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Ausstellung
Auf den Spuren der goldenen Kugel

Mit großer Fingerfertigkeit und Sprechkunst ließ Monika Parthier zur Eröffnung der neuen Märchenausstellung im Lübbener Museum die Puppen lebendig werden. Zur Aufführung kam „Hänsel und Gretel“.
Mit großer Fingerfertigkeit und Sprechkunst ließ Monika Parthier zur Eröffnung der neuen Märchenausstellung im Lübbener Museum die Puppen lebendig werden. Zur Aufführung kam „Hänsel und Gretel“. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Das Museum Schloss Lübben eröffnet die Weihnachtsausstellung „Detektive im Märchenwald“. Von Ingvil Schirling

Wie viele Zwerge sitzen am Tisch, als Schneewittchen ihre Hütte entdeckt? Was fällt der Prinzessin in den Brunnen? Wo versteckt sich das siebte Geißlein? Und was genau muss Aschenputtel sortieren – gute und schlechte Linsen oder Reis und Smarties?

Mit Witz und Überraschungseffekten wartet die neueste Ausstellung im Museum Schloss Lübben auf, extra auf Weihnachten und die Adventszeit zugeschnitten und ein schöner Zeitvertreib während der dunklen Monate. „Detektive im Märchenwald“ – so heißt die Schau. Corinna Junker, wissenschaftliche Mitarbeiterin, hat die Wanderausstellung unter dem eigentlichen Titel „Rätselhafte Märchenwelt“ des Deutschen Stuhlbaumuseums Rabenau/Sachsen in die Spreewaldstadt geholt.

Seit Freitag ist sie zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen. Am Donnerstag wurde sie offiziell eröffnet. Ein Höhepunkt: Das Marionettentheater „Hänsel und Gretel“, gekonnt gespielt von Monika Parthier. Vor einer liebevoll gestalteten Kulisse aus Holz ließ sie im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen, als sie die Charaktere der folgsamen Gretel und des verspielten Hänsel zum Leben erweckte. Geboren in eine bettelarme Familie, schickt die Mutter sie in den Wald zum Beerensammeln. Anders als im Original folgte dieser Akt der Verbannung einem Wutanfall, weil die Kinder kostbare Milch verschüttet hatten, und nicht der Absicht, die Geschwister ihrem Schicksal auszuliefern, um zwei Esser weniger im Haus zu haben.

Die kleine Veränderung entspricht der heutigen Zeit. „Wir sind heute froh, dass wir gut behütet sind und nicht mehr Kinder in den Wald schicken müssen“, sagte Kultur- und Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) vom Landkreis Dahme-Spreewald. Bürgermeister Lars Kolan (SPD) sagte in seiner Eröffnungsrede: „Die Hoffnung, dass alles wieder gut wird, dürfen wir in die Adventszeit mitnehmen.“

Er bemerkte aber auch: „Kein Schlossherr darf mehr bestimmen, wer hier herein darf.“ Das Schloss Lübben „ist für alle da“ – anders als es früher war.

Schlossherren, Prinzessinnen, arme Kinder und Diener, deren Herzen von Eisenbändern zusammengehalten werden – all das sind Lebenserfahrungen, „in Beispiele verpackt“, wie Carsten Saß fortführte. So wie die Märchen aus Grimms Zeiten uns heute noch prägen, von klein auf, so stelle sich die Frage, „was wir in Geschichten verpacken können, die in zwei-, dreihundert Jahren an andere Menschen weitergegeben werden“, sagte er. Und noch grundsätzlicher regte er an darüber nachzudenken, „was wir uns gegenseitig erzählen und wie wir einander zuhören wollen“.

Wenn also (Achtung Spoiler!) statt des bösen Wolfes ein Nilpferd im Bett liegt, ein Handy in den Brunnen fällt, wenn die Prinzessin statt auf einer Erbse auf einer Melone liegt – dann sind Detektive gefragt. Und wenn sie alle Märchen „repariert“ haben, wie Lars Kolan sagte, dann dürfen sie gerne noch selbst hineinschlüpfen – in Prinzessinnen- und Ritterkostüme, in Froschhaut und Wolfsfell, unter Perücken und in Rüstungen. Wenn das kein Spaß ist im Winterdunkel! Zu sehen ist die Ausstellung übrigens bis zum 11. März – wenn es wieder heller wird.