesem Abend niemanden mehr überraschen. Denn gleich dahinter hingen mehrere, in unterschiedlichen Graden abstrahierte Werke. In einem scheinen sich sehr helle und sehr dunkle Farben zu umarmen - ein guter und ein böser Engel, die um die Vorherrschaft kämpfen? Der Titel gibt einen Hinweis darauf. Die Interpretation aber ist allein Sache des Betrachters - wie immer, wenn es um Kunst geht.

Bekannter sind Sybille Grunerts akkurate Stadtansichten, ergänzt durch Motive aus der Region, wie sie im Kalender für 2017 zusammengeführt sind: Die Schönwalder Kirche im November, Fließe über und unter Wasser im Sommer. "Unser Eden liegt vor der Haustür, man muss es nur erkennen und erhalten. Unser ausgebautes Lübben ist das beste Beispiel dafür", sagte sie. Umrahmt wurde ihre nachdenkliche, teils kritische, aber auch humorvolle Rede von der Lübbener Sängerin Sylvia Hoffmann und einer sehr bedachten Liedauswahl.

Deutlich wurde an dem Abend, wie vielseitig Sybille Grunerts Arbeiten sind. Wer sie "nur" als idyllische Spreewaldmalerin sieht, wird umdenken müssen.

Beispiel: Eine nackte Schönheit liegt auf einem Steg, im Vordergrund ein Apfel. Das "kleine Eden" wird hier von einer ganz anderen Seite beleuchtet - als Anspielung auf das biblische Paradies, das Adam und Eva verlassen mussten, woraus der Geschichte zufolge viel Leid folgte.

Was passiert, wenn man "sein" Eden nicht pflegt, machte Sybille Grunert am Beispiel der Umweltzerstörung deutlich. "Das ist Diebstahl an kommenden Generationen", sagte sie, "und führt zu knapper werdenden Ressourcen, was Konflikte und Krieg zur Folge hat". Mit einem Augenzwinkern hielt sie die Balance und fügte hinzu: "Eva legte einen Obsttag ein, und Adam konnte nicht Nein sagen" - eine saloppe Interpretation.

Kritik kam bei aller Leichtigkeit in der Programmgestaltung nicht zu kurz. "Wir sehen nur einen Mini-Ausschnitt unserer Wahrnehmung und wir nennen es Realität", setzte sie die Neigung zu voreiligen Schlüssen in Beziehung zum großen Ganzen. Ihr Anliegen sei es, ihren ganz persönlichen Blick auf die Realität wiederzugeben. Einen durchaus bescheidenen: Ihre Arbeiten würden zwar von Jahr zu Jahr farbintensiver. Doch "mein Farbempfinden lerne ich immer noch in der Natur zu schulen."