Mit Glockengeläut soll am Donnerstag, 23. April, ab 19.30 Uhr an die Zerstörung Lübbens im Zweiten Weltkrieg erinnert werden. Pfarrer Martin Liedtke wird gemeinsam mit seinem katholischen Amtskollegen Udo Jäkel und Steffen Neubauer von der Neuapostolischen Gemeinde sowie Bürgermeister Lars Kolan (SPD) während eines ökumenischen Gebetes Kerzen an der Weltkugel im Turm entzünden. Außerdem ist die Paul-Gerhardt-Kirche am Donnerstag von 12 bis 20.30 Uhr geöffnet, teilt Pfarrer Liedtke mit. Besucher können Kerzen im Gedenken an die Getöteten und Gefallenen aufstellen.

Historisch belegt ist, dass der Lübbener Stadtkommandant in den letzten Kriegstagen 1945 die angebotene Kapitulation am 20. April ablehnte und damit die Zerstörung der Lübbener Innenstadt besiegelte. Noch am selben Tag begann der Beschuss der Stadt, in dessen Folge Lübben 90 Prozent zerstört wurde. Am 23. April um 19.30 Uhr begann – nach Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Richard Raabe – der Kirchturm zu brennen. Er stand bis zum nächsten Morgen um 4 Uhr in Flammen. Über 40 Jahre blieb der Turm ohne Haube bis zum Juni 1988 die Kirchturmhaube samt Glocke wieder aufgesetzt wurde.

Mehr als 800 Tote bei Kämpfen in Lübben

Während der Kampfhandlungen in Lübben fielen etwa 150 deutsche Soldaten und Offiziere, 163 sowjetische Soldaten und Offiziere. Mehr als 500 Zivilpersonen verloren ihr Leben. Für sie werden die Glocken am Donnerstagabend etwa 15 Minuten lang läuten.

Mit einer Themenwoche im Rahmen des Kulturlandjahres „Krieg und Frieden“ sollte in dieser Woche eigentlich an die Ereignisse im April 1945 in Lübben erinnert werden. Aufgrund der Corona-Krise musste die Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Auferstanden aus Ruinen“ ausfallen. Nun soll das Projekt im Spätherbst stattfinden, teilt die Stadt mit.