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| 16:41 Uhr

Gesundheit
Kreistag setzt auf Klebe-Effekt: Mediziner-Stipendium beschlossen

Junge Ärzte braucht der Landkreis – und will sie mit Hilfe eines Stipendiums anlocken. Dafür hat der Kreistag grünes Licht gegeben.
Junge Ärzte braucht der Landkreis – und will sie mit Hilfe eines Stipendiums anlocken. Dafür hat der Kreistag grünes Licht gegeben. FOTO: dpa / Jens Büttner
Lübben. 500 Euro monatlich über vier Jahre gegen Dienst als Arzt im Landkreis. Von Ingvil Schirling

Junge Ärzte braucht der Landkreis Dahme-Spreewald dringend, vor allem angesichts des kommenden Generationswechsels. Um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, hat der Kreistag am Mittwoch ein Stipendienprogramm beschlossen. Studierende der Medizin können vier Jahre und drei Monate lang finanziell mit 500 Euro pro Monat unterstützt werden und verpflichten sich im Gegenzug, nach ihrer Approbation mindestens vier Jahre lang im Landkreis tätig zu werden.

Dahinter steckt die Hoffnung auf einen „Klebe-Effekt“: Wer als junger Mensch nach dem Studium zum Arbeiten in eine Region kommt, mit oder ohne Partner, lernt diese häufig schätzen, vielleicht auch den oder die Liebste dort kennen, gründet eine Familie – und bleibt. So soll die medizinische Versorgung für die Einwohner im Landkreis mittel- bis langfristig gesichert werden.

Mit großer Mehrheit hat der Kreistag daher das Mediziner-Stipendium beschlossen. In den laufenden Haushalt ist bereits Geld dafür eingestellt, sodass fünf Stipendien noch dieses Jahr ausgereicht werden könnten. Darüber hinaus hat die Verwaltung die Vorbereitungs- und Diskussionszeit genutzt, um Flyer und Werbematerial zu erstellen. Wenn alles gut geht, könnten die ersten Studienbeihilfen bereits zum kommenden Semester gewährt werden. Dem Krankenhaus, Gesundheitsamt oder Praxen stünden die jungen Ärzte nach Ablauf ihrer Regelstudienzeit zur Verfügung. Das wäre in etwa viereinhalb bis fünf Jahren.

Durch die lange Vorbereitung in den Gremien war das Thema inhaltlich zwar so gut wie ausdiskutiert. Doch den griffigen Ansatz mit Ausstrahlung in die Öffentlichkeit nutzten einige Abgeordnete, um sich nochmals zu Wort zu melden. Lothar Treder-Schmidt (SPD/Grüne) erneuerte seine schon im Kreisausschuss ausgeführten Zweifel. Die Problemlage sei „komplexer als das, was die Vorlage hergibt“. Er sprach sich dafür aus, die Verpflichtungszeit der jungen Ärzte zu verlängern und führte Beispiele anderer Regionen an, die deutlich mehr bezahlen. Gesundheitsdezernent Carsten Saß (CDU), aus dessen Zuständigkeit der Vorschlag kommt, verwies einerseits auf den Haushaltsbeschluss, der aktuell fünf  Stipendien à 500 Euro/Monat ermöglicht. „Mein Vorschlag wäre, mit diesen 500 Euro anzufangen – bei Bedarf kann man ja immer noch nachbessern.“ Die zeitliche Bindung für den ärztlichen Dienst im Landkreis sollte im Vergleich zum Förderzeitraum nicht zu sehr auseinanderklaffen. „Sie können nicht vier Jahre fördern und erwarten, dass jemand sich zehn Jahre bindet“, sagte er.

Frank Selbitz (UBL/Wir für KW) lehnte den Vorschlag hingegen „rundweg ab“, weil er einen Präzedenzfall schaffe zur Gewährung von Zuschüssen für andere Berufe, etwa zur Ausbildung von Busfahrern oder Kitaerziehern. „Wir machen ein Tor auf, dass zu einer Flut von Unterstützungs-Richtlinien führt.“

Jens-Birger Lange (AfD) sagte, inhaltlich stehe man voll hinter der Richtlinie, störe sich aber am Sprachgebrauch. Der Text bildete die breite Vielfalt geschlechtergerechter Formulierungen ab, vom großen I („StudentInnen“) über die Paar-Formulierung („Ärzte und Ärztinnen“) bis zum Gender-Sternchen („Bewerber*innen“). Das, so Lange, sei schwer lesbar. Er warb für Einheitlichkeit. Gleichstellungsbeauftragte Elke Vogt verwies daraufhin auf die Hauptsatzung, die die männlich-weibliche Formulierung der Satzungen aus Gründen der Gleichberechtigung im Wechsel festlegt. Da die vorangegangene Satzung in männlicher Form formuliert ist, muss diese nun durchgängig in weiblicher geschrieben werden, ist die Konsequenz aus dieser Festlegung des Kreistages. Gemeint sind ausdrücklich immer beide Geschlechter. Jens-Birger Lange sah damit seine Forderung nach Einheitlichkeit erfüllt und zog seinen Antrag zurück.

Die Bedingungen des Stipendiums, für das sich Medizinstudenten ab sofort bewerben können, finden sich auf www.dahme-spreewald.de. Die 500 Euro werden laut Landkreis zwar auf mögliches Bafög angerechnet, müssen aber nicht zurückgezahlt werden – sodass sich die finanzielle Last der Studierenden in diesen Fällen verringert.