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Kultur
Mirtschin-Plakate für die Seele

Eine neue Ausstellung ist seit Dienstag im Lübbener Rathaus zu sehen. Zur Eröffnung berichtete Reinhard Drogla (l.) vom Piccolo-Theater auf Einladung von Bürgermeister Lars Kolan (SPD) über die langjährige Zusammenarbeit mit der Künstlerin Jutta Mirtschin, deren Plakate zu den Inszenierungen des Cottbuser Kinder- und Jugendtheaters zu sehen sind.
Eine neue Ausstellung ist seit Dienstag im Lübbener Rathaus zu sehen. Zur Eröffnung berichtete Reinhard Drogla (l.) vom Piccolo-Theater auf Einladung von Bürgermeister Lars Kolan (SPD) über die langjährige Zusammenarbeit mit der Künstlerin Jutta Mirtschin, deren Plakate zu den Inszenierungen des Cottbuser Kinder- und Jugendtheaters zu sehen sind. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Neue Ausstellung mit Arbeiten der Berliner Künstlerin im Lübbener Rathaus Von Ingvil Schirling

Wenn alle unter den Pilz passen, dann kann es regnen, wie es will. Der Beweis für diese kesse These hängt seit Dienstag im Lübbener Rathaus. Zu sehen sind ein Hase, ein Piepmatz und mehrere Mäuschen im Schutz eines Pilzschirms, abwartend, wohl behütet und doch bereit fürs nächste Abenteuer. So, wie die Künstlerin Jutta Mirtschin, geboren 1949 in Chemnitz, das Piccolo-Theaterstück „Unter dem Pilz“ eben illustrierte - und so, wie sie es sieht.

Plakate des Piccolo-Theaters aus mehreren Jahrezehnten, hauptsächlich von ihr, sind derzeit im Lübbener Rathaus zu sehen. Zur Eröffnung war Reinhard Drogla als Chef des Cottbuser Kinder- und Jugendtheaters „Piccolo“ dabei und erzählte lebendig und authentisch von der festen Beziehung des Theaters mit seiner Illustratorin, die nunmehr seit Mitte der 1990er-Jahre besteht und immer weiter gewachsen ist. Jutta Mirtschin selbst war leider verhindert.

Es begann mit der Suche nach guten Grafiken für die Plakate, um für die aktuellen Inszenierungen zu werben, erinnerte sich Reinhard Drogla. „Wie kommen wir an Plakate, die zu uns passen“, ließ er die damalige Grübelei wieder aufleben. Schließlich half ein Blick ins Bücherregal der Töchter. „Martin und der Reifen“ fiel ihm in die Hand - von Jutta Mirtschin. Drogla wusste: Das ist es. Doch bis zum ersten Treffen bei Tee, Keksen und Wasser war es noch ein weiter Weg: Der Altberliner Verlag wusste damals schon, was Datenschutz ist, und gab die Adresse so einfach nicht heraus.

Doch schließlich saß der Cottbuser Theaterchef nicht nur im Wohnzimmer der Illustratorin, sondern überredete sie auch zu ihrer ersten gemeinsamen Arbeit für die Märchenadaption von Brüderchen und Schwesterchen.

Es folgten Jahre einer „sehr konstruktiven Auseinandersetzung“, erzählte er. Die Kernfrage war immer wieder - „bei jedem Plakat, bis heute“, so Drogla - ob das Plakat das Stück illustriert oder einen eigenen künstlerischen Weg gehen darf.

Nach „oftmals strittigen Diskussionen“, berichtete er, ergaben sich „sehr, sehr gute Ergebnisse“.

Dann folgte der nächste Sprung: Piccolo setzte die ersten Jugendtheaterstücke auf den Spielplan. Wieder ging die Suche nach einem guten Grafiker los. Die Berliner Künstlerin schien zunächst nicht in Frage zu kommen. Doch die rund zehn anderen Entwürfe „waren so... naja“, formulierte Drogla, entsprachen also nicht den Vorstellungen des Theaters. Als er in diesem Zeitraum in einer anderen Sache eimal mehr bei Jutta Mirtschin zu Besuch war, zeigte sie ihm „einen kleinen Entwurf“ von ihrer Seite. Es war „der Dürer-Klau“, wie Drogla salopp sagte, der nun gleich vorne unter dem Titel „Liebe“ im Rathaus-Foyer hängt. Jutta Mirtschin hatte klar bewiesen, dass sie nicht nur Kinder-, sondern auch Jugendtheaterstücke illustrieren kann. „Fortan waren alle Kritiker endgültig in sie verliebt“, erinnerte sich der Cottbuser schmunzelnd, und die Zusammenarbeit erreichte „eine neue Qualität“.

Inzwischen seien das Theater und seine Illustratorin „wie ein altes Paar“, skizzierte er. Irgendwann kaufte er selbst ein Bild, dann noch ein zweites. Heute schaut Reinhard Drogla an seinem Arbeitsort jeden Tag auf ein Plakat von ihr, „und das ist für die Seele gut“, wie er sagt. Nicht ohne stolz berichtete er, dass viele andere Theater etwas neidisch seien auf das „schöne Outfit“ des Piccolo-Theaters. Es sei „für uns ein Glück, so eine Beziehung immer wieder weiter zu entwickeln“.

Wohin das führt? „So lange ich da bin, wird Jutta Mirtschin Grafikerin des Hauses bleiben“, sagt Reinhard Drogla, nicht verschweigend, dass es auch Versuche gab, sie abzuwerben. Das Piccolo-Theater sei ihr sehr dankbar für ihre Treue. Langweilig wird es bestimmt nicht, darauf weisen schon die Figuren auf den Plakaten hin. Große, offene Augen schauen wissbegierig in die Welt - bereit für das nächste Abenteuer und doch behütet unter dem Schirmpilz.