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Lübbener Kahnnächte
Machtspiele am Spreeufer

"Gute und böse Mächte". Die letzte Station der Kahnnacht am Samstag in Lübben war zumindest optisch die eindrucksvollste.
"Gute und böse Mächte". Die letzte Station der Kahnnacht am Samstag in Lübben war zumindest optisch die eindrucksvollste. FOTO: A. Staindl
Lübben. Die Lübbener Kahnnächte bleiben ein Renner. Auch die zweite Auflage in diesem Jahr war gut besucht. Andreas Staindl

Für die erste Runde am Samstagabend waren die Karten schon im Vorverkauf ausverkauft. Wer spontan dabei sein wollte, konnte sich allerdings noch Karten für die zweite Runde an der Abendkasse holen. Vor allem Urlauber und Tagesgäste nutzen gern die nächtliche Fahrt durch das Spreewald-Varieté.

Die Lagunenlandschaft wird zur großen Freiluftbühne. Für das fahrende Publikum gibt es so manche Überraschung entlang der Strecke. Die Lübbener Kahnnächte bieten Tanz und Musik, Artistik und Theater, auf jeden Fall unvergessliche Eindrücke. "Machtspiele" ist das Thema der Kahnnacht am Samstag. Die dunkle Seite von Macht und Mächten wird humorvoll beleuchtet. Mit ein bisschen Fantasie ist auch die kraftvolle Macht der Liebe und Leidenschaft zu spüren.

An zehn Stationen setzen Künstler das Thema um. Und das auf ganz unterschiedliche Weise. Mal mit einfachen Worten - diese allerdings mit spitzer Zunge gesprochen - oder mit Gesang und Tanz. Die Kahngäste haben ihren Spaß. Die Stimmung ist schon in den ersten Kähnen ausgelassen gut. Wenn sich Künstler und Zuschauer aufeinander einlassen, entsteht eine wunderbare Verbindung. Da lachen Beteiligte übereinander, hin und wieder auch über sich selbst. Manchmal zündet schon die Begrüßung, ein anderes Mal braucht es etwas länger, bis der versteckte Humor die Gäste erreicht.

Auch diesmal ist der Unterhaltungswert an den Stationen zwischen der Schlossinsel und der Liebesinsel sehr unterschiedlich. Die Macht hat halt viele Gesichter. Sie ist leidenschaftlich und liebevoll, manchmal aber auch dunkel und böse. Diese unterschiedlichen Facetten sind Samstagnacht zu hören und sehen.

Los geht es mit Machtspielereien der Europäischen Union. Von der Brücke am Schlangengraben werden "Brüsseler Spitzen" verbal in die dort haltenden Kähne geworfen. Eine Einstimmung auf das, was an den weiteren neun Stationen folgt. "Matrix - Die Macht der Daten" heißt es wenige Meter weiter am Schloss. Wann dort gespielt wird, ist auf dem weiträumigen Festgelände zu hören. Ein lautstarker Schuss gehört zum Bestandteil der Szene. Im Zehn-Minuten-Takt zerfetzt ein lautstarker Knall die Stille der Nacht. "August-Wunder machen stark" heißt es an der Steinspirale.

Am Wasserspielplatz sind zwei Gladiatorinnen im Einsatz. Das ist auch jene Station, die gern zum Ausstieg für einen Toilettengang genutzt wird. Am nächsten Halt hätte sich das ohnehin niemand getraut. Dort begrüßt der Pop-Titan Dieter Bohlen die Gäste: "Ich bin der Dieter, nicht der Michael Hirte." Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: "Oh....." An dieser Station geht es um die Macht der Medien. Ob Dieter Bohlen seinen Superstar in einem der vorbeifahrenden Kähne entdeckt hat, ist nicht bekannt. Sein Gesang gemeinsam mit Thomas Anders als "Modern Tenoring" zumindest kommt gut an - auch wenn beide natürlich nicht die echten Stars sind. Geschenkt. Das Publikum fühlt sich bestens unterhalten. Und darauf kommt es an.

Natürlich darf auch die Macht der Geschlechter während der Kahnnacht am Samstag nicht fehlen. Ein mittelalterliches Hausstreitlied wird dafür benutzt. Wenig später taucht "Der verrückte Doktor" am Ufer auf. Bei ihm geht es um die Macht der Zeit, wenige Meter weiter um die Macht der Leidenschaft.

Die Liebesinsel wird traditionell während der Kahnnacht umrundet - nicht ohne auch dort von Künstlern empfangen zu werden. "Das Gesetz auf Streife" heißtes diesmal dort. Das Beste kommt zum Schluss. Zumindest setzen die beiden Damen mit ihrer Darstellung von guten und bösen Mächten einen optischen Glanzpunkt. Wenn der große Drache plötzlich aus dem Dunkel auftaucht, um sich das Wasser schöpfende Mädchen am Ufer zu holen, ist der Respekt vor dem Fabelwesen unter den Zuschauern spürbar.

Die Lübbener Kahnnächte sind nicht nur eine große Revue am Ufer, sondern auch eine Reise vorbei an Kunstwerken der Aquamediale. Und die wirken nachts und angestrahlt noch eindrucksvoller. Kunstwerke als Kulisse - ein schöner Nebeneffekt.