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Pückler im anderen Licht
Fürst Pückler war auch Wende

Die bunte Seepyramide im Branoitzer Park ist wiethin bekannt, dass Fürst Herrmann von Pückler Wende war, eher nicht.
Die bunte Seepyramide im Branoitzer Park ist wiethin bekannt, dass Fürst Herrmann von Pückler Wende war, eher nicht. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Lübben. Der berühmte Fürst Hermann von Pückler-Muskau ist als Schöpfer von Landschaftsparks bekannt. Er war auch ein galanter Charmeur, Erzähler und reisender Adliger. Dass er zudem Wende war, wie auch die Mehrheit seiner Untertanen in den Herrschaften Muskau und Branitz, das wird kaum wahrgenommen.

Werner Meschkank macht darauf aufmerksam. Der Kurator des wendischen Museums in Cottbus hat zu Pückler und den Wenden recherchiert, in Archiven gekramt und Erstaunliches entdeckt. Etwa das Zitat: „Da ich nämlich auch ein geborener Wende bin.“

Gefunden hat es Werner Meschkank im Briefverkehr des Fürsten mit der Gräfin Ida Hahn-Hahn. Der Adligen aus Norddeutschland gestand Pückler, dass er ein geborener Wende sei. Der Kurator hat noch weit mehr Zeugnisse gefunden die belegen, dass das Leben des Fürsten untrennbar mit den Wenden verbunden war. Er berichtete davon während eines Vortrags kürzlich in Lübben. Die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus hatte in den Rathaussaal eingeladen.

Das Interesse war überschaubar, der Vortrag selbst dafür umso amüsanter. Werner Meschkank, ein wendischer Muttersprachler, nahm die Zuhörer mit zahlreichen Anekdoten und erstaunlichen Erkenntnissen mit in die Zeit des Fürsten von Pückler. Dass der Adlige wendische Wurzeln hat, ist wenig überraschend. Schließlich war die Mehrheit der Bevölkerung in und um Muskau im 18./19.Jahrhundert wendisch-sorbisch geprägt. Selbst nach Pücklers Tod im Jahre 1871 gab es Meschkank zufolge Orte in der Region, die zu hundert Prozent von Wenden bewohnt wurden.

Dass der Fürst Kontakt zu Wenden hatte, mit einigen sogar befreundet war, verwundert deshalb kaum. Zudem sprach sein eigener Großvater, der Reichsgraf von Callenberg, fließend wendisch. Pückler selbst konnte wohl einige Worte, die ihm sein Kindermädchen beigebracht hatte.

Werner Meschkank zufolge stand der Fürst dem Wendischen aufgeschlossen gegenüber. Der Komponist und Dichter Immanuel Schefer - ein Wende - war ein enger Freund von ihm. Die Schefer-Villa gibt es noch immer in Bad Muskau. Der Kurator hat diese gefunden - auch ohne Hinweis darauf - und sie im Bild festgehalten. Er würzte seinen Vortrag mit zahlreichen historischen Fotos und Zitaten. Und er gab Einblick in das Leben des Fürsten. Dieser soll gern im Mittelpunkt gestanden haben und immer für außergewöhnliche Aktionen bekannt gewesen sein. So sei etwa überliefert, dass er eine lebensgroße Puppe mit seiner Kleidung aus einem Turm ins Wasser geworfen hatte, und alle dachten, Pückler selbst habe sich heruntergestürzt.
Ein anderes Mal habe er einen kleinwüchsigen Geiger ins Wasser geführt, ihn anschließend jedoch fürstlich entlohnt. Hermann von Pückler war offenbar bodenständig und im engen Kontakt mit der wendischen Bevölkerung.

Auch während eines längeren Aufenthalts in England und Irland erinnerte er sich an seine wendischen Wurzeln. Das geht laut Werner Meschkank aus Briefen des Fürsten an den heimatlichen Hof hervor. Darin schreibe er etwa, dass das irische und wendische Volk erstaunlicherweise viele Gemeinsamkeiten habe.

Ute Henschel, Leiterin der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur, ist „dankbar, dass sich Werner Meschkank so intensiv mit der Beziehung Pücklers zu den Wenden beschäftigt. Bisher ist nur sehr wenig darüber bekannt.“ Der Kurator selbst wundert sich, „dass selbst Experten nicht zu Pücklers wendischer Geschichte recherchieren“. Er hat seine Erkenntnisse in einer Broschüre festgehalten.

Text und Foto: Andreas Staindl/asd1..Bildtext: Werner Meschkank hat sich mit Fürst Pückler und den Wenden beschäftigt. Von seinen Erkenntnissen berichtete er während eines Vortrags in Lübben.     ..
Text und Foto: Andreas Staindl/asd1..Bildtext: Werner Meschkank hat sich mit Fürst Pückler und den Wenden beschäftigt. Von seinen Erkenntnissen berichtete er während eines Vortrags in Lübben. .. FOTO: Andreas Staindl / Staindl Andreas