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| 17:48 Uhr

Vor dem Trachtenfest
Künstlerpicknick mit Stoffgeschichten

 Die Ethnologin Kerstin Bragenitz (re.) führte die Gäste in die Welt der Trachten ein. Das Künstlerpicknick am Museum gestern in Lübben sorgte für Aufmerksamkeit.
Die Ethnologin Kerstin Bragenitz (re.) führte die Gäste in die Welt der Trachten ein. Das Künstlerpicknick am Museum gestern in Lübben sorgte für Aufmerksamkeit. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Die Tracht als Identifikation für ein ganz spezielles Leben und die Stellung in der Gesellschaft.

 Je näher das Deutsche Trachtenfest rückt, umso spannender werden offensichtlich die Aktionen in Lübben. Das Künstlerpicknick am Sonntagnachmittag auf der Wiese am Museum Schloss Lübben war ein Volltreffer. Zahlreiche Gäste sind der Einladung zum Workshop „Stoffgeschichten“ gefolgt. Sie haben sich künstlerisch der Tracht genähert.

Kerstin Bragenitz aus Zernsdorf (Königs Wusterhausen) hat den Workshop geleitet. Die Ethnologin führte die Besucher in die Welt der Trachten ein – immer mit der passenden Geschichte und dem konkreten Hintergrund dazu. Wer trägt welche und was bedeutet diese Tracht in Afrika? Was verbinden Menschen auf pazifischen Inseln mit einer Tracht? Welche Bedeutung haben Trachten in Australien? Das Thema passt hervorragend zur Kunstaktion „Drastwa“, die von Anfang April bis Ende Juni dieses Jahres im Museum Schloss Lübben stattfindet (die RUNDSCHAU berichtete). Die Tracht (sorbisch Drastwa) stand auch am Sonntag im Mittelpunkt.

Kerstin Bragenitz hat ein großes, weißes Tuch mitgebracht, auf dem sie schon Motive von Trachten aus aller Welt gemalt hatte. Es war noch reichlich Platz für weitere Motive. Diese mussten nicht aus dem Spreewald, sondern konnten aus der ganzen Welt sein. Tracht quasi als Identifikation für ein ganz spezielles Leben. Aber auch als Symbol für eine gewisse Stellung in der Gesellschaft, als Ausdruck der eigenen Identität. Stoffgeschichten halt. Die Ethnologin hatte verschiedene Bücher mit Motiven von Trachten aus aller Welt dabei. Auch Farben und Pinsel brachte sie mit. Besucher ließen sich gern motivieren, ein Motiv ihrer Wahl auf das große Tuch zu malen.

Jana Liebermann aus Lübben war mit ihrer Familie gekommen. „Das Projekt ist spannend“, sagt sie. „Wir haben uns darauf gefreut und machen natürlich gern mit.“ Ein Motiv nach dem anderen entstand. Wer wollte, durfte auch weiße Bänder farblich gestalten. Diese werden in die Bäume auf der Wiese am Museum gehängt, „um zusätzlich für Aufmerksamkeit zu sorgen“, wie die Museumschefin Corinna Junker sagt. Sie freute sich über die gute Resonanz: „Spaziergänger sind interessiert stehengeblieben, haben sich inspirieren lassen. Unsere Aktion im Freien hat offensichtlich neugierig gemacht. Ich würde mir wünschen, dass Leute merken, dass Museen auch spannend sind, und wiederkommen.“

Regina Schulze hatte kurz zuvor vom Künstlerpicknick erfahren und war gespannt auf das Projekt. Sie hatte sich eine Picknickdecke mitgebracht, es sich bei Kaffee und Kuchen gut-gehen lassen: „Hm, schmeckt hervorragend.“ Ihre Decke lieferte dann die Vorgabe für ihr Motiv, das sie später auf das große Tuch gemalt hat. Die Lübbenerin hatte sich für einen Derwisch entschieden. Das Motiv des Angehörigen einer religiösen Ordensgemeinschaft hat sie zuerst auf eine Schablone und dann auf das weiße Tuch übertragen. Regina Schulze hatte drehende Derwische in der Türkei gesehen-offenbar mit bleibendem Eindruck. Immer wieder wurden Spaziergänger auf die Aktion im Freien aufmerksam. Sie schauten interessiert zu oder griffen selbst zu Farbe und Pinsel. Ganz fertig wurde das gemeinsame Werk gestern nicht. Kerstin Bragenitz könnte sich einen weiteren Workshop vorstellen. Der künstlerisch gestaltete Stoff soll Teil der Ausstellung sein, in der alle Arbeiten der Kunstaktion „Drastwa“ zu sehen sind. Dass das Trachtenfest auch überregional wirkt, nachhaltig ist und Lübben noch bekannter macht, darauf hofft der Bürgermeister Lars Kolan (SPD), wie er schon mehrmals sagte. Die Kunstaktion gestern hat zumindest schon mal eine Kunstexpertin aus Cottbus neugierig gemacht. Ulrike Kremeier, Direktorin des Kunstmuseums „Dieselkraftwerk“-dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst-wurde durch einen Facebook-Eintrag der Lübbener Künstlerin Karen Ascher auf das Künstlerpicknick aufmerksam. Sie war begeistert: „Eine tolle Idee, den Workshop im Freien zu veranstalten. So werden viel mehr Menschen erreicht. Es ist richtig und lohnenswert, Museumspädagogik zu umzusetzen, weil man mit Aktionen wie dieser hier ganze Familien für Kunst, Kultur und Museen interessiert.“ Ulrike Kremeier könnte sich vorstellen, „dass wir Museen in der Lausitz uns noch mehr vernetzen. Dass, was ich hier in Lübben sehe, begeistert mich.“

Die Kunstaktion „Drastwa“ wird mit weiteren Projekten fortgesetzt. Infos und Termine unter www.museum-luebben.de im Internet.