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| 13:28 Uhr

Ausstellung
Verwandtschaft, der „kleine Angsthase“ und eine Reihe Sitzender

Wogende Wellen über den dunklen Untiefen, ein Fischerboot mit hoffnungsfrohem roten Segel – diese Arbeit von René Graetz ist mit Lithografien und Siebdrucken ab Mittwoch in Lübben  zu sehen.
Wogende Wellen über den dunklen Untiefen, ein Fischerboot mit hoffnungsfrohem roten Segel – diese Arbeit von René Graetz ist mit Lithografien und Siebdrucken ab Mittwoch in Lübben zu sehen. FOTO: Anne Schneider
Lübben. Arbeiten des Künstlers René Graetz werden ab Mittwoch in Lübben gezeigt. Von Ingvil Schirling

Tiefblaues Wasser, graugrüne Untiefen und ein Fischerboot, das sich durch hohe Wellen kämpft, das japanrote Segel hoffnungsfroh gebläht. Eine Welle droht, über die Bordkante zu greifen. Ein Bild, das fesselt, Gedanken in Gang setzt, eine Geschichte erzählt. Warum ist das Fischerboot zu dieser Unzeit auf hoher See? Weiß es um den graugrünen Fels?

Das Titelbild der Ausstellung von René Graetz lässt eine besondere Schau erwarten. Arbeiten des Künstlers, 1974 verstorben, werden selten gezeigt. Das liegt auch daran, dass viele davon große Plastiken sind, die im öffentlichen Raum stehen, in Berlin, Bernau oder an der KZ-Gedenkstätte Buchenwald beispielsweise. Doch er war längst nicht nur Bildhauer. Zu sehen sein werden ab Mittwoch, 19. September, etwas mehr als 20 Lithografien und Siebdrucke sowie zwei Kaltnadelradierungen.

Doch wie kommt ein Künstler, aufgewachsen in Genf, der in Südafrika, Frankreich und London lebte und sich nach dem Krieg aus Überzeugung in Ostberlin niederließ, mit einer Ausstellung nach Lübben? Die Antwort: „Der Kämmerer des Dahme-Spreewald-Kreises, Stefan Klein, ist unser Neffe“, sagt Anne Schneider. Die Tochter von René Graetz verwaltet den Nachlass – und nicht nur den von ihm. Stefan Klein ist der Sohn der Schwester von Anne Schneiders Mann – und damit entfernt ebenso verwandt mit der Schöpferin des „kleinen Angsthasen“. René Graetz war ab 1944 mit der Künstlerin Elisabeth Shaw verheiratet. Die Grafikerin und Kinderbuchautorin verfasste neben diesem Klassiker der DDR-Kinderbuchliteratur viele andere bis heute sehr beliebte Geschichten und illustrierte bekannte Werke.

Ihr Mann René Graetz wäre dieses Jahr am 2. August 110 Jahre alt geworden. „Insofern passte es mit der Ausstellung“, sagt Anne Schneider. Im Juni besuchte sie die Ausstellungsräume der Vertikale-Galerie im Landkreis-Verwaltungsgebäude am Beethovenweg und fand: „Sie sind ganz schön, mit sehr viel Licht.“ Passend dazu suchte sie 23 Arbeiten ihres Vaters heraus, absichtlich, wie sie sagt, nicht unbedingt die schwerste Kost aus den Buchenwald-Mahnungen, sondern eher „leichtere“ Arbeiten. Zu sehen sein werden voraussichtlich auch weibliche Sitzstudien sowie weitere Werke, die von Graetz‘ Reisen nach Japan oder Bulgarien inspiriert sind. 

„Mein Vater hat gerne alles mögliche ausprobiert“, erzählt Anne Schneider. Aus seiner Zeit im kanadischen Internierungslager seien sechs oder sieben Bilder erhalten geblieben, „alle sehr abstrakt“. Ab den 1970er-Jahren wandte er sich ohnehin viel mehr der Abstraktion zu.

An ihre Kindheit in einem Künstlerhaushalt erinnert sie sich gerne. „Mein Vater war sehr liebevoll, und die Eltern haben uns eher laufen lassen“, berichtet sie von vielen Freiheiten. Andere Künstler gingen ein und aus, doch sie und ihr Bruder fanden auch ihre eigenen Wege.

Nach dem Tod der Eltern verwaltet Anne Schneider das Kunstarchiv Graetz und Shaw GmbH, das die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis ermöglicht. Eröffnung der Ausstellung ist am 19. September um 17 Uhr in der Vertikale-Galerie am Lübbener Beethovenweg.